01. April 2018, 18:00 Uhr

Impfen

Blickpunkt Impfpflicht: Meinungen, Zahlen, Erfahrungen aus der Wetterau

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schlägt Alarm: Eine Impfpflicht wird gefordert. Wie steht es um das Thema in der Wetterau? Ein Blickpunkt.
01. April 2018, 18:00 Uhr
Kinder werden regelmäßig geimpft. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt auch Erwachsenen, ihren Impfschutz immer wieder auffrischen zu lassen, etwa gegen Tetanus,Diphterie und Keuchhusten. (Foto: Fotolia/Photographee.eu)

Die Masern galten in Guatemala als ausgerottet. Nun sind sie nach 20 Jahren zurück. Eine 17-Jährige hat sich beim Schüleraustausch in Deutschland angesteckt und die Krankheit mit nach Hause gebracht. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schlägt Alarm, fordert eine Impfpflicht. Denn hierzulande werden immer wieder Masernfälle gemeldet – auch im Wetteraukreis. Zuletzt am 1. Februar bei einem 20-Jährigen. »Ungeimpft, klassischer Verlauf mit Fieber«, teilt der Wetteraukreis mit.

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Aufhorchen lässt auch die Zahl der im Wetteraukreis gemeldeten Keuchhustenfälle. Sie werden erst seit 2013 erfasst. »Hier nehmen die Zahlen gefühlt ständig weiter zu, was aber auch mit geändertem Diagnostikverhalten und der Meldepflicht zu tun haben könnte«, informiert Kreispressesprecher Michael Elsass auf WZ-Anfrage. Aktuell seien 59 Fälle für 2018 aktenkundig, im Vorjahreszeitraum seien es 30 gewesen.

 

Fieber, Ausschlag, Husten

35 Masern-Tote gab es 2017 in Europa; 21 000 Menschen steckten sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Das seien viermal so viele wie 2016, so die WHO, die als Grund die zurückgehende Impfquote anführt. Masern werden von Viren verursacht, führen zu Fieber, Ausschlag und Husten. In seltenen Fällen kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen.

Impfen macht hierzulande vor allem Eltern Angst. Sie sorgen sich vor Schäden beim Kind. Impfverweigerer führen fehlende Studien, die gewinnorientierte Pharmaindustrie, krank machende Zusätze wie Aluminium in Impfstoffen und mehr ins Feld. Im Wetteraukreis sind die Impfmuffel in der absoluten Minderheit. Ihre Anzahl habe nicht zugenommen, teilt Elsass mit.

Hinsichtlich der Impfquoten lägen verlässlich Zahlen bezüglich der Altersgruppe der Fünf- bis Sechsjährigen vor, die zur Einschulungsuntersuchung ins Gesundheitsamt kommen. Dabei wird auch der Impfstatus abgefragt. »Bei circa 2700 Kinder pro Jahrgang, die wir untersuchen, vergessen die Eltern in zehn Prozent der Fälle den Impfpass mitzubringen«, sagt Elsass. Da nur dokumentierte Impfungen erfasst werden, fallen diese Daten heraus. Von den Kindern, deren Impfpass vorgelegt wurde, seien 81,6 Prozent komplett nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission durchgeimpft. »18 Prozent haben die eine oder andere Impfung nicht bekommen. Hier werden entsprechende Beratungen zu den Impflücken angeboten«, informiert Elsass. »Bezüglich der Masern sind 93 Prozent komplett geimpft, 4 Prozent nur einmal, also inkomplett, und 2,2 Prozent überhaupt nicht geimpft.«

 

Grippewelle heftig

35 Windpocken-Fälle wurden laut Elsass 2015 gemeldet, 2016 waren es 66 und im vergangenen Jahr 59 Fälle. Windpocken können in seltenen Fällen ähnlich schwere Folgen hervorrufen wie Masern. Aufgrund des im Februar gemeldete Masern-Falls in der Wetterau mussten laut Elsass im Übrigen keine besonderen Maßnahmen ergriffen werden, »da es außer den Eltern keine Kontaktpersonen gab«.

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Die Grippewelle war dieses Jahr heftig. 642 Fälle sind dem Wetteraukreis bislang bekannt, im Vorjahr waren es im Vergleichszeitraum 205. Die nicht gemeldeten Fälle dürften weit darüber hinausgehen.

Info

14 Impfungen empfohlen

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt in ihrem Impfkalender 14 Standardimpfungen. Unter ihnen sind Tetanus, Diphtherie, Hepatitis B, Rotaviren, Meningokokken C, Pneumokkoken, Windpocken, Mumps, Masern, Röteln und mehr. Impfungen sind hierzulande freiwillig. In Frankreich besteht seit Jahresbeginn eine Impfpflicht. Kinder unter 14 Jahren müssen gegen elf Krankheiten, darunter auch Masern und Keuchhusten, geimpft werden. Auch in Italien gilt die Impfpflicht. Dort müssen Kinder gegen zwölf Erreger geimpft sein. (lk)

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