29. Oktober 2019, 20:52 Uhr

Bonhoeffers große Liebe

29. Oktober 2019, 20:52 Uhr
Der Ring am Finger ist das Zeichen für die Verlobung: Miriam Küllmer-Vogt schlüpft in die Rolle der Maria von Wedemeyer. Zur Heirat mit Dietrich Bonhoeffer kam es allerdings nie, wie in der Aufführung deutlich wird. (Foto: geo)

Er kämpfte gegen Hitler, doch ohne Waffen. 1935 trat der Theologe Dietrich Bonhoeffer der Bekennenden Kirche bei. Sein Name steht für Widerstand im Nationalsozialismus. Miriam Küllmer-Vogt erinnert an Bonhoeffers große Liebe Maria von Wedemeyer. In der evangelischen Kirche in Assenheim gibt sie die berühmteste Verlobte der Weltgeschichte.

Es ist eine Reise zurück, auf die sich Küllmer-Vogt mit großer Leidenschaft begibt. Ihr künstlerische Rahmen ist das Kammer-Musical »Bonhoeffers große Liebe«, das das Leben zweier Liebender skizziert. Die Zuschauer begegnen einer lebensfrohen, intelligenten und beruflich sehr erfolgreich Frau in Boston, im Jahr 1967.

Ein junger Jesuitenpater bittet die ehemalige Verlobte Bonhoeffers um ein Gespräch. Er möchte mehr über den Mann erfahren, den alle Welt als Theologen, Widerstandskämpfer und Märtyrer verehrte. Küllmer-Vogt erzählt und singt. Begleitet wird sie von Gernot Blume am Klavier. »Mit dem Kammer-Musical gastiert Küllmer-Vogt bereits zum dritten Mal in der Kirche in Assenheim«, sagt Pfarrerin Rita Mick-Solle. Die Lieder sind Vertonungen von Originaltexten, die Bonhoeffer während seiner Zeit im Gefängnis geschrieben hat. Glaube, Zuversicht und Liebe spielen darin eine Rolle.

Gefängniszelle in der Kirche

Die Schauspielerin kommt mit einfachen Mitteln zurecht, wie einem Tisch, auf dem zwei Tassen und eine Kerze stehen. Zwei Bücher, zwei Weingläser und ein Telefon sind auf einem Beistelltisch drapiert. »Seit mehr als 20 Jahren seine Verlobte zu sein, das ist wie ein Schatten«, sagt Küllmer-Vogt zum Publikum gewandt. Zweimal, sagt sie, sei sie verheiratet gewesen und beide Ehen seien gescheitert. Mit ihrem ersten Mann Paul Werner wollte sie die Ehe führen, die sie sich mit Dietrich erträumt hatte. Und von dem Helden Bonhoeffer kann sie nicht sprechen, weil sie nur den Mann kannte, den sie geliebt hat. Alles habe im Sommer 1942 begonnen, als sie vor ihrem Pflichtjahr noch einmal ihre Großmutter besuchen wollte. »Da saß er am Klavier und spielte. Ich war 18, er 36«, sagt Küllmer-Vogt.

Wenig später hinterfragt sie, ob zwei Menschen die sich lieben, auch zusammen sein können, wenn sie getrennt sind. Sie sucht den Kontakt mit dem Publikum, blickt in die Gesichter von Frauen, Männern und Konfirmanden. Sie erzählt von dem Anruf ihrer Großmutter, die ihre Mutter davon überzeugte, dass sie Maria von Wedemeyer in Berlin als Gesellschafterin gebrauchen könne. Maria reist schließlich nach Berlin und trifft sich mit Bonhoeffer.

Die Mutter stellt sich gegen den geächteten Theologen, der zu alt und zu beleibt für ihre Tochter ist. Doch Maria beschließt, ihn zu heiraten. Sie hat den Mut, ihm auf eine Frage zu antworten, die er überhaupt nicht gestellt hat. »Mein Herz tut sich auf«, schreibt er ihr am 17. Januar. Plötzlich waren sie verlobt. Doch im April wurde Bonhoeffer verhaftet, wegen Verdacht auf Wehrkraftzersetzung. Er lebt in der zwei mal drei Meter großen Zelle Nummer 92. Küllmer-Vogt zeichnet diese Zelle mit Kreide nach, macht die Enge transparent. »Dietrich war innerlich so frei, ich so voller Sehnsucht und Wut«, sagt Küllmer-Vogt in der Rolle der Maria von Wedemeyer.

»Sie macht das Ganze sehr gut. Ich dachte, weil es ein Musical ist, dass mehrere Personen mitspielen«, sagt Reto, 13 Jahre. Anneliese Schulmeister aus Altenstadt-Waldsiedlung schwärmt: »Es ist wunderschön. Das schauspielerische Können ist sehr hoch. Sie ist mit vollem Herzen dabei«.

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