08. März 2019, 14:00 Uhr

Vogelschutz

Begehrtes Grundstück: Landwirte kaufen Wiese, Naturschützer sorgen sich um Störche

Der Kauf einer Wiese in Lindheim durch die Natur- und Vogelschutzgruppe droht am Widerstand von Landwirten zu scheitern. Die Vogelschützer sehen ihre Arbeit zum Schutz der Störche gefährdet.
08. März 2019, 14:00 Uhr
Die Störche in Lindheim haben sich an die Menschen in ihrer Umgebung gewöhnt. (Foto: sax/pv)

Der Hof Westernacher mit dem Schornstein der ehemaligen Schnapsbrennerei hat große Symbolkraft für die Geschichte der Störche in der Region. Das letzte Storchenpaar, das Hessen 1979 verließ, brütete auf diesem Kamin. Und auch als 18 Jahre später die Störche zurückkehrten, war der Horst auf diesem Schornstein im Altenstädter Ortsteil Lindheim einer der ersten, die von Meister Adebar besiedelt wurden.

Besonders intensiv beobachte die örtliche Natur- und Vogelschutzgruppe ein Paar, das seit rund 20 Jahren den Horst auf dem Schornstein durchgehend bewohnt. 1998 eroberte sich der im Hessenpark geborene Storch Wilhelm erstmals das Nest. Durch die Geburt in Gefangenschaft hatte er sein Zugverhalten verloren. Auch Partnerin Wilma bleibt über den Winter in Lindheim.

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Die Störche in Lindheim haben sich an die Menschen in ihrer Umgebung gewöhnt. Nur wenn die...

»Die Kälte macht denen nichts aus«, erläutert der Vorsitzende (und Namenspate) Wilhelm Fritzges. Allerdings hätten die Störche im Winter Probleme, Nahrung zu finden. Deshalb werde in Absprache mit dem Eigentümer und dem Pächter der Wiese diese seit 20 Jahren als Futterplatz für Wilhelm und Wilma genutzt. So habe sich in diesen zwei Jahrzehnten eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Schäfer, dessen Schafe die Wiese beweiden, dem Eigentümer und der Natur- und Vogelschutzgruppe entwickelt. Diese habe sich auch positiv auf das Brutverhalten der Störche ausgewirkt. Auf den vier Horsten im Umkreis der Wiese seien insgesamt zehn Jungstörche flügge geworden, berichtet Fritzges. Auf den anderen Nestern um Lindheim seien es zusammen nur fünf gewesen.

 

Gruppe will Teich anlegen

Um diese Nutzung abzusichern und die Wiese für den Naturschutz aufzuwerten, bemühte sich die Natur- und Vogelschutzgruppe schon seit Jahren, einen Teil des Geländes zwischen den Wasserläufen zu kaufen. Denn um dort – so der Plan – einen Teich anzulegen, musste sie Eigentümer der Wiese sein. Letztes Jahr konnte der Verein den bisherigen Eigentümer überzeugen, seine drei Hektar des Wiesengrundstücks an die Gruppe zu verkaufen. Obwohl der Vertrag bereits am 26. November notariell beurkundet wurde, gehört die Wiese noch immer nicht den Vogelschützern. Zwar hatte die Gemeinde zunächst auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Inzwischen machten jedoch Landwirte ihr Vorkaufsrecht geltend. Das existiert, um zu vermeiden, dass größere landwirtschaftliche Flächen dieser Nutzung entzogen werden.

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Die Störche in Lindheim haben sich an die Menschen in ihrer Umgebung gewöhnt. Nur wenn die...

Nun hat die Gemeinde den Verzicht auf ihr Vorkaufsrecht zurückgezogen, sagt Bürgermeister Norbert Syguda. Er betont: »Das was die Natur- und Vogelschutzgruppe da vorhat, ist ganz in unserem Sinne. Wenn es die Gruppe nicht gleich bekommt, dann werden wir versuchen, es zu bekommen.« Altenstadt habe gegenüber dem Notar erklärt, dass die Gemeinde nicht mehr auf ihr Vorkaufsrecht verzichte, weil sie in diesem Bereich die Nidder renaturieren wolle.

 

Hoffnung für Naturschützer

Die Naturschützer dürfen also hoffen. Sie wundern sich dennoch: Für die landwirtschaftliche Nutzung sei das Grundstück, da immer wieder überflutet, von geringem Wert. Außerdem sei im Grundbuch eingetragen, dass große Flächen entlang des Nidderufers nicht gedüngt werden dürften. »Eigentlich hätte der Schäfer ein Vorkaufsrecht ausüben können, weil er seit 20 Jahren die Wiese bewirtschaftet und darauf angewiesen ist«, meint Fritzges. Die Vogelschützer hätten ihm deshalb auch zugesichert, dass sich für ihn nichts ändern würde.

Laut Fritzges hat seine Gruppe bisher gut mit den Landwirten zusammengearbeitet. So habe der Verein 30 Hektar vor allem auch im Überschwemmungsbereich der Nidder erworben, diese teilweise auch gegen landwirtschaftlich besser nutzbare eingetauscht.

 

Info

Vier Paare auf einer Wiese

Ein Grund für die Präsenz der Störche in Lindheim ist neben dem Engagement der örtlichen Natur- und Vogelschutzgruppe die hervorragende Nahrungssituation. Direkt hinter dem Hof Westernacher liegt eine rund 5 Hektar große Wiese, die von der Nidder sowie zwei Wassergräben begrenzt wird. Inzwischen hätten vier Storchenpaare im Umkreis von 20 bis 100 Metern um diese Wiese ihre Horste, hat die örtliche Natur- und Vogelschutzgruppe beobachtet.

 

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