Wetterau

»Christen dürfen keine Pessimisten sein«

Ein offenes Ohr für die Erfahrungen und Meinungen der ehrenamtlich Engagierten hatte Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz bei einem Treffen in der Gemeinde Sankt Gottfried in Butzbach. Im Rahmen der Visitation des Bistums Mainz gab es nach dem Gottesdienst ein Treffen mit ihm im Gemeindehaus.
05. Dezember 2018, 20:02 Uhr
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Der Besuch des Weihbischofs in der Pfarrgruppe Rockenberg, Oppershofen, Münzenberg und Gambach wird mit einem Gottesdienst gefeiert. (Foto: bu)

Ein offenes Ohr für die Erfahrungen und Meinungen der ehrenamtlich Engagierten hatte Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz bei einem Treffen in der Gemeinde Sankt Gottfried in Butzbach. Im Rahmen der Visitation des Bistums Mainz gab es nach dem Gottesdienst ein Treffen mit ihm im Gemeindehaus.

Viel Verständnis für die Ängste und Sorgen von Gemeindemitgliedern angesichts der bevorstehenden Umbrüche in der katholischen Kirche in den nächsten Jahren zeigte der Weihbischof bei seiner Predigt. Die Kirche lebe in einer stürmischen Zeit – auch angesichts der Nachrichten über die sexualisierte Gewalt in der Kirche, das Versagen der Verantwortlichen und Kirchenaustritte. Auch er habe manchmal schlaflose Nächte angesichts der vielen Bitten und Wünsche, die an ihn als Generalvikar des Bistums Mainz herangetragen würden und des gleichzeitigen oder absehbaren Rückgangs an Kirchenmitgliedern, Priestern, Gemeinde- und Pastoralreferenten und Kirchensteuermitteln.

Kirche habe sich schon immer wandeln und verändern müssen und »pilgere durch die Zeit«. Es müsse darum gehen, gemeinsam im Vertrauen auf Gott zu suchen, was sich entwickeln kann. »Keiner hat sich vor 90 Jahren die Kirche in der Wetterau so vorgestellt, wie sie heute ist.« Ein Christ dürfe nie ein Pessimist sein, denn »unsere Zeit ist nicht das Endgültige. Wir können das, was ist und was war, nicht festhalten. Wir wissen: Das Eigentliche kommt erst noch bei Gott.«

Dank an alle Mitarbeiter

Er habe in der Gemeinde St. Gottfried bei seinen Gesprächen mit den Seelsorgern, den Verantwortlichen im Kindergarten St. Martin und dem Pfarrgemeinderat viel Realismus vorgefunden mit einem Blick für Schwierigkeiten, aber auch viel Hoffnung. Für jeden Umbruch gelte, dass »Gott immer bei uns ist und seine Finger mit im Spiel hat«, betonte der Weihbischof. Er wünschte der Gemeinde, dass sie vertrauensvoll in die Zukunft schauen kann und forderte alle dazu auf, sich einzubringen und den Glauben zu teilen, um so das Leben als Kirche weiter zu entfalten.

Bentz bedankte sich bei allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Gemeinde dafür, dass sie Kirche lebendig halten, besonders bei Pfarrer Tobias Roßbach, der »mit der Gemeinde ja noch quasi in den Flitterwochen ist«, so der Weihbischof in Anspielung auf dessen noch junge Amtszeit. Sehr beeindruckt zeigte er sich auch von einem Besuch in der Butzbacher JVA und kündigte an, mit den Gefangenen am Heiligen Abend den Gottesdienst zu feiern.

Beim Empfang im Gemeindehaus setzte sich der Weihbischof reihum an alle Tische, um mit den rund 70 anwesenden Gemeindemitgliedern ins Gespräch zu kommen. Er hörte viel zu, erkundigte sich nach Sorgen, Wünschen und Meinungen. So gingen die Themen vom Priesternachwuchs, zu dem die Gemeinde erfreulich beitrage, über neue Formen der Verwaltung der Kindergärten, über Medienarbeit bis hin zur Jugendarbeit.

Der Weihbischof besuchte auch die Pfarrgruppe Rockenberg, Oppershofen, Münzenberg und Gambach. Auch hier sprach er mit hauptamtlichen Mitarbeitern der Pfarrgruppe und dem Gesamtpfarrgemeinderat. Mit einer Eucharistiefeier in der St. Laurentius Kirche in Oppershofen wurde die Visitation abgeschlossen. Nach dem Gottesdienst gab es einen regen Gedankenaustausch bei einem Empfang im Pfarrheim St. Bardo mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Gästen der Pfarrgruppe.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Christen-duerfen-keine-Pessimisten-sein;art472,525245

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