22. Februar 2019, 19:17 Uhr

Bei Freunden im Süden Brasiliens

22. Februar 2019, 19:17 Uhr
Stadträtin Sonja Rohde (2. v. l.), Joachim Krämer (l.) und dessen Frau Klara Krämer (2. v. r.) treffen sich in Brasilien auch mit Mitgliedern des Militärmusikcorps von Candelária. (Foto: pm)

Bad Nauheim (pm). Die Bad Nauheimer Stadträtin Sonja Rohde ist kürzlich in den Süden Brasiliens gereist und hat sich dort in Candelária über die Arbeit der Feuerwehr erkundigt. Die nämlich geht auf großes Engagement aus Bad Nauheim zurück. In der Stadt leben etwa 33 000 Einwohner, ähnlich viele wie in Bad Nauheim. »Jedoch hat die Stadt eine komplett andere Infrastruktur. Durch die weit verstreut liegenden Kolonien und einzelnen Bauernhöfe mit riesigen Weiden sowie Mais-, Reis- und Sojafeldern ist Candelária ein Flächendorf mit eher armen Verhältnissen. Die Einnahmen dort sind deutlich geringer, und das Stadtparlament besteht lediglich aus elf Personen. Ehrenamtliche Stadträte oder Fachbereiche gibt es in der Verwaltung nicht«; erklärt Rohde. »Bürgermeister und Vizebürgermeister müssen sich um nahezu alles kümmern. Charakteristisch ist auch das rund zwei Kilometer lange und von 1868 bis 1870 erbaute Aquädukt.«

Die Stadträtin würdigte das beachtliche ehrenamtliche Engagement der Einheimischen, die vor 21 Jahren mit Bad Nauheimer Hilfe eine Freiwillige Feuerwehr aufgebaut hatten. »Tag und Nacht stehen die Feuerwehrleute bereit, um zu helfen, wenn Menschen in Not geraten. Das ist eine ausgezeichnete und anzuerkennende Leistung in einem Gebiet, in dem die Ehrenamtsstruktur nicht so ausgeprägt wie bei uns ist«, erklärt Rohde. Die Verständigung bei ihrem Besuch wurde durch die Tatsache sehr erleichtert, dass seit etwa 1800 viele Deutsche in diese Region ausgewandert sind und die Nachfahren noch immer gut Deutsch sprechen.

Etwa 100 Einsatzkräfte gewonnen

1998 gab es den ersten Kontakt zwischen Bad Nauheim und Candelária im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Dem Bad Nauheimer Dieter Becker, der dort Urlaub machte, fiel auf, dass es im Umkreis von 40 Kilometern keine Feuerwehr gab. Nach einem Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister von Candelária, Renè Hüber, nahm dieser Kontakt mit der Bad Nauheimer Feuerwehr auf, die gerade ein neues Feuerwehrauto gekauft hatte. Hüber fragte an, ob Bad Nauheim Candelária das Fahrzeug zur Verfügung stellen würde. Der Magistrat stimmte der Schenkung zu, und der ehemalige Bad Nauheimer Stadtbrandinspektor Joachim Krämer sorgte für die Überführung nach Brasilien. Eine weitere Herausforderung waren die fehlenden Feuerwehrleute. Krämer unterstützte vor Ort dabei, Einsatzkräfte zu gewinnen. Etwa 100 ehrenamtliche Feuerwehrkräfte erklärten sich danach bereit, Brandschutzdienst zu leisten. Später machte Krämer mit ihnen auch Übungen und Kurse.

2001 sagte der damalige Bad Nauheimer Bürgermeister Bernd Rohde eine weitere Fahrzeugspende zu, und 2008 wurde ein Rüstwagen für technische Hilfeleistungen überführt. Zu dieser Zeit gab es ein solches Fahrzeug in Südbrasilien nicht, es war einzigartig. Die Brandschützer konnten sich mit den Jahren von der Präfektur lösen und sind heute eine selbstständige ehrenamtliche Feuerwehr.

Sonja Rohde erläutert: »Dankbar sind darüber vor allem die Kolonialisten und Bauern der Region, die unter anderem Tabak anbauen und trocknen. Nicht nur die Trockenöfen, sondern auch Nebengebäude sind oft aus Holz gebaut.«

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