21. März 2017, 13:00 Uhr

Städtepartnerschaft

Britische Speisen und eine wacklige Freundschaft

Sie waren schneller als der Brexit: 2011 kündigten die Engländer die Städtepartnerschaft zwischen Friedberg und Bishop’s Stortford. Gibt es Hoffnung auf eine Wiederbelebung?
21. März 2017, 13:00 Uhr
Bleiben wir Freunde? Auf dem Podium (v. l.) diskutieren Hendrik Hollender, Bauunternehmer Steven Barnes, Gymnasiastin Anne Becker, Dirk Antkowiak und Moderation Dr. Monika Becker. (Foto: cor)

»Wir wollen heute aber keine Brexit-Diskussion führen«, meinte Moderatorin Dr. Monika Becker beim kulinarischen Abend des Europa-Clubs Friedberg, zu dem der Verein am Samstagabend in die Aula der Augustinerschule eingeladen hatte. Nach der Begrüßung des Club-Vorsitzenden Bernd Stiller ging es auf der Bühne gleich los mit einer Diskussionsrunde. Mit dabei: Stadtverordnetenvorsteher Henrik Hollender, der englische Bauunternehmer Steven Barnes, die Gymnasiastin Anne Becker und der designierte Erste Stadtrat Dirk Antkowiak. Der englische Abend begann somit gleich mit der Frage: »UK, can we stay friends please?«

Trotz offizieller Kündigung bestehen weiterhin Freundschaften zwischen Friedberg und Bishop’s Stortford, gerade unter den älteren Mitgliedern. Während sich aber in Friedberg Komitee, Mitglieder und Angebote (speziell für Schüler) stark verjüngt haben, sind die Uhren in England stehen geblieben. »Seit 2006 hat sich vieles rückwärts entwickelt«, sagte Antkowiak. »Der Schüleraustausch ist schon früher auf der Strecke geblieben.« In England mangle es an der Einbindung jüngerer Akteure. »Der neue Vorsitzende des englischen Komitees ist 82 Jahre alt.«

Die Interessen haben sich verschoben. »Aber auch das soziale Umfeld, Privatschulen und englische Arbeitszeiten mit einer Sieben-Tage-Woche tragen dazu bei, dass der Aufbau weiterer Kontakte schwierig vorankommt.« Als weiteren Faktor nannte Antkowiak die »Yellow Press«. Die Boulevardpresse heize die fortschreitende populistische Europafeindlichkeit an. »Wir Deutschen lieben England aber nach wie vor, hoffentlich wird diese Liebe eines Tages wieder bilateral.« Antkowiak selbst pflegt diese nicht nur durch seine Funktion als zuständiger Stadtrat der Städtepartnerschaften Friedbergs, seit Jahrzehnten besucht er regelmäßig auch privat die britischen Inseln.


Kein Interesse am Schüleraustausch

Hollender war 1960 erstmals in England, durch die Städtepartnerschaft pflegt er seit Jahren Freundschaften. Die Chancen auf einen funktionierenden Schüleraustausch sieht er als gering an. »Privatschulen in England haben kein Interesse, momentan sehe ich da keine Hoffnung.«

Eine Städtepartnerschaft lebe aber von direkten Kontakten und vom Austausch. Zum 50-jährigen Bestehen der deutsch-englischen Freundschaften wird eine kleine Gruppe von Vertretern mit mehreren Chören an Pfingsten nach Bishop’s Stortford reisen. Schülerin Anne Becker, Antkowiak und Hollender sehen hier eine neue Chance, jüngere Kontakte zu knüpfen. Becker kann sich auch Freundschaften über soziale Medien vorstellen. Bauunternehmer Barnes hingegen wartet erst mal ab. »Wir wissen ja noch nicht, was nach der Brexit-Entscheidung passiert.«


Lohnenswert, an Freundschaften zu arbeiten

Fazit der Diskussion: Es bleibt lohnenswert, an den Freundschaften zu arbeiten. Der Höhepunkt des kulinarischen Abends war freilich das Speisenangebot, dass Caterer Martin Hess mit seinem Team anrichtete: Hunters Chicken, Fish and Chips, Steak and Kidney Pie, Roasted Lamb. Das Küchenteam erhielt von den Gästen viel lobende Worte. »Ich bin auch extra 120 Kilometer gefahren, um englisches Bier anzubieten«, sagte Küchenchef Hess ganz ohne britischen Humor. Die passenden Impressionen aus der Partnerstadt lieferten Patrick Stoll, Michael Stotz und Corinna Weigelt mit einer Bildershow auf der Leinwand. Den musikalischen rahmen gestaltete die Musikschulpädagogin Yvonne Adelmann.

Begleitet von ihrem Mann Frank Adelmann an der Laute, präsentierte sie englisches Liedgut der Renaissance, teils geistlich, teils melancholisch, aber auch weltlich und fröhlich. Weitere musikalische Programmpunkte waren das Quartett »Kristallen« und die Gesangsschüler der Musikschule Friedberg, die Höhepunkte ihres »High School Musicals« präsentierten. Mit einem gefühlvollen »Imagine« erhielt der Abend seinen Ausklang.

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