Wetterau

Aus Freunden werden Gegner

Das Theaterensemble Radiks aus Berlin war zum zweiten Mal zu Gast an der Karl-Weigand-Schule. In ihrem neuen Stück »Wir waren mal Freunde« thematisierten die Schauspieler die Bedeutung von Respekt und Toleranz aber auch von Zivilcourage und sozialen Werten.
27. Februar 2019, 20:11 Uhr
Redaktion
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Mit bunter Kulisse, Kostümen und Requisiten bringt das Theaterensemble Radiks aus Berlin das Stück »Wir waren mal Freunde« auf die Bühne der Karl-Weigand-Schule. (Foto: pv)

Das Theaterensemble Radiks aus Berlin war zum zweiten Mal zu Gast an der Karl-Weigand-Schule. In ihrem neuen Stück »Wir waren mal Freunde« thematisierten die Schauspieler die Bedeutung von Respekt und Toleranz aber auch von Zivilcourage und sozialen Werten.

Ein Brand in einer im Bau befindlichen Asylunterkunft, bei dem ein Obdachloser in Lebensgefahr gerät, ist die Schlüsselszene für den Konflikt um vier junge Menschen, die einst Freunde waren und jetzt plötzlich zu Gegnern werden.

Joscha, der dem Obdachlosen das Leben rettet, seine Schwester Marion, die in Asylbewerbern eine Gefahr sieht, Heinz, der mit einer Gruppe Gleichgesinnter zu drastischen Maßnahmen greift und Melek, eine junge Muslimin, die selbst Ausländerin ist.

In dokumentarischen Szenen wird aufgezeigt, wie die Jugendlichen sich immer tiefer in Vorurteilen verstricken. Joscha verweigert bei der Polizei die Aussage, weil er glaubt, seine Schwester Marion habe mit dem Brandanschlag zu tun. Marion taucht für mehrere Tage unter und weigert sich, die ihr bekannten Täter zu nennen. Melek muss im Rahmen des Projektes »Deine Zukunft« eng mit Joscha zusammenarbeiten und kann nur sehr schwer ihren Stolz überwinden und das dafür notwendige Vertrauen aufbringen.

Die Schauspieler setzen die Rollen sehr authentisch und eindringlich um. Ohne Wertung werden die Standpunkte der einzelnen Personen präsentiert. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, wie die Lebensentwürfe junger Menschen unter dem Blickwinkel verschiedener sozialer und kultureller Herkunft aussehen können und ob es ohne Toleranz und Zivilcourage überhaupt eine Zukunft gibt.

Provokante Wortwahl

In der Schlussszene kommt in einem Streitgespräch zwischen den Geschwistern Marion und Joscha der Schulalltag und die dort erlebten Auseinandersetzungen zur Sprache. In eindringlicher und provokativer Wortwahl beschreibt Marion erlebte Kränkung als Deutsche und Joscha fordert unter dem noch frischen Eindruck der neu erwachten Zuneigung zu Melek Vertrauen und aufeinander Zugehen als Voraussetzung für friedliches Miteinander ein. Dieser Gegensatz, und die Tatsache, dass beide Standpunkte nachvollziehbar sind und ihre Berechtigung haben, lässt die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen der Karl-Weigand-Schule, die das Stück sahen, nachdenklich und mit einem geschärften Bewusstsein für die Komplexität des Zusammenlebens besonders auch im Schulalltag zurück. Die Fördermittel für die Finanzierung der Aufführung des Theaterstücks wurden vom Förderkreis der KWS bei »BUNTerLEBEN« über das Bundesprogramm »Demokratie leben!« des Bundesfamilienministeriums beantragt. Fachstellen-Leiterin Rochsane Mentes erklärte: »Wir wollen gerade junge Menschen durch die Projektarbeit erreichen und das Medium Theater ist dabei ein probates Mittel. Die Erlebnisse der Jugendlichen werden von den Schauspielenden aufgegriffen und so verbalisiert, dass sie sich damit identifizieren und die eigene Haltung reflektieren können.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Aus-Freunden-werden-Gegner;art472,557986

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