12. März 2018, 19:21 Uhr

Betörende Töne der drei Tenöre

12. März 2018, 19:21 Uhr
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Von Hanna von Prosch
Ausdrucksstark und klangvoll schmettern die drei Tenöre Georgios Filadelfefs (l.), Georgi Dinev und Momcil Karaivanov (r.) bekannte Opern-Arien. (Foto: hms)

Tenöre bezaubern das weibliche wie männliche Publikum nach wie vor, wenn sie denn ihr Fach beherrschen. Ob Oper, Operette oder Lied, die drei bulgarischen Tenöre Georgios Filadelfefs, Georgi Dinev und Momcil Karaivanov ließen bei der »Himmlischen Nacht der Tenöre« Erinnerungen an die drei großen Vorbilder wach werden. Die hervorragende Akustik in der Dankeskirche brachte ihre Stimmgewalt voll zur Geltung.

Zwei Stunden abwechslungsreiche Musik, einzeln oder im Terzett gesungen, dazu kleine Instrumentalstücke füllten das Programm. Bekannte Opernarien aus Carmen, Tosca oder Il Trovatore, Gassenhauer wie »Santa Lucia« und »La donna e mobile« aus Verdis Rigoletto aber auch das Wiegenlied von Schubert und das Ave Maria von Gounod, das auf einem Präludium aus Bachs Wohltemperierten Klavier basiert, begeisterten das Publikum.

Befremdlicher Eindruck

Nun gewinnt gerade das innige Ave Maria nicht unbedingt, wenn es gleich von drei Tenören gesungen wird, aber alles was Feuer und Dramatik im musikalischen Ausdruck hat, brachten die Sänger mit Bravour. Leider hinterließen die barocken instrumentalen Stücke in der Besetzung mit E-Piano, zwei scharf klingenden Geigen und Cello in der Dankeskirche eher einen befremdlichen Eindruck. Das ruhige Intermezzo aus Cavallerina Rusticana, die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen oder der feurige Csárdás, gespielt von Milena Ivanova, lagen dem Ensemble wesentlich mehr.

Alle Sänger und Musikerinnen stammen aus Bulgarien, haben dort ein Musikstudium absolviert und sind solistisch tätig oder in Ensembles engagiert. Die Talente der Tenöre zeichnen sich in ihren Lebensläufen so unterschiedlich, wie in ihrem Bühnencharakter und ihren Stimmfärbungen.

Der 39-jährige Grieche Georgios Filadelfefs verfügt über einen großen Stimmumfang und hat internationale Preise sowohl in Klavier als auch Gesang erreicht. Zu seinem Repertoire gehören unter anderem viele große Oratorien. An der Akademie für Schauspielkunst studierte Georgi Dinev »Puppenspiel«, bevor er sich dauerhaft dem Gesang zuwandte. Klein und wendig aber mit einer großen, klaren, überzeugenden Stimme im Buffofach eroberte er schnell die Herzen des Publikums. Seine Paradenummer war zweifelsfrei »Ein flotter Geist« aus dem Zigeunerbaron. Er tritt auch mit den »Fünf Tenören« auf deutschen Bühnen auf. Der ernstere im Bunde war Momcil Karaivanov. Sein erstes Studienfach in Sofia war italienische Philologie, bevor er 2002 sein Gesangsstudium in Richtung Oper und Operette abschloss. Eine Arie des Cavadossi aus Tosca gelang ebenso eindrucksvoll wie seine Liedbeiträge.

Insgesamt klangen die Stimmen der drei Tenöre frisch und klar, sauber in den Höhen und ohne jeden Druck. Unaufdringlich vermittelten sie Gefühle und Stimmungen und bewegten die Zuhörenden sogar zum Mitsingen.

Viele populäre Weisen kennt man, summt sie mit, freut sich an ihnen, aber ihre Titel und ihr Ursprung bleiben mehr oder weniger im Lexikonwissen stecken. Da half die Moderatorin des Abends auf charmante Art nach. Sie erklärte in wenigen Worten, dass zwei italienische Canzone eigens für den Star Enrico Caruso geschrieben wurden oder dass Heintjes »Mama« einen klassischen Ursprung hat. Zwei Zugaben mit einem abschließenden weichen Schmelz von »O sole mio« konnte sich das Publikum erklatschen. So manche Melodie in der betörenden Tenorlage wird den Heimweg begleitet haben.



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