28. Mai 2019, 18:33 Uhr

Blockflöten können fetzig klingen

28. Mai 2019, 18:33 Uhr
Die Erwachsenen des Ensembles haben ihren Weg in die Musikschule gefunden und dort ihre Instrumente erlernt. Wie vielseitig Flöten sind, beweist das Konzert. (Foto: pv)

Zu den Merkmalen einer öffentlichen Musikschule wie die Musikschule Butzbach es ist, gehört unter anderem, dass sie Unterricht für alle Altersgruppen anbietet. Nannten sich früher viele Institutionen noch Jugendmusikschule, so gibt es diesen Begriff heute kaum noch, kein Wunder, finden doch inzwischen auch viele Erwachsene den Weg dahin.

Ganz mit erwachsenen Schülerinnen hatte Gerd Schulz, seit mehr als einem Viertel Jahrhundert bewährter Blockflötenlehrer an der Butzbacher Musikschule, das Konzert unter dem Titel »Blockflötenmusik aus vier Jahrhunderten« vorbereitet. Im Mittelpunkt stand das Blockflötenensemble der Musikschule, bestehend aus Ingrid Bindhardt, Beate Durchfeld-Meyer und Anne Hild. Jeden Montag spielen sie gemeinsam mit Gerd Schulz verschiedene Ensemblemusik, deren Schwerpunkt auf Barock- und Renaissancezeit liegt, der Hochzeit der originären Blockflötenliteratur. So startete das Quartett eben auch mit Musik aus der Renaissance. Und auch der klare Klang der Blockflöten, gespielt mit sehr guter Intonation, ließ diese vor 450 Jahren währende Epoche in den Vorstellungen und Gefühlswelten der Zuhörer neu entstehen.

Quartett ohne Altersgrenze

Als Gäste hatte das Blockflötenensemble Amica Moraw, Jana Fleck und Berit Heller eingeladen. Mit ihnen entstand somit ein Septett, welches an dem Abend erstmals mit »Tourdion« von Pierre Attaingnant auftrat.

Auch in der folgenden Barockzeit mit beeindruckenden Stücken von William Croft, Johann Joseph Fux und Georg Philipp Telemann war die Blockflötenfamilie mit Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassflöte zu hören. Und noch ein Instrument war zu vernehmen: Die Chaconne in c-Moll von Henry Purcell erklang von Anne Hild und Jana Fleck über dem Bass-Ostinato der auch Cello spielenden Berit Heller als kunstvoller Kanon. Beeindruckend auch das »Allegro ma non molto« aus der Triosonate in g-Moll von Antonio Vivaldi, gelang dem Trio bestehend aus Ingrid Bindhardt, Anne Hild und der nun wieder Flöte spielenden Berit Heller in dem schwingenden Stück doch einwandfrei die chromatischen Passagen.

Die ursprünglich nicht für Blockflöte komponierenden Epochen des 19. und 20. Jahrhunderts folgten am Ende. Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Reger und Hugo Distler standen hier auf dem Programm mit ungewöhnlichen, aber spannenden Harmonien. Richtig fetzig wurde es dann mit dem Spiritual »Go down, Moses«, dem »Tango baroquito« von J. D. Carey und dem von den Comedian Harmonists bekannten »Wochenend und Sonnenschein«. Hier endete der Kreis insofern, als der Schluss des Konzertes wieder von dem Kernquartett ausgeführt wurde. Ein beeindruckendes Konzert, welches bewies, dass es für Musik keinerlei Altersgrenzen gibt - wieso auch, berührt Musik doch einen jeden Menschen.

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