18. November 2019, 14:00 Uhr

Bürgerpreis Oberhessen

Beim Jugendrotkreuz Wetterau lernen schon die Kleinsten Erste Hilfe

Beim Jugendrotkreuz Wetterau lernen schon die Kleinsten, wen man im Notfall anrufen muss und wie die stabile Seitenlage funktioniert. Damit wissen sie oft besser Bescheid als die Erwachsenen.
18. November 2019, 14:00 Uhr
Anna-Luisa_Hortien
Von Anna-Luisa Hortien

Ich will im Notfall helfen können und nicht nur daneben stehen«, sagt Caro Zerhusen. Deshalb macht sie beim Jugendrotkreuz (JRK) mit. Gerade legt die 14-Jährige ihrer großen Schwester Sophia einen Druckverband am Unterarm an. Nur zum Üben natürlich. Gruppenleiterin Fiona Riemann zeigt, wie es geht. »Nicht zu fest wickeln«, sagt sie. »Sonst wird die Hand nicht mehr richtig durchblutet.«

Was Caro in ihrer JRK-Gruppe in Friedberg lernt, kann sie gleich praktisch anwenden: Denn sie engagiert sich auch als Schulsanitäterin an der Augustinerschule Friedberg. Wenn einem Mitschüler die Nase blutet, er Bauchschmerzen hat oder vielleicht sogar bewusstlos wird, ist Caro zur Stelle.

Einen Schulsanitätsdienst gibt es inzwischen an zehn Schulen in der Wetterau. Für das Projekt hat das Jugendrotkreuz Wetterau in diesem Jahr beim Bürgerpreis Oberhessen den Anerkennungspreis in der Kategorie Engagierte unter 30 bekommen.

Schulsanitätsdienst Wetterau: Über Handys erreichbar

Der Sanitätsdienst ist in den Pausen immer besetzt. Während des Unterrichts können die Schüler über Handy alarmiert werden. »Das darf deshalb auch immer auf dem Tisch liegen«, sagt die 16-jährige Sophia, die wie Schwester Caro Schulsanitäterin an der Augustinerschule ist. Das würden die Lehrer inzwischen auch akzeptieren. »Sie wissen, dass wir damit während des Unterrichts keinen Unsinn machen.«

Wer beim Sanitätsdienst mitmacht, muss einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Den bietet das JRK immer wieder an. »In manchen Schulen gibt es auch Erste-Hilfe-AGs oder das Fach wird als Wahl-Pflicht-Unterricht angeboten«, sagt Andrea Lommel. Sie koordiniert die Zusammenarbeit des JRK mit den Schulen. »Wenn es Probleme oder Fragen gibt, können sich Lehrer und Schüler an uns wenden.« Das JRK stellt Westen und Rucksäcke zur Verfügung, damit die Sanitäter auf dem Pausenhof erkannt werden. »Viele Schulen haben auch einen Sanitätsraum.«

Meist sind es kleine Wehwehchen, die behandelt werden müssen. »Wir verteilen viele Kühlakkus und Wärmflaschen«, sagt Sophia. »Wenn ein Schüler abgeholt werden muss, rufen wir die Eltern an.« Patienten hätten sie eigentlich in jeder Pause. »Jetzt zur Grippezeit sind es bestimmt zehn am Tag.« Ist ein Mitschüler schwerer verletzt, kommt ein Krankenwagen zur Hilfe. »Wir übernehmen die Erstversorgung und können den Sanitätern dann zeigen, wo sie hinmüssen.«

Jugendrotkreuz Wetterau: Hobby wird zum Beruf

Zusätzlich zum Schulsanitätsdienst ist Sophia auch Mitglied beim Jugendrotkreuz. Seit sieben Jahren schon. Vor kurzem hat sie ihre Gruppenleiter-Ausbildung abgeschlossen. Jetzt unterstützt sie Fiona Riemann und Eva-Maria Käs als Leiterin der JRK-Gruppe in Friedberg. Die trifft sich alle zwei Wochen. Jeder zwischen 6 und 27 Jahren kann mitmachen. Gerade hat die Gruppe die Einheit zur Ersten Hilfe abgeschlossen, jetzt geht es weiter mit den Organen. Demnächst steht ein Besuch bei der zentralen Leitstelle in Friedberg auf dem Programm. Auch bei Großübungen mit der Freiwilligen Feuerwehr sind sie im Einsatz.

»Die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spaß«, sagt Sophia. »Früher gab es auch Ältere, die mir etwas beigebracht haben, das möchte ich jetzt weitergeben.« Bei ihren beiden Schwestern, Caro und Emilia, hat sie das schon geschafft. »Meine Schwester hat immer so viel Spannendes erzählt, dass ich unbedingt auch im JRK und im Sanitätsdienst mitmachen wollte«, sagt Caro. Ob sie später in einem medizinischen Beruf arbeiten möchte, weiß sie noch nicht.

Ganz im Gegensatz zu Fiona. Sie hat ihre ersten Schritte ebenfalls beim JRK gemacht. Jetzt wird sie Notfallsanitäterin. »Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht«, sagt die 21-Jährige. Seit vergangenem Jahr ist sie Gruppenleiterin. »Es ist toll zu sehen, dass vieles von dem, was wir üben, bei den Kindern auch hängenbleibt. Im Notfall handeln sie wie die Großen.« Kollegin Eva ergänzt: »Die Kinder wissen oft besser, wie man sich in Notsituationen verhält und wen man anrufen muss, als die Erwachsenen.«



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