11. März 2017, 18:00 Uhr

Prozess

Besuche im Mordhaus

Der Verhandlungstag am Freitag im Prozess um das Ilbenstädter Mordhaus präsentierte den Täter eher als Opfer, denn als Monster.
11. März 2017, 18:00 Uhr
Dieses Haus in Ilbenstadt soll Armin B. angezündet haben. Durch den Brand ist sein Vater ums Leben gekommen. Den getöteten Bruder hat die Polizei zerstückelt im Kofferraum von Armin B.’s Auto entdeckt. (Archivfoto: jwn)

Mehr als drei Stunden lang berichtete am Freitag die Lebenspartnerin von Armin B. vor der 5. Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts von ihrem Zusammenleben mit dem mutmaßlichen Doppelmörder von Ilbenstadt, von den Tagen vor der Tatnacht und von der Zeit danach. B., der im April 2016 sein Elternhaus in der Straße »Am Krautgarten« angezündet und damit den Tod des bettlägerigen Vaters verursacht hatte und der in jener Nacht auch seinen Bruder Rainer erstochen haben soll, saß derweil auf der Anklagebank, ohne Emotionen zu zeigen. Doch als der Tod der Mutter – sie war zwei Wochen vor der Tat gestorben – zur Sprache kam, brach er in Tränen aus.

Die meiste Zeit sei Armin B. bei ihr in Rheinhessen gewesen, wo sie einen Online-Shop betreibt, erzählte die zierliche Frau mit den langen schwarzen Haaren. Seine Wohnung in Bad Vilbel habe er gleichwohl nicht aufgeben wollen. Die Familie habe sie zu Beginn der seit 17 Jahren währenden Beziehung ab und zu in Ilbenstadt besucht, zu den Geburtstagen der Eltern im Sommer und zu den üblichen Feiertagen. Die Großfamilie habe sich dann dort getroffen, manchmal bis zu 20 Personen. Die Zeugin beschrieb die Mutter als »ruhig und fleißig«, selten habe sie Hilfe bekommen, wenn sie für alle aufgetischt habe. Der Vater sei ein »kleiner Patriarch« gewesen, der sich aber sehr gern mit ihr unterhalten habe.

 

…dann schlug die Stimmung um

 

In der Frühzeit sei es harmonisch zugegangen, doch mit der Trennung des späteren Opfers von seiner langjährigen Lebensgefährtin sei die Stimmung umgeschlagen – »beklemmend« sei es dann häufig gewesen, Rainer B. habe immer stärker seine »bestimmende Art« an den Tag gelegt und »cholerisch losgeplärrt«, wenn etwas nicht nach seinen Wünschen gegangen sei. Angst hätten die Eltern vor ihm gehabt, der Vater wollte ihn laut Angela G. am liebsten wieder aus dem Haus haben, doch stets habe der Sohn dann seine Mutter mit Selbstmordankündigungen unter Druck gesetzt, woraufhin der Vater aus Rücksicht auf seine Frau klein beigegeben habe.

Nachdem die Mutter 2011 von einem Schlaganfall leichte Schäden zurückbehalten habe, sei die Lage weiter eskaliert. Ein Streit zwischen den beiden Brüdern sei um den rollstuhlgerechten Ausbau im Haus entbrannt – erstmals auch verbunden mit körperlicher Gewalt: Armin B. habe eine Gehirnerschütterung erlitten, seinen Bruder aber nur auf Drängen der Krankenkasse angezeigt.


Zeugin: B "einfach so wie immer" vor der Tat

Diese Anzeige störte offenbar die Atmosphäre weiter, immer stärker habe Rainer B. die Kontakte von Bruder Armin und seiner Schwester zu den Eltern zu unterbinden versucht, auch nach dem Tod der Mutter hatte Rainer laut der Aussage der Lebenspartnerin des Angeklagten die Information der Geschwister blockiert: Keiner habe gewusst, wo die Urne war und wann die Trauerfeier statfinden sollte.

Zuletzt hätten die Geschwister den Moment abpassen müssen, in dem die Pflegekraft gegangen sei, um ins Haus zu kommen. Das sei ihnen am Nachmittag vor der Tat auch nicht mehr gelungen, nur durch die Terrassentür hätten sie den Vater in seinem Pflegebett liegen sehen, »wie tot« – auf ihr Klopfen habe der Mann nicht reagiert.

An jenem Abend habe sie noch lange mit Armin B. telefoniert, berichtete die Lebenspartnerin, die nach ihren Worten in den letzten Jahren nicht mehr mit nach Ilbenstadt gefahren war. Erschöpft sei er gewesen, aber ruhig und völlig unaufgeregt, »einfach so wie immer«. Nichts habe auf das Geschehen in den folgenden Stunden hingedeutet.

Der nächste Verhandlungstag mit weiteren Zeugen ist für den 28. März angesetzt, etliche dürften noch folgen.

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