27. November 2018, 20:48 Uhr

Barrierefreiheit: ein Millionenprojekt

27. November 2018, 20:48 Uhr
Zumindest der Eingang zum Alten Rathaus am Marktplatz ist behindertengerecht. Das hilft Rollstuhlfahrern aber wenig, weil der Aufzug fehlt, um in die oberen Stockwerke zu gelangen. (Foto: nic)

Das Thema Barrierefreiheit kommt in Bad Nauheim immer mal wieder zur Sprache, sei es, weil die Post für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ist oder weil sich blinde Fußgänger an manchen Stellen nicht orientieren können. In der jüngsten Parlamentssitzung hatte die SPD einen Antrag gestellt, der sich um städtische Immobilien dreht. Die Forderung: Bis Ende 2020 sollen alle Häuser mit Publikumsverkehr nach modernstem Standard barrierefrei sein, bis Ende 2019 soll der Magistrat eine Liste mit den dringlichsten Projekten vorlegen. Ein Ansinnen der Sozialdemokraten, mit dem sich der Bauausschuss eingehend befassen wird. Dorthin wurde das Papier verwiesen.

Wenn viel besuchte Gebäude wie der Steinfurther Rosensaal mit einer behelfsmäßigen Rampe zu einem Nebeneingang ausgestattet sind, hat das nach Ansicht der SPD mit wirklicher Barrierefreiheit nichts zu tun. Einem Rollstuhlfahrer müsse nämlich die Möglichkeit geboten werden, ohne fremde Hilfe in einen Raum zu gelangen. »Wir wollen wieder einmal auf Barrierefreiheit hinweisen. Es gibt nicht viel Fortschritt, wir müssen das Thema mit mehr Elan angehen«, sagte SPD-Fraktionschef Axel Bertrand.

Prinzipiell hatten die anderen Redner nichts gegen den Antrag einzuwenden, sahen aber eine gewisse Realitätsferne. So erklärten Manfred Jordis (CDU) und Markus Philippi (UWG), dass die Frist Ende 2020 kaum zu halten sei. Außerdem, so der christdemokratische Fraktionschef Jordis, habe es in der Vergangenheit bereits eine diesbezügliche Prüfung gegeben. Wie sich dabei gezeigt habe, sei eine Umgestaltung nicht überall machbar. »Ein Beispiel ist das Alte Rathaus. Dort kann kein Aufzug eingebaut werden.«

Ins gleiche Horn blies Erster Stadtrat Peter Krank: »25 bis 30 Prozent dieser städtischen Immobilien lassen sich nicht umbauen.« Zudem sollten sich die Stadtverordneten die Kosten vor Augen halten. Krank schätzt den Aufwand, um alle rund 90 städtischen Immobilien mit Publikumsverkehr auf den modernsten Stand zu bringen, auf mehrere Millionen Euro. »Das ist richtig viel Geld.« Er nannte das Beispiel Pitzer-Begegnungsstätte. Dort sei eine Tür behindertengerecht erneuert worden, was 40 000 Euro verschlungen habe. Angesichts solcher Zahlen sei es bei manchen Gebäuden besser, sich Barrierearmut statt Barrierefreiheit vorzunehmen. Eine Umgestaltung aller Immobilien bis Ende 2020 sei ohnehin nicht machbar.

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