12. Dezember 2018, 20:41 Uhr

Aus Reichweins Kriegstagebüchern

12. Dezember 2018, 20:41 Uhr
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Von Edelgard Halaczinsky
Mitglieder des Heimatgeschichtsvereins präsentieren Bürgermeister Thomas Alber (2. v. l.) die neueste Ausgabe der Rosbacher Geschichtsblätter. (Fotos: lh/pm)

Es ist bereits die 34. Ausgabe der »Rosbacher Geschichtsblätter«, die der Heimatgeschichtsverein (HGV) wieder kurz vor Weihnachten der Öffentlichkeit vorstellte. Anlässlich des 120. Geburtstags von Adolf Reichwein und dessen 74. Todestags war das Hauptthema diesmal vorgegeben: die Kriegstagebücher des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers und Reformpädagogen, sowie seines Vaters Karl, der als Volksschullehrer in Rosbach tätig war.

Teil 5 der umfangreichen Aufzeichnungen von Vater und Sohn, die mithilfe von Mitgliedern des HGV von Sütterlin in das heute gängige Schriftbild übertragen worden waren, gibt Einblick in die Zeit vom 17. Januar 1918 bis zum 18. Mai 1919. Wie waren die Lebensumstände in der Heimat der Soldaten? Wer wurde eingezogen oder starb an der Front? Wie stiegen die Lebenshaltungskosten unter den Kriegsbedingungen, und welche Nachrichten kamen per Feldpostbrief in Rosbach an? Besorgnis und Hoffnung auf ein Wiedersehen waren ebenso dabei wie die Frage, wie unter den gegebenen Verhältnissen Ernten eingebracht oder die Frucht der Felder über den Winter gelagert wird.

Durch die Aufzeichnungen der Reichweins ist das Schicksal vieler Rosbacher Familien und deren Familienmitglieder über deren Lebzeiten hinaus dokumentiert und gibt seine Botschaft weit über die Stadtgrenzen hinaus preis. Eigenmächtige Verkäufe von Privateigentum und Beschlagnahmungen (zum Teil ohne Genehmigung der Militärbehörden), Streik um Lohnerhöhungen oder die Einrichtung einer freiwilligen örtlichen »Sicherheitswehr« werden thematisiert. In der Gefallenenhalle auf dem Ober-Rosbacher Friedhof wird immer noch der 40 gefallenen Rosbacher gedacht.

Ein völlig anderes Thema dreht sich um die Freilichtbühne von Ober-Rosbach, wo 1952 das Volksstück »Wetterliese« aufgeführt wurde. »Nach einem Bericht der Wetterauer Zeitung hat Georg Heß durch straffe szenische Gestaltung, klare Zeichnung der Charaktere und großartige Dialogführung ein Bühnenwerk von mitreißender Kraft geschaffen«, heißt es im Rückblick der HGV-Mitglieder Helga Schneider und Horst Pauly. Auch beim nächsten Beitrag über die Schutz- und Jagdhütten im Rosbacher Wald haben die beiden rund um den Bereich »Am Salzberg« gemeinsam recherchiert. Ob Kniebrech-, Rentner- oder Dörrhütte, ob Roter Stoß oder Kuhkopfhütte – auch das Jagdhaus an der Sausteigschneide haben sie besucht und Infos zusammengetragen.

Einem Gang über den alten und den neuen Friedhof von Nieder-Rosbach widmet sich Heinz Rahn in seinem eindrucksvoll bebilderten Beitrag, bevor sich das Duo Schneider/Pauly wieder mit dem Leben in Rosbach befasst: dem Lichtspieltheater der Familie Heck in der Friedberger Straße mit etwa 140 Sitzplätzen. Und einen weiteren Blick in die heutige Zeit wagt Dr. Volker Hoffmann mit seinem ausführlichen Bericht über die 120-jährige Geschichte des Nieder-Rosbacher Sportvereins und seiner Sportstätten.

Die neueste Ausgabe der Geschichtsblätter gibt es für 8 Euro bei der Metzgerei Simon in Nieder-Rosbach, im »LandMarkt« Simon. In Ober-Rosbach im Friseursalon Krämer, bei Haus- und Gartengeräte Monika Funk sowie im Bürgerbüro der Stadtverwaltung. Zudem ist eine DVD mit allen bisher erschienenen Ausgaben zum Preis von 38 Euro beim Heimatgeschichtsverein (E-Mail: kontakt@hgv-rosbach.de) zu haben. Hier sind für 4 Euro auch die Updates für bereits erworbene DVDs erhältlich.



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