20. Februar 2018, 20:07 Uhr

Latino-Band

Bei Makia werden plötzlich alle zu Latinos

Es hat schon etwas von Magie, was da passiert, wenn Makia spielt. Dann ziehen Manager die Schuhe aus, und Rentner tanzen im Regen. Wie macht die Friedberger Band das?
20. Februar 2018, 20:07 Uhr
Zu fünft, aber trotzdem nur knapp mehr als die Hälfte von Makia sind Antonio Mandujano, Marcel Hochstraßer, Reiner Herr, Erick Hernandez und Anneli Richter. Am Samstag stehen aber alle acht Musiker aus drei unterschiedlichen Ländern auf der Bühne. (Foto: vpf)

Eigentlich ist das Bad Nauheimer Freiraum-Festival Schuld, dass es Makia gibt. Vorher haben Antonio Mandujano und Erick Hernandez zwar auch schon Musik gemacht, aber eigene Lieder geschrieben haben sie nicht. »Wir waren Berufsmusiker in Chiapas in Mexiko. Dort haben wir Latino-Cover gespielt«, erzählt Erick. Als sie nach Deutschland kamen, haben sie damit weitergemacht. Irgendwann haben sie sich mit anderen Musikern zusammengetan, und sie haben sich den Namen Makia gegeben. Das ist hawaiianisch und bedeuet Sonnenaufgang.

Als der Vorsitzende des Bad Nauheimer Vereins Juka die Musiker 2014 fragte, ob sie Lust hätten, beim Freiraum-Festival (damals noch Jugendkulturtage) zu spielen, waren sie sofort dabei. »Als er gefragt hat, ob wir eigene Songs haben, habe ich einfach ja gesagt. Obwohl wir noch nicht ein eigenes Lied geschrieben hatten«, erinnert sich Antonio und lacht. Drummer Marcel Hochstraßer weiß noch genau, wie ihm das Blut in den Adern gefror: »Als wir draußen waren, habe ich Antonio gefragt, was das sollte, und er hat gesagt: Entspann dich, dann müssen wir eben morgen anfangen, Songs zu schreiben.« Also fingen sie an. Zwei Monate später stand Makia mit sechs eigenen Liedern auf der Bühne. An diesem Samstag stellen sie ihr erstes eigenes Album vor.

»Einmal hat eine Frau mit den Füßen geklatscht«, erinnert sich Saxofonistin Anneli Richter. Sie sei komplett in Ekstase gewesen, habe alles um sich herum vergessen. Wer schon einmal bei einem Auftritt von Makia dabei war, weiß: So was passiert öfter. Während das Wetterauer Publikum sonst eher zurückhaltend ist und manchmal schon ein bisschen Anlauf braucht, um mit dem Fuß zu wippen, passiert irgendetwas mit den Zuhörern, wenn Makia spielt. Dann kommt das Saxofon, dann kommen die Percussions, Reggae, spanische Gesang von Raidel Bandera aus Kuba, und dann passiert es: Die Wetterau verwandelt sich in ein heißblütiges Festivalpublikum.

»Am meisten beeindruckt war ich beim Freiraum-Festival 2016«, erinnert sich Trompeter Reiner Herr. »Es hat in Strömen geregnet, aber anstatt unter den Schirmen zu bleiben, haben alle Regencapes angezogen und barfuß vor der Bühne getanzt. Egal ob Rentner oder Jugendliche. Ich dachte nur: Was bitte geht denn hier ab?« Was abgeht, hat sich auch Drummer Marcel gefragt, als bei einem Auftritt einmal eine Frau im Publikum in schallendes Gelächter ausgebrochen ist. Weil Marcel zwar von Anfang an bei Makia dabei ist, aber kein Wort Spanisch versteht, fragte er Sänger Raidel, was los ist. Der klärte ihn auf: Er hatte den Text vergessen und spontan einen Witz eingebaut.

Vielleicht ist es ein bisschen das, was Makia ausmacht. Dass es nicht immer so wichtig ist, alles perfekt zu machen. »Manchmal hängt Raidel einfach noch zwei Strophen dran, und wir spielen, was dazu passt«, sagt Anneli. Die Leute merkten das gar nicht, und es sei auch nicht wichtig. Wichtig sei nur die Party. »So muss es sein: Man singt mit, auch wenn es falsch ist, und sagt sich: Heute bin ich einfach mal ein anderer Mensch«, sagt Reiner. Wie es ein Titel auf dem Album sagt: Siente la Musica – Fühle die Musik. »Manche sagen, wenn sie unsere Songs hören, fühlen sie sich, als würden sie mit einem Cocktail am Strand sitzen.«

Doch ist es einfach nur die spanische Sprache, die das Publikum an Urlaub erinnert? »Ich glaube, es ist auch der Rhythmus. Viele Leute kennen diese Kombination von Reggea und Latino, Soul und Funk nicht. Es ist eine Art Latin-Fusion, die nie langweilig wird«, vermutet Antonio. Manchmal ist es ein wenig durcheinander, Noten gibt es auch nicht, aber das interessiert das Publikum anscheinend nicht. Vielleicht auch wegen der Art von Sänger Raidel: »Er bindet das Publikum ein, die Leute fühlen sich dazugehörig.« Wenn dann das Wetterauer Publikum singt: Latino soy – ich bin Latino – sei das Gefühl: »Ich war nicht nur dabei, ich habe auch mitgemacht.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Latinos
  • Magie
  • Regen
  • Rentner
  • Schlagzeuger
  • Schuhe
  • Valerie Pfitzner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen