05. November 2019, 19:28 Uhr

Besorgt um Zukunft des Waldes

05. November 2019, 19:28 Uhr
Wer sterbende Bäume sucht, wird schnell fündig. Das sei in diesem Ausmaß bisher einmalig, sagt Welf Bücken, Direktor der Rentkammer des Grafen. (Archivfoto: sda)

Der Wald müsse genutzt werden. Ein bewirtschafteter Wald habe eine positive Klimabilanz - dafür plädierten Welf Bücken und Wolfram Peppler beim jüngsten Clubabend des Lions Club Wetterau im Bürgerhausrestaurant Roma II. Bücken ist der Verwalter des Wickstädter Waldes, der im Privatbesitz des Grafen Solms ist. Bei der Nutzung und Pflege des Waldes arbeitet er mit dem Forstwirtschaftler Peppler zusammen.

Anlass des Vortrags war die Spende des Lions Clubs Wetterau von 2000 Euro. Das Geld soll im kommenden Dezember für das Anpflanzen von Scharlachkastanien und Hybridnussbäumen im Wickstädter Wald verwendet werden. Beide Referenten erläuterten, dass ohne die Hilfe der Gesellschaft die Waldeigentümer durch Einflüsse, die sie nicht zu verantworten haben, an den Rand der Existenz gebracht würden. Leitmotiv des Abends war, dass »ohne Regen überhaupt nichts gelingen kann«.

Ertrag der Forstwirtschaft

Peppler erklärte, die Schwarznuss gedeihe bei uns, sei aber nicht weitverbreitet. Die Hybridnuss aus Walnuss und Scharlachnuss wachse in unserer Region gut, aber ein einzelnes Exemplar koste beachtliche 7,45 Euro. Bei einer großflächigen Anpflanzung entstünden inklusive der Schutzmaßnahmen immense Kosten. Scharlachkastanien seien noch teurer als Hybridnüsse. Jeder kostbare Baum müsse mit einem Einzelschutz versehen werden.

Dass in unseren Wäldern keine Monokultur herrsche, demonstrierte Peppler sinnfällig mit 14 Laubbaum- und fünf Nadelholzzweigen, die er am Vormittag gesammelt hatte. In der Sammlung fehlten zwei Nadelhölzer. Auch Ulme und Spitzahorn waren nicht dabei, denn »die sind bei uns so selten geworden, dass ich in der Eile keine Blätter fand«. Ulmen würden heute nicht mehr gepflanzt. Forstlich spiele die Ulme keine Rolle mehr.

Rentkammerdirektor Bücken brachte wirtschaftliche Aspekte ins Spiel. Philip Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim sei nicht auf Gewinnmaximierung angewiesen, wolle aber in der Waldwirtschaft eine schwarze Null schreiben. Dort sei der Ertrag bescheiden. Wenn ein Hektar Wald nach Abzug aller Kosten in einem Jahr 200 Euro erbringe, müsse man froh sein.

Die Referenten führten an, Spaziergänger und Radler machten sich oft nicht klar, dass die von ihnen benutzten Waldwege auf Kosten von Privatpersonen in Stand gehalten würden. Bücken und Peppler berichteten, im privaten Wickstädter Wald seien gerade 1000 Laufmeter Waldwege für 31 000 Euro in Ordnung gebracht worden. Eine gute Eiche erbringe 500 Euro. Um die Waldwege sanieren zu können, »müssen wir schon einige Eichen verkaufen«.

Bedrohte Buchen

Buchen seien bedroht. Wenn eine Buche nicht mehr zu retten sei, könne man versuchen, das Holz schnell zu verkaufen, solange es noch einen Wert habe, aber dann sei die Bruchgefahr groß und das Ernten gefährlich.

Lions-Vorstandsmitglied Detlef Best erläuterte das Interesse seines Clubs am Wald: »Das geht uns alle an!« Bei Büdingen sei eine Blühstreifenaktion unterstützt worden.

Bücken forderte ein breites Interesse der Bevölkerung am Thema. Er gab einen historischen Überblick über die Rolle des Waldes als Schützer, Ernährer und Energielieferant. Das heutige Waldsterben sei mit dem in den 80er Jahren, das man schnell in den Griff bekommen habe, nicht zu vergleichen. Eine höhere Temperatur und geringere Niederschläge träfen heute unheilvoll zusammen. Freilich werde in 300 Jahren im Wald irgendetwas wachsen, aber auch in der Zeit bis dahin werde Holz benötigt. Fichten würden in der Wetterau nicht mehr gepflanzt, Douglasien seien ein unzureichender Ersatz. Viele Baumarten, die heute als fremd gelten, seien vor der Eiszeit schon einmal in Mitteleuropa heimisch gewesen.

Das Publikum bekam viele Informationen. Das Fazit der Referenten war: »Die Industrienation Deutschland kann stolz darauf sein, einen Waldanteil von einem Drittel der Fläche zu haben.«

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