18. März 2017, 16:00 Uhr

Einfach wumbaba

Axel Hacke plaudert über Gott und andere Welten

»Das lese ich alles vor«, sagt Axel Hacke. Er hält einen dicken Stapel Bücher in den Händen und grinst. Er hat dann von allem ein bisschen vorgelesen, beim Auftritt in Friedberg.
18. März 2017, 16:00 Uhr

Einmal hat Axel Hacke eine Geschichte über eine Vogelzählung geschrieben. Vogelzählungen kennen Sie: Da sitzen Leute eine Stunde lang im Garten und zählen Vögel. Ob das spannend ist, soll hier nicht diskutiert werden. Hacke jedenfalls, diese Plaudertasche vor dem Herrn, schrieb auch von einem Leser, der den Text von »Alle Vögel sind schon da« zeitlebens falsch sang. »Welch ein Singen, Musizieren?« Nein, »Welchlein singen, musizieren«, schmetterte er und stellte sich unter Welchlein ein buntes, singendes Vögelein vor. Drei Wochen nach Erscheinen von Hackes Kolumne gab der bayrische Landesbund für Vogelschutz das Ergebnis der Zählung bekannt. Platz 1 ging an den Spatz, auf Platz 105 mit immerhin einem gesichteten Exemplar landete das Welchlein.

»Kein Spaß, das können Sie im Internet nachlesen«, sagt Hacke und fügt triumphierend hinzu: »Die Schöpfung schaut freitags in meine Kolumne rein.« Jeden Freitag schreibt Hacke im Magazin der »Süddeutschen Zeitung« über »Das Beste aus aller Welt«. Hacke war – »nach einem Studium der Langweilungswissenschaften an der Ludwig-Langweil-Langiversität in Langweilchen« – 20 Jahre lang Redakteur bei der »Süddeutschen«, berichtete als Sport-Reporter von Olympischen Spielen, reiste mit Helmut Kohl in der Wendezeit nach Warschau. Berühmt machten ihn seine Kolumnen, mittlerweile hat er 25 Bücher geschrieben. Hacke zählt zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. Bücher wie »Der kleine König Dezember« oder »Der weiße Neger Wumbaba« wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Für »Friedberg lässt lesen«, diesmal in der Aula der Augustinerschule, hat Hacke sein neues Buch mitgebracht. »Die Tage, die ich mit Gott verbrachte« erzählt in märchenhaft-ironischem Ton von der Begegnung mit einem melancholischen Alten, der sich als Gott entpuppt und gerne Champagner trinkt. Wir lernen einen Büroelefanten kennen, betreten das Zentrum der Gleichgültigkeit, wo an der Stirnwand ein riesiges sternförmiges Kissen namens »Das Große Egal« hängt und erfahren, das Gott vor dieser Welt schon ganz andere erschaffen hat. Zum Beispiel jene, »die nur aus dreiundzwanzigjährigen Sekretärinnen bestand, die den ganzen Tag ›Guten Tag, hier ist die Firma Schnabelweid, Sie sprechen mit Cordula Müller, was kann ich für Sie tun‹ sagten«. Sie konnten aber nichts tun, es gab ja nur Sekretärinnen in dieser Welt.

Mit Fruchtzwergen im Bauch

Die Zuhörer kommen zwei Stunden lang nicht aus dem Schmunzeln, Prusten und Lachen heraus. Hackes Texte werden getragen von heiterem Ernst und leiser Ironie. Aber er schreibt nicht nur Kolumnen und Geschichten, die mit surrealen Einfällen (er spricht mit seinem Kühlschrank namens »Bosch«!) den Wahnsinn des Alltags auf die Zeitungsseiten bannen. Er ist auch ein wunderbarer Vorleser oder vielleicht sollte man sagen: ein wumbabarer Vorleser. Der vielzitierte »weiße Neger Wumbaba« verdankt sich, wie Hacke-Leser wissen, einem Verhörer. In Matthias Claudius’ berühmtem »Abendlied« heißt es korrekterweise: »... und aus den Wiesen steiget, der weiße Nebel wunderbar«. Diesem Phänomen der missverstandenen Liedtexte ist Hacke in seiner »Wumbaba«-Trilogie auf den Grund gegangen, für die er soviel Material gesammelt hat, dass ein vierter Band erscheinen könnte. »Aber das geht nicht. Dann wär’s keine Trilogie mehr.« Die Zuhörer spendeten am Ende viel Applaus und so mancher sang auf dem Nachhauseweg frei nach Herbert Groenemeyer von den »Fruchtzwergen in meinem Bauch«. (Foto: Wagner)

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