16. Mai 2019, 20:12 Uhr

Aus der Liebe zur Musik

16. Mai 2019, 20:12 Uhr
AAF
Nick Ramshaw kokettiert den ganzen Abend damit, nun endlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben zu haben und bleiben zu dürfen. (Foto: aaf)

»Drowning in Music«. So lautete einer der vielen Titel, die die Nick-Ramshaw-Band im Theater Altes Hallenbad gespielt hat. Es hätte keinen treffenderen Text geben können, um zu beschreiben, was dort auf der Bühne geschah. Dabei begann es sehr unprätentiös: Das Licht ging aus, die Bühnenbeleuchtung an, Rainer Götze begrüßte die Band im Namen der Kultur-AG des Friedberger Theaters - Nick Ramshaw, Oli Pohl, Christian Krauß und Frank Höflinger - und die ersten beiden Lieder wurden kommentarlos präsentiert. Doch eines Kommentars bedurfte es auch nicht, denn schon der erste Song sprach für sich und gab das Programm vor: »Do what you want!« Und das taten sie.

Was die Band verbindet

Von der ersten Sekunde an war zu spüren, dass hier eine Band auf der Bühne ist, deren Mitglieder nicht nur die Lust auf Musik verbindet, sondern die sich geradezu musikalisch in ihr ausleben - bis zum Ertrinken. Entsprechend vielseitig war die Mischung der Lieder, die alle aus der Feder von Nick Ramshaw stammten. Oli Pohl an den Drums spielte versiert und gab den Songs mit den Jazz-Besen stets einen groovigen Touch, der dem rockigen Grundton der Band mit swingenden Stileelementen eine loungige Stimmung verpasste.

Mit Pohl spielte Ramshaw bereits in den 90ern, als er noch mit den Rude Kids tourte. Die lange musikalische Verbundenheit spürte jeder der über einhundert Gäste, die das mittlerweile gut etablierte Kulturhaus im Zentrum der Wetterau vor vier Tagen besucht hatten. Ihm ist auch der wiederum dann doch etwas prätentiöse Titel der Band zu verdanken: Nick Ramshaw Band. Der Songsschreiber Ramshaw wollte nie den Schritt in den Vordergrund tun. Das ist das Selbstverständnis der Band, das sie auch auf der Bühne leben. Hier präsentierten sich vier »Jungs«, die gemeinsam Musik auf Augen- oder besser Ohrhöhe machen, und nicht Chef Ramshaw mit dreien, die einfach seine Songs spielen. Gegen den Bandnamen, angeführt von seinem eigenen, konnte sich der Brite, der augenzwinkernd den ganzen Abend damit kokettierte, nun endlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben zu haben und bleiben zu dürfen, dann aber doch nicht wehren.

Liebe zur Musik war auf der Bühne jederzeit zu spüren, mehr als eine »Secret Love«, mit der sie die Pause des Konzerts einleiteten. Zahlreiche Songs aus ihrer Scheibe »Songshine« durften live erlebt werden und erinnerten viele der zahlreich erschienenen Fans an das Release-Konzert, das auch im Theater Hallenbad gespielt wurde. Die Setlist ging jedoch weit über das hinaus. Ganze 22 Songs wurden es, in denen nicht nur Christian Krauß an den Keyboards zeigen durfte, dass ein Tasteninstrument auch nach den Zeiten von Jerry Lee Lewis noch Rock’n’Roll ist, und Frank Höflinger, wie lange ein Bass-Solo noch in den Körpern der Miterlebenden nachvibrieren kann. Spätestens am Ende des zweiten Sets, als das eingangs erwähnte Lied gespielt wurde, hatte sich die Band an die Grenzen des Möglichen gespielt, und das Publikum versank gerne in diesen harmonischen, mitreißenden Wogen aus Britpop, Country, Rock und vielem mehr. Und weil noch nicht ganz ertrunken, forderten die Gäste, die es trotz Bestuhlung doch nicht gänzlich auf selbigen halten konnte, eine Zugabe, von denen dann tatsächlich drei folgten. Wer bis dahin glaubte, auch die Band sei nach über zwei Stunden nicht mehr in der Lage, sich über Wasser zu halten, wurde überrascht. Denn was Ramshaw bei »What Star« da an Soul in seine Stimme legte, hätte bei allen, die nicht Zeugen waren, nur ungläubiges Kopfschütteln verursacht: »So eine Stimme nach zwei Stunden Livemusik!

Wer die Band bisher noch nicht erlebt hat, findet im Internet unter www.nick-ramshaw-band.com nicht nur weitere Informationen zur Band, sondern auch die nächsten Termine. Zum Beispiel im November in Nidda-Bad Salzhausen.



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