11. April 2019, 08:00 Uhr

Bauvorhaben gefährdet

Bahnhof: Gelbe Karte für den Eigentümer

Einstimmig hat der Bauausschuss einen Aufstellungsbeschluss für den B-Plan »Am Bahnhof« gefasst. Ob im Umfeld des Bad Nauheimer Jugendstilgebäudes gebaut werden darf, ist aber völlig offen.
11. April 2019, 08:00 Uhr
Außen hui, innen pfui: Den Zustand des Bahnhofs will die Politik nicht länger hinnehmen. (Archivfoto: Nici Merz)

Gleich zu Beginn der Debatte über den B-Plan »Am Bahnhof« wurde eines deutlich: Der Eigentümer des Bahnhofs und des Geländes im Umfeld hat bei Bad Nauheimer Politikern keinen guten Ruf. »Seit Jahren ist er im Besitz des Bahnhofs, seit Jahren passiert nichts«, betonte CDU-Fraktionschef Manfred Jordis. Er forderte, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Damit sollte ein klares Signal an die Portal Real GmbH gesendet werden: »Zuerst muss der Bahnhof in Ordnung gebracht werden, dann kommen wir ihr in Sachen Neubauten entgegen.« Eigentum verpflichte auch in diesem Fall.

Dieser Meinung schlossen sich Redner von SPD, Grünen und UWG weitgehend an. Lediglich Bernd Witzel von den Freien Wählern mochte dem Eigentümer nicht rundweg mangelndes Interesse am Bahnhof attestieren. Er habe Hundertausende von Euro in die Fassade und gewisse Teile des Gebäudeinneren investiert.

Besucher sprechen von "Schandfleck"

Gleichwohl, so Dr. Martin Düvel (Die Grünen), sei der Zustand des Bahnhofs alles andere als befriedigend. »Außen ist es schön, innen einen Katastrophe.« Vor 20 Jahren habe das Immobilienunternehmen das Jugendstilgebäude erworben, aber seitdem »nichts gemacht«. Albert Möbs (CDU) berichtete von Gesprächen mit Besuchern der Stadt, die den Bahnhof als »Schandfleck für Nauheim« betrachteten.

SPD-Sprecher Georg Küster sah in der Beschlussvorlage ein weiteres »Millionengeschenk des Magistrats an einen Investor«. Die Stadt habe nichts von der Bebauung des Umfelds – nur ein paar neue Wohnungen, die für Normalverdiener kaum bezahlbar seien. »Wie Sie’s machen, ist katastrophal«, sagte Küster mit Blick auf Bürgermeister Klaus Kreß und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha.

Wettbüro soll verhindert werden

Als sich der Rathauschef und der Stadtplaner zu Wort gemeldet hatten, bekam die Debatte eine andere Richtung. Wie Patscha verdeutlichte, sollte der Ausschuss den Aufstellungsbeschluss fassen, um Einfluss auf die Entwicklung des Bahnhofs nehmen zu können. »Wir müssen den B-Plan auf den Weg bringen, um eine Verschlechterung der Situation zu verhindern«, betonte Patscha. So liege aktuell ein Bauantrag für ein Wettbüro im Bahnhof vor.

Fasse die Politik den Beschluss, trete eine Art Veränderungssperre in Kraft. Mieter wie der Betreiber eines Wettbüros, die aus Sicht der Stadt nicht erwünscht sind, können damit verhindert werden. Nach den Worten des Fachbereichsleiters ist eine Kopplung – erst wenn der Bahnhof saniert ist, kommt der B-Plan – rechtlich nicht möglich. Allerdings stehe es den Politikern frei, den Bebauungsplan anzustoßen, aber später nicht zu beschließen. Schließlich werde sich der Ausschuss im Rahmen des Verfahrens noch zweimal mit dem Thema befassen.

Investor kündigt Verbesserung an

Laut Kreß hat der Investor schriftlich erklärt, sich künftig mehr um den Bahnhof kümmern zu wollen. Er verpflichte sich, die Bestandssituation aufzuwerten, ein Modernisierungskonzept fürs Gebäude vorzulegen und für ein besseres Ambiente zu sorgen. »Der Bahnhof sieht schon ewig so aus. Mit dem B-Plan haben wir die Chance, das Gebäude zum Positiven zu entwickeln«, ist der Bürgermeister überzeugt.

Allerdings könne der Magistrat den Eigentümer nicht zwingen, tätig zu werden. Kreß schlug vor, der B-Plan-Aufstellung zuzustimmen, um unliebsame Änderungen im Gebäude abzublocken und die Verhandlungsposition des Magistrats gegenüber Portal Real zu verbessern.

Der Bauausschuss entschied sich für diese Vorgehensweise. Der B-Plan wurde einstimmig auf den Weg gebracht, gleichzeitig nahm das Gremium eine Formulierung explizit ins Protokoll auf. Demnach wird der Ausschuss im weiteren Verfahren einer Bebauung im Norden und Süden des Bahnhofs nur zustimmen, wenn auch ein Konzept für die Entwicklung des Gebäudes beinhaltet ist.

 

Info

36 Wohnungen, zwei Bürohäuser

Die Portal Real GmbH, Eigentümer des Bahnhofs und der Grundstücke im Umfeld, will im Norden vier bis zu 16 Meter hohe Gebäude errichten. Direkt an der Main-Weser-Bahntrasse sollen im Anschluss an den P & R-Platz, dort wo heute Kleingärten existieren, 36 Eigentumswohnungen entstehen. Auf der Südseite – links und rechts vom historischen Fürstenpavillon – plant der Investor zwei dreistöckige Häuser (plus Dachgeschoss) für Einzelhandel und Büros. Für dieses Projekt soll der B-Plan aufgestellt werden, in den auch der Bahnhof selbst einbezogen wird. Nach dem Beschluss des Ausschusses wird das Bauvorhaben wohl nur realisiert, wenn sich Portal Real zu Sanierung und Aufwertung des Bahnhofs bereit erklärt. (bk)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ausschüsse
  • Bahnhöfe
  • Bauprojekte
  • CDU
  • Freie Wähler
  • Karten
  • Klaus Kreß
  • SPD
  • Stadtplanerinnen und Stadtplaner
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos