12. März 2019, 19:36 Uhr

Da wackelt der ganze Zug

12. März 2019, 19:36 Uhr
Musik von der Grünen Insel haben (v. l.) Ciara und Brid O’Donnell, Harry Lawlor und Mark O’Donnelll mitgebracht. (Foto: har)

»Fahren wir denn heute?« Diese Frage mussten Veranstalter Holger Baake und Stefan John, der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde Wetterau, am Sonntagabend immer wieder beantworten. »Ja, wir fahren immer«, meinte John, während auf den Bahnsteigen gegenüber gerade der vorübergehende Ausfall aller Züge wegen des Sturms durchgesagt wurde.

»Wir haben die Strecke bis Griedel abgefahren und zwei umgestürzte Bäume entfernt«, sagte John, kurz vor der Abfahrt des Zuges mit einer Diesellok, die zum ersten Mal zum Einsatz gekommen war. Dreimal bremste der Zug auf dem Hinweg stark ab, doch es war kein Baum, der dazu führte, sondern die hydraulische Bremse, an die sich der Lokführer erst gewöhnen musste.

In Griedel angekommen, startete die Band »Billow Wood« aus dem Nordwesten Irlands ihr Konzert auf der kleinen Bühne des voll besetzten Theaterwagens. »Wir hoffen, dass es euch gefällt«, meinte Mark O’Donnell, der mit seinen Cousinen Ciara und Brid sowie Harry Lawlor das Konzert mit der passenden Eigenkomposition »Hello Hello« eröffnete.

Seit vier Jahren besteht die Band in der jetzigen Besetzung, doch zusammengespielt haben die vier schon als Kinder und in anderen Formationen. Das sympathische Quartett, deren Spaß an ihrer Musik die Besucher sofort spüren, bezeichnen sich selbst als »Folk Indie Pop multiinstrumental harmonising vocal Group«.

Popmusik mit Flöten

Diese Beschreibung stimmt nur zum Teil, ist doch die traditionelle irische Musik die Grundlage für ihre eigenen Stücke, die schon in Richtung »Pop« gehen, doch dank der traditionellen Instrumentierung mit Flöten oder Whistle, der irischen Handtrommel Bodhrán, Geige, Akkordeon und Akustikgitarre klingen diese doch irgendwie irisch. So wie bei »The life we wanted«, dem Titel der aktuellen CD der Band. Den eingängigen Refrain singen die Besucher schnell lautstark mit, bilden darüber hinaus einen so lauten Backgroundchor, sodass die beiden Sängerinnen Ciara und Brid kaum durchkommen, Doch das merken die Zuhörer und singen schnell leiser.

In einem anderen Arrangement hätte der Song durchaus Hitpotential, ebenso wie »Pushin‹ and Shovin‹, in dem alle vier mit ihren Gesangstimmen glänzten. In immer neuer Zusammenstellung singen die vier die Eigenkomposition, mal der eine ein Stück solo, dann eine der beiden Frauen, mal als Duett und schließlich alle zusammen. Nicht nur der Gesang wechselt ständig, gleiches gilt auch für die Instrumentierung.

Ciara wechselt zwischen den Flöten, den Whistles und der Bodhrán, die auch mal Gitarrist Harry spielt. Ist dies der Fall, spielt Mark statt Geige eben Gitarre oder sorgt mit Rasseln und Tambourin für Rhythmus. Alle vier brillieren als Instrumentalisten ebenso wie mit ihrem ausgeprägten Gesang. Das Quartett hat auch einige Tunes selbst geschrieben. Diese schnellen Instrumentalstücke kombinieren sie mit klassischen Tunes. Im Verlauf des Abends spielen die vier auch Klassiker, wie »The Wild Rover« oder den Dubliners-Hit »The Auld Triangle«.

»Boots of Spanish Leather« von Bob Dylan wird bei »Billow Wood« ebenso zum modernen Irish Song wie der Oldie »Bang Bang« den unter anderem Nancy Sinatra und Cher gesungen haben. Zum umjubelten Finale überraschen die vier mit ihrer ganz eigenen Version des Nena-Klassikers »99 Luftballons«. So hatten die Besucher den NDW-Hit noch nie gehört.

»Diesen Abend werden wir so schnell nicht vergessen«, meinte Mark und Ciara fügte hinzu: »We shaked the Train«, frei übersetzt: »Wir haben den Zug zum Wackeln gebracht«. Stimmt.

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