16. September 2017, 12:00 Uhr

Krach im Vorstand

CDU-Vorsitzender taucht unter und tritt nicht wieder an

Seit Wochen sind die Friedberger CDU-Mitglieder im Wahlkampf unterwegs, nur einer nicht: der Vorsitzende Dr. Hermann Hoffmann. Es gibt Streit, Hoffmann hat nun die Konsequenzen gezogen.
16. September 2017, 12:00 Uhr
Das Band ist nicht ganz durchschnitten, aber Dr. Hermann Hoffmann (l.) und der Vorstand der Friedberger CDU haben sich nicht mehr viel zu sagen. (Archivfoto: pv)

Wahlkampf ist ein Knochenjob. Plakate aufhängen, Infostände aufbauen, von Haustür zu Haustür gehen, bei den Bürgern um Stimmen buhlen, Firmen besuchen: Da kann man jede Unterstützung gebrauchen. Nicht wenige Friedberger wunderten sich daher, dass in den vergangenen Wochen an den CDU-Wahlständen auf der Kaiserstraße einer fehlte: der Stadtverbandsvorsitzende Dr. Hermann Hoffmann. Fragte man am CDU-Stand nach, bekam man das Gefühl, die Christdemokraten kämen auch ganz gut ohne ihn aus. »Da geben andere den Ton an«, meinte ein einfaches Parteimitglied.

Hintergrund ist ein persönliches Zerwürfnis. Der CDU-Vorsitzende und der Erste Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Dirk Antkowiak können nicht miteinander. Als sich die CDU im vergangenen Jahr auf einen Bürgermeisterkandidaten verständigte und der Vorstand klar Antkowiak unterstützte, zog Hoffmann die Konsequenzen und meldete sich vom Wahlkampf ab.

»Ich bin in Abstimmung mit dem Vorstand nicht mehr aktiv, weil ich mich anderen privaten und geschäftlichen Aufgaben widme«, sagte Hoffmann der WZ. Ja, sagte Hoffmann, er habe über eine Bürgermeisterkandidatur nachgedacht. Letztlich sei er aber zum Ergebnis gekommen, dass er mit 63 Jahren zu alt für dieses Amt sei. »Ich will Herr über meine Zeit sein. Ich lasse meine aktive Zeit in der Kommunalpolitik ausklingen.«

Nach einer Attacke war Ruhe

Zu den Differenzen innerhalb der CDU sagte Hoffmann: »Man hat Freunde, Feinde und Parteifreunde.« Es gebe keinen Streit. »Die CDU bleibt meine politische Heimat.« Am 29. September wählt der CDU-Stadtverband turnusgemäß einen neuen Vorstand. Er werde dann nicht mehr antreten.

Seinen Sitz im Magistrat als ehrenamtlicher Stadtrat will er behalten. Die CDU hatte den Magistrat im Mai 2016 im Verbund mit den Grünen und der Linken von neun auf zwölf Sitze vergrößert (die Linke bekam dafür einen Sitz in der Betriebskommission der Stadtwerke, die mit 15 Mitgliedern noch größer als der Magistrat ist). Hoffmann hatte zuvor angedeutet, aus dieser Position heraus Bürgermeister Michael Keller (SPD) Paroli bieten zu wollen.

Attacke auf den Bürgermeister

Eine einzige öffentliche Attacke gab es: Hoffmann bezichtigte Keller des Rechtsbruchs, die Sache erwies sich als Luftnummer. Keller ließ im Magistrat die Verhaltensregeln für Stadträte verteilen, danach war Ruhe. Dies zum Teil auch deshalb, weil Hoffmann im Magistrat öfter durch Abwesenheit glänzte. Von 15 Sitzungen in diesem Jahr fehlte er fünf Mal, immerhin ein Drittel. Bei den übrigen Magistratsmitgliedern ist die Fehlquote deutlich geringer.

Auch auf der CDU-Homepage macht sich der Vorsitzende rar. Als erstes erscheint dort ein Porträt von Antkowiak, der Begrüßungstext ist mit »Ihre Friedberger CDU« unterzeichnet. Auf Fotos sieht man Antkowiak mit Hendrik Hollender, Dr. Olaf Osten, Olaf Beisel oder Bernd Wagner. Wagner, der eloquente Vorsitzende des Ausschusses für Energie, Wirtschaft und Verkehr, wird übrigens als Nachfolger Hoffmanns im Amt des Stadtverbandsvorsitzenden gehandelt. Der Abgang des alten Vorsitzenden beschert der CDU offenbar keine Personalprobleme.

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