05. März 2019, 20:32 Uhr

Besondere Gräber, schlechtes Klima

05. März 2019, 20:32 Uhr
Diese Getreidedarre, ausgegraben im Süden Bad Nauheims, deutet auf Klimaprobleme hin. Eine Darre hat dazu gedient, Lebensmittel zu trocknen.

.Vor einem gut besuchten Haus beim Friedberger Geschichtsverein hat Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal zum Thema »Töpfe, Becher, Schalen« über aktuelle Grabungsergebnisse aus der Wetterau gesprochen. Bei einer Grabungskampagne innerhalb des römischen Marschlagers aus der Zeit des Kaisers Augustus am »Steinernen Kreuz« wurden viele Gräberfelder aufgedeckt, die es bereits lange vorher gegeben hatte. Sie reichen von Schnurkeramikern der Jungsteinzeit über die Glockenbecherkultur, Urnenfelderkultur der Bronzezeit, eisenzeitliche Hallstattzeit bis in die La-Téne-Zeit. Insbesondere die Hockerbestattung aus der Glockenbecherkultur (2600–2200 v. Chr.) ist eine Besonderheit, da sie eine Grablegung mit zwei aneinander kauernden Skeletten ist. Interessant war auch eine eisenzeitliche Bestattung eines Kriegers innerhalb des römischen Spitzgrabens. Das Grab war mit einer Steinplatte überdeckt und wurde so auch von den Römern nicht beschädigt.

Durch die landwirtschaftliche Bodennutzung und die damit einhergehende Erosion wird es immer schwieriger, die Grabungsbefunde eindeutig zuzuordnen. Somit ergeben sich durch den enormen Siedlungsdruck zwar immer wieder Chancen für neue Grabungen, jedoch führen diese wiederum zu einem unwiederbringlichen Verlust der Bodendenkmäler.

Marktgebäude in der Kaiserstraße?

Die Landschaft um Friedberg und Ober-Wöllstadt kann laut Lindenthal als eine Metropole der Rössener Kultur der mittleren Steinzeit (4700-4400 v. Chr. ) angesehen werden, da auffallend viele Gebäudereste aus dieser Zeit in den vergangenen Jahren ausgegraben werden konnten. Es muss angenommen werden, dass die jeweiligen Familien in der Region untereinander auch in enger Beziehung standen.

Als Highlight erwies sich eine Grablegung in Ober-Wöllstadt, bei der ein Waffengrab eines Schwertträgers der älteren Hallstattzeit (800-450 v. Chr. ) entdeckt wurde. Der Mann muss angesichts seiner reichen Grabbeigaben der Elite zugerechnet werden.

Wie eng Fragestellungen zum Klimawandel und zur Archäologie miteinander zusammenhängen können, erläuterte Lindenthal am Beispiel einer römischen Getreidedarre zum Trocknen von Lebensmitteln. Das Gebäude wurde im Süden Bad Nauheims ausgegraben. Gegen Ende der römischen Herrschaft und zu Beginn der Völkerwanderung muss es zu einer Klimaverschlechterung gekommen sein, sodass eine nachträgliche Trocknung der Ernte notwendig wurde. Außerdem wurden hier zwei römische Brunnen entdeckt, die noch heute Wasser führen.

Der Fund einer vergoldeten römischen Zwiebelknopffibel gab ebenfalls Anlass zu Spekulationen. Das Teil gehört zu einer typischen Kleidung eines im römischen Staatsdienst stehenden Soldaten oder Beamten in der Spätantike. Es ist möglich, dass zu dieser Zeit der Besitzer auch bereits jenseits des Rheins in Mainz angesiedelt war oder er schon als Germane in der Wetterau noch für die Römer Dienst tat. Eine römische Siedlungstätigkeit ist jedenfalls für diese Zeit um 300 n. Chr. nicht mehr nachweisbar, die Gebäude waren bereits niedergelegt, und die Germanen errichteten ihre Gebäude bereits wieder in ihrer traditionellen Holzbauweise.

Zum Ende des Vortrages widmete sich der Kreisarchäologe einem Grabungsbefund auf dem Elvis-Presley-Platz. Im Zusammenhang mit der Entdeckung des Kauf- und Waaghauses aus dem 14. Jahrhundert legte man ein etwa 60 Meter langes und relativ schmales Fundament parallel zur Kaiserstraße frei. Ein ähnliches Gebäude wurde jetzt in der Hansestadt Stendal in Sachsen-Anhalt ausgegraben. Dort erwies es sich als Kaufhaus aus dem späten 12. Jahrhundert und als einzigartig im Raum nördlich der Alpen. Es darf überlegt werden, ob auch die Friedberger Mauerreste als ein frühes Marktgebäude aus der Stauferzeit anzusehen sind und damit in die Zeit der Stadtgründung eingeordnet werden können. Leider konnten keine Scherben geborgen werden, die eine genaue Zuordnung ermöglicht hätten. Achim Meisinger

(Fotos: archäologische Denkmalpflege des Wetteraukreises/Friedberger Geschichtsverein)

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