05. April 2019, 20:21 Uhr

Böhmische Landschaften in Tönen gemalt

05. April 2019, 20:21 Uhr

Auf eine Wanderung durch böhmische Landschaften begab sich das bekannte Minguet Quartett aus Köln in einem Konzert der Kammermusikreihe, die der Fachdienst Kultur und Sport der Stadt gemeinsam mit dem Kulturforum veranstaltet. Mit Joseph Haydns Streichquartett F-Dur bot sich den Damen und Herren des Quartetts die Gelegenheit, neben der bewundernswerten Experimentierlust und der sicheren Formensprache des späten Haydn auch die Möglichkeiten ihrer Instrumente im Einzel- und Zusammenspiel zu zeigen: die Violinen im Frage- und Antwortspiel des Allegro, das Cello mit den fast klopfend gespielten Taktschwerpunkten im Menuett, die Bratsche sodann, die im schrittartig sich entfaltenden Andante die einprägsame Melodie der Violinen klanglich vertieft, schließlich alle vereint im Zusammenspiel des Finalsatzes.

Auf die nach Tonart und Rhythmus präzise gestalteten Sätze des Haydn-Quartetts folgten zwei Kompositionen des frühen 20. Jahrhunderts. In seiner Ballade d-Moll lässt der auch als Violinist berühmte Josef Suk, ein Schwiegersohn Dvorákas, das dreitonige Motiv des Themas nur allmählich aus den spannungsreichen Klängen des Anfangs aufsteigen. Durch eine alsbald erklingende volksliedartige Melodie ändert sich die melancholische Grundstimmung der Ballade nicht. Mit ihr suchte sich Suk deutlich von der Klangwelt seines Schwiegervaters abzusetzen.

Ein Beispiel aus Gustav Mahlers Zyklus der Rückert-Lieder hat Anette Reisinger – sie spielt die zweite Violine im Ensemble – als Streichquartett nachkomponiert. Der stetig ruhiger werdende Ausklang der Komposition unterstreicht den Text des ursprünglichen Liedes: »Ich bin der Welt abhandengekommen«. Ende des 19. Jahrhunderts lebte Antonin Dvorák mehrere Jahre in den USA, stets wach für die dort zu studierende Natur und die volkstümlichen Lieder der bunt gemischten Volksgruppen. Ein kompositorisches Ergebnis aus dieser Zeit ist sein »Amerikanisches Quartett« - op.96. Die Anregungen aus der neuen Umwelt setzt Dvorák schon im einführenden Allegro um: Die Violinen lässt er in schwindelnde Höhe klettern, während die tiefer gestimmten Instrumente sehr betont den Takt dazu markieren.

Wie ein Weckruf

Im Lento legen drei Stimmen mit einem wiegenden Grundrhythmus die Basis, über der sich die Erste Violine singend erhebt, die ruhig dahinfließende Musik nur gelegentlich durch steilen Aufstieg erregend.

Wie ein Weckruf setzt dagegen das folgende Molto vivace ein, kommt aber bald zur Ruhe in einer liedartigen, leicht melancholischen Melodie, der wiederum die stark akzentuierende rhythmische Begleitung nicht lange das Feld überlässt. Mit spielerischer Leichtigkeit führen die Violinen in das Finale ein, während Cello und Bratsche in schnellen Schritten zu folgen versuchen. Typisch für diesen Komponisten, dass er dem bewegten Spiel eine bedächtige, nachdenklich wirkende Melodie entgegenstellt, bevor sich alle Stimmen zu einer triumphierenden Schlusssequenz vereinen.

Den lang anhaltenden Applaus der Zuhörer belohnten die Damen und Herren des Minguet Quartetts mit einer Klangmeditation des ungarischen Komponisten Kurtak, ein weiteres Beispiel für die Fähigkeit, des Ensembles, langsamen und getragenen Tonfolgen Spannung und klangliche Präsenz zu verleihen.

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