Zum 70. Mal fand am Sonntag die Tiershow im Rahmen des Herbstmarktes auf der Friedberger Seewiese statt. Und in diesem Jahr schien alles zu stimmen: Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und auch die Besucherzahl war rekordverdächtig.

»Bisher stand der Besucherrekord bei 4500. In diesem Jahr werden wir deutlich darüber- liegen«, freute sich Dr. Hendrik Kamps, Organisator und Moderator der Show. Angefangen habe alles mit einem Viehmarkt; und zwar von Profis für Profis. Kühe, Pferde, Schafe wurden zum Kauf angeboten oder auch getauscht. Als vor etwa 20 Jahren das Interesse spürbar nachgelassen habe - zu diesem Zeitpunkt besuchten gerade noch 600 Interessierte den Markt - habe der damalige Bürgermeister Michael Keller mit einem neuen Konzept das Ruder herumgerissen.

Seine Idee: den Viehmarkt zu einer Tiershow machen. Kein Fachmarkt für Landwirte, sondern ein Event für alle Bürger. Das Konzept ging auf, wie man am Sonntag wieder beobachten konnte. Vor allem Kinder erfreuen sich mittlerweile am Anblick von Kühen oder Pferde - so oft sieht man sie offenbar nicht mehr live. Auch Erwachsene kamen kaum aus dem Staunen heraus, als die Besitzerin mehrerer Milchkühe sie über das Gewicht der Tiere aufklärte: »Diese Milchkuh wird etwa 800 Kilogramm wiegen und dieser Bulle weit über 1000 Kilo.«

Lange Schlangen beim Reiten

Großes Interesse erregte auch die Vorführung von Kaltblütern, den klassischen Arbeitspferden. Irene Noll erklärte den um den Reitplatz stehenden Zuschauern die Unterschiede zwischen Holländern, Belgiern oder Schwarzwäldern - alles spezielle Züchtungen unter den Kaltblütern. Diese Pferdestärke ist längst durch moderne Maschinen ersetzt worden. Heute werden die Tiere wenn überhaupt noch in der Forstwirtschaft zum Bergen gefällter Bäume genutzt. Zum Freizeitvergnügen - vor Kutschen gespannt oder als Zirkuspferde - machten sich die gutmütigen Tiere aber noch gut, wusste Noll. Das Verhältnis Mensch-Tier habe sich in den vergangenen 100 Jahren entscheiden gewandelt, sagte auch Landrat Jan Weckler in seinem Grußwort zur Eröffnung.

Dass das Interesse bei den Kindern an Pferden und Ziegen weiterhin ungebrochen ist, bewiesen die langen Schlangen vor den Reitstationen. Auf den Pferden und den Ponys durften sie selbst sitzen, bei den Ziegen hingegen nur im Gespann mitfahren. Es gab bei der Show auch Exoten wie die zwei Lamas, deren Wolle die Besitzerin im Stand daneben zum Kauf anbot. Oder die Hühner, die mit ihrem pompösen Federkleid nur noch entfernt den Artgenossen von der Wiese ähnelten. Mitgebracht hatten sie die Ockstädter Geflügelzüchter.

Viel Interesse erweckten die Tierpräparate, die ein Forstwirt an seinem Stand aufgebaut hatte. »Das hier ist ein Biber, der jetzt immer häufiger wieder in unseren Flüssen anzutreffen ist und der mit seinen Burgen oftmals für Überschwemmung sorgen kann.« Das DRK bot in seiner Feldküche Kulinarisches an.

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