06. Februar 2019, 05:00 Uhr

Dürre und Pilz

Bad Nauheimer Stadtwald unter Druck

Bei einem Rundgang durch den Bad Nauheimer Stadtwald ging es um die Folgen des Hitze-Sommers, um einen gefährlichen Pilz aus Ostasien und um deutlich mehr Geld für den Wald als Erholungsort.
06. Februar 2019, 05:00 Uhr
Forstamtsleiter Bernd Reißmann erläutert – begleitet von seiner Hündin Mara – den Teilnehmern des Waldrundgangs Wissenswertes über das Eschensterben. (Fotos: Hedwig Rohde)

Innerhalb des Forstreviers Münzenberg nimmt der 250 Hektar große Bad Nauheimer Stadtwald in mehrfacher Hinsicht eine besondere Stellung ein. »Wir haben hier nicht nur sehr viele Spaziergänger, Radfahrer und Mountainbiker, sondern auch ein ausgeprägtes öffentliches Interesse an allem, was im Wald geschieht«, erklärte Revierleiter Forstamtmann Eckhard Richter bei der Waldbegehung am Sonntag. Viele Diskussionen, insbesondere über Fällaktionen und Pflegemaßnahmen, seien die Folge, auch »einige Wutbürger« meldeten sich regelmäßig lautstark zu Wort. »Wir alle lieben Holz für Möbel, Fußböden und in unseren Kaminen, aber aus unserem Wald soll es nicht herausgeholt werden, lieber wo anders her, am besten aus weit entfernten Tropenwäldern. Das ist das St.-Florians-Prinzip«, gab Richter zu bedenken.

Im Bad Nauheimer Stadtwald wird allerdings künftig ganz offiziell noch intensiver auf den Erholungsfaktor gesetzt. An einen entsprechenden Beschluss des Stadtparlaments anlässlich der letztjährigen Haushaltsberatungen erinnerte Bürgermeister Klaus Kreß, der von Erstem Stadtrat Peter Krank und Fachdienstleiter Hans-Martin Herrmann begleitet wurde, bei der Begrüßung der 65 Teilnehmer des Waldrundgangs.

 

Keine Zukunft für die Fichte

 

»Wir wollen unseren denkmalgeschützten Wald in seiner Erholungsfunktion weiter stärken, auch durch zusätzliche Pflegemaßnahmen, und nehmen dafür in Kauf, dass das Defizit im Waldwirtschaftsplan um 100 000 Euro auf 250 000 Euro steigen wird«, betonte der Bürgermeister.

Während Förster Eckhard Richter neben einem Stapel gefällter Buchen- und Eschenstämme die Demonstration einer Längenmessung und einer Raummeterberechnung vorbereitete, informierte Forstamtsleiter Bernd Reißmann, der von seiner Jagdhündin Mara begleitet wurde, über das Eschensterben. Erstmals sei der Verursacher, ein ostasiatischer Pilz, 2002 im Baltikum festgestellt worden. Inzwischen habe er sich über ganz Europa ausgebreitet, und es sei zu befürchten, dass nach den Ulmen nun auch die Eschen in Deutschland aussterben werden, obwohl es derzeit noch vereinzelte resistente Exemplare gebe. Dies sei ein gravierender Einschnitt, da in Europa im Vergleich zu anderen Kontinenten ohnehin nur wenige Baumarten existierten – eine Folge der Eiszeit, in der zahlreiche Pflanzenarten aus Deutschland verschwanden, weil sie auf ihrer Südwanderung die Barriere der Alpen nicht überwinden konnten.

Wir lieben Holz für Möbel, Fußböden und in unseren Kaminen, aber aus unserem Wald soll es nicht herausgeholt werden

Eckhard Richter kritisiert das St.-Florian-Prinzip

Neben den Eschen traf es im vergangenen Sommer auch die älteren Fichtenbestände hart. Die extreme Dürre setzte ihnen zu und machte sie besonders anfällig für den tödlichen Fraß der Borkenkäfer. Europaweit gebe es deshalb nun ein Überangebot an Fichtenholz. »Die Preise sind stark gesunken, das Holz ist nur schwer zu verkaufen«, erläuterte Richter.

Sofern sich kein neuer Bewuchs durch Naturverjüngung einstellt, sollen die neuen Kahlflächen im Stadtwald aufgeforstet werden – vor allem mit Eichen und Douglasien, denen angesichts des Klimawandels gute Überlebenschancen eingeräumt werden. Fichten sollen in den Tieflagen der Wetterau nach Auskunft der Forstleute künftig gar nicht mehr gepflanzt werden.

Info

Hoffnungsträger Baumhasel

Auf reges Interesse der Rundgang-Teilnehmer stießen die Informationen über die Baumhasel, auch Byzantinische Hasel genannt. Sie gehört zur Familie der Birkengewächse, ist auf dem Balkan ebenso zu Hause wie im Kaukasus und im Himalaya, zeichnet sich durch eine außerordentliche Toleranz gegenüber Dürre und Frost aus und gilt angesichts der Folgen des Klimawandels unter Forstleuten als »Hoffnungsträger«. »Sie wächst relativ schnell, liefert ein sehr wertvolles Möbelholz sowie gutes Brennholz, und die Tiere des Waldes freuen sich über ihre Nüsse«, nannte Förster Richter weitere Vorzüge des Baumes, der 35 Meter hoch werden kann. Größere Exemplare stehen nach seinen Angaben beispielsweise in Dorheim am Ortseingang in der Wetteraustraße. (doe)

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