07. Juli 2018, 12:00 Uhr

Landwirte mit Sorgen

Bedrohliche Trockenheit und kein Regen in Sicht

Im Mai und Juni gab es nur wenig Regen. Die Böden sind trocken, die Wetterauer Landwirte sorgen sich um ihre Ernte. Mancherorts muss ordentlich bewässert werden. Die Waldbrandgefahr steigt.
07. Juli 2018, 12:00 Uhr

Durch die Trockenheit muss das Getreide in diesem Jahr viel früher geerntet werden als sonst«, sagt Florian Dangel vom Regionalbauernverband Wetterau-Frankfurt. »Wir müssen davon ausgehen, dass die Erträge durchschnittlich niedriger ausfallen, da in der Wachstumsphase im Mai und Juni das Wasser gefehlt hat.«

Die Wetterauer Landwirte sind mit dem Dreschen der Wintergerste früh dran – so wie Ulrich ...

Laut Kreislandwirt Michael Schneller ist es ein problematisches Jahr für die Landwirte. In der Wetterau sei die Ernte bei der Wintergerste, dank der guten Böden, »noch zufriedenstellend«. Mit großen Einbußen sei beim Raps zu rechnen. Es sei noch zu früh, die Verluste zu beziffern, »aber mit 20 Prozent Ausfall muss gerechnet werden«, sagt Schneller. Und: »Ohne Regen wird die Lage zunehmend angespannt.«

 

Boden zu hart zum Roden

 

Landwirt Ulrich Schuldt aus Ossenheim drosch vergangene Woche seinen letzten Acker Gerste. Sie sei noch nicht ganz abgetrocknet, einzelne grüne Halme seien noch zu sehen. Das Wachstum ist laut Schuldt allerdings abgeschlossen – Wasser käme hier zu spät. »Sorgen machen mir Mais und Zuckerrüben.« Diese benötigten dringend eine längere Regenperiode. »Mit einem kurzen Gewitter, bei dem in kurzer Zeit viel Wasser auf die Felder kommt, ist den Pflanzen nicht geholfen.«

»Ich habe keine Wahl, die Möhren brauchen Wasser«, sagt Götz Wollinsky, Bioland-Produzent vom Pappelhof in Reichelsheim. Er muss seine vier Hektar Möhren zurzeit mit Leitungswasser bewässern. Auch um seine Frühkartoffeln bangt er. Durch die lange Trockenheit ist der Boden zu hart zum Roden – die Kartoffeln würden beschädigt. »Wir haben hier noch gute Böden, Kollegen in Mittelhessen werden nicht die Hälfte von uns ernten«, sagt Wollinsky.

 

Pegel des Teich im Bad Nauheimer Kurpark sinkt

 

Ortslandwirt Heinz Thönges aus Steinfurth bestätigt das. Der Wetterauer Lösboden speichere viel Wasser, allerdings gebe es in Steinfurth auch Kies und Basalt, die viel schneller austrockneten. Überall habe die Trockenheit bislang vor allem dem Getreide geschadet: »In der Phase, wo viel Wasser nötig ist, um die Nährstoffe in die Körner zu kriegen, war es einfach zu trocken«, sagt Thönges. Das Getreide stehe sehr niedrig, die Körner fielen kleiner aus, seien nicht voll ausgeprägt, der Weizen habe eine schlechtere Qualität. »Wir Landwirte brauchen immer Spitzenernten, um wirtschaftlich arbeiten zu können.«

Im Weizenacker hat die Trockenheit Spuren hinterlassen.

Nicht nur die Landwirte trifft die anhaltende Dürre – auch die Pflanzen in den Bad Nauheimer Parkanlagen benötigen Wasser: »Da wir das Wasser aus dem großen Teich entnehmen, der von der Usa gespeist wird, bewässern wir nur dort, wo es dringend notwendig ist«, sagt Siegfried Labitzke, Mitarbeiter beim Park- und Grünflächenamt. Bewässert werden Blumenrabatten und Jungbäume, nicht aber Rasenflächen. Die Usa führe wenig Wasser, auch der Teichpegel sei bereits stark gesunken.

 

Leere Regentonnen bei den Kleingärtnern

 

Die »Grüne Lunge« der Stadt Friedberg ist laut Norbert Simmer, Vorsitzender des dortigen Gartenbauvereins, bislang weniger von der Trockenheit betroffen. Die Regentonnen seien zwar schon lange leer, allerdings gebe es in der Kleingartenanlage zahlreiche Brunnen.

»Die meisten Gärten sind inzwischen reine Erholungsgärten«, sagt Simmer. Man genieße vor allem an den Wochenenden die Kleingartenidylle mit Rasenflächen, Blumen, Sträuchern und ein paar Obstbäumen. »Schon vor Jahren haben wir die Vereinssatzung geändert und reine Erholungsgärten gestattet.« Der Grund: Die meisten Menschen haben laut Simmer für den Gemüseanbau heute keine Zeit mehr. Aber hier und da ziehen Hobby-Gemüsegärtner Zucchini, Tomaten, Gurken oder Salatpflänzchen. Gegossen werden muss laut Simmer bei der Hitze allerdings täglich.

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Info

Erhöhte Waldbrandgefahr

Laut Kreisbrandinspektor Lars Henrich, besteht derzeit mittlere bis hohe Waldbrandgefahr. Das Entzünden von Feuern und Grillen im Bereich von Wald und Wiesen sei aktuell untersagt. Gleiches gelte auch für das Verbrennen von Gartenabfällen und Grünschnitt. Waldbrände habe es im Wetteraukreis bislang keine gegeben, allerdings wurden vergangene Woche in Butzbach und Rosbach Flächenbrände von mehreren tausend Quadratmetern gelöscht – in einem Feld bei Bauernheim brannte ein Mähdrescher ab. Laut Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst ist auch in den kommenden Tagen nicht mit größeren Regenmengen rechnen: »Es gibt weiterhin viel Sonne bei Temperaturen meist um die 27 bis 29 Grad. Einzelne Schauer fallen höchstens in Form kleinerer lokaler Gewitter. Landregen ist nicht in Sicht.« (isi)

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