07. Mai 2018, 20:16 Uhr

Bei Orkanen noch Glück gehabt

Die Folgen der beiden Orkane »Burglind« und »Friederike«, die im Januar über der Wetterau wüteten, sind noch immer im Ober-Mörler Wald zu sehen. Welche Herausforderungen das mit sich bringt, erfuhren die Parlamentsmitglieder nun bei einer Waldbegehung.
07. Mai 2018, 20:16 Uhr

Wie interessant das Thema Gemeindewald ist, hatte das Parlament bei seiner letztjährigen Waldbegehung mit Forstfachleuten schätzen gelernt und sich regelmäßige Exkursionen gewünscht. Bei Frühsommerwetter trafen sie sich am Samstag mit den für »ihren Wald« zuständigen Experten, und auch interessierte Bürger schlossen sich der öffentlichen »Sitzung« an.

Zwei Stunden lang durchstreiften sie mit dem Weilroder Forstamtsleiter Bernd Müller und Revierförster Bernd Pogodda den Zipfel des Kommunalwaldes zwischen Maibach und Wiesental. Die Balance aus Naturnähe und Wirtschaftlichkeit stand ebenso auf der Tagesordnung wie die Behandlung von Windwurfflächen. »Der Waldbesitzer darf nicht tun, was er will«, erklärten Müller und Pogodda, die sich im Auftrag der Gemeinde um deren 378 Hektar Wald kümmern. Die Forsteinrichtung sei ein Zehn-Jahres-Plan, in dem Schwerpunkte der Waldnutzung festgelegt werden. Müller: »Wir halten uns an die Vorgaben der Gemeinde.«

Eichen dominieren

»Wald zu besitzen, ist richtig für die Gemeinde«, erklärten die Experten. Nicht nur wegen des Natur-, Freizeit- und Erholungswertes, sondern auch wegen des wirtschaftlichen Nutzens. An Stationen im Buchenmischwald, im 60-jährigen Nadelwald, an einem Douglasienbestand, an einer Windwurffläche und einem Ameisenhügel erfuhren Politiker und Bürger interessante Details über ihren Wald. Anders als im Landesdurchschnitt dominieren im Ober-Mörler Wald die Eichen (47 Prozent), gefolgt von Buchen (19), Fichten (14) und Kiefern (6).

Viele mittelalte Eichenbestände seien auf die Lokalgeschichte zurückzuführen. Früher habe man an der Usa Leder mit Lohe gegerbt, also mit der säurehaltigen Rinde von eigens angepflanzten Eichen. Nach der Eiszeit hatte es hier nur Laubwälder gegeben, der Siegeszug der Nadelbäume setzte vor gut 150 Jahren ein, als die Menschen ihre abgewirtschafteten Wälder mit Fichten, Kiefern, Lärchen oder Douglasien aufforsteten.

»Bei Nadelbäumen kriegen wie schnell dickes Holz«, erklärten die Forstleute und zeigten Beispiele naturgemäßer Bewirtschaftung. Wichtig zu wissen: im Wald herrsche kein stilles Schweigen, sondern ständiger »Kampf um Leben und Tod« zwischen den Bäumen, also um Licht Luft und Nährstoffe. Hier steuernd einzugreifen, um Artenreichtum und Wirtschaftlichkeit in der Balance zu halten, sei die spannende Aufgabe. Das wirtschaftliche Optimum liege bei 25 bis 30 Prozent eingesprenkeltem Nadelwald. »Würden wir nichts machen, käme nur Buchenwald.«

Folgen der Orkane »Burglind« und »Friederike«, die im Januar über der Wetterau wüteten, waren am Ende der Exkursion zu sehen. Mit einer Windschadenmenge von insgesamt »nur« fast 400 Festmetern habe man zwar noch Glück gehabt – aber auch ungefähr das jährliche Einschlagvolumen erreicht. »Das müssen wir an anderer Stelle reduzieren.«

Wie Revierförster Pogodda erklärte, lasse er das Schlagreisig bewusst als Mulchdecke auf der Fläche liegen – als Schutz vor Austrocknung oder Wildverbiss. Neben der Naturverjüngung sei auch das Totholzbiotop erwünscht. Eine besondere Biotopgestaltung könne man sich für den Uhu vorstellen, schlugen die Fachleute vor, sich zeitnah mit der Politik darüber abzustimmen.

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