23. August 2018, 20:28 Uhr

Auf musikalischer Nordlandfahrt

23. August 2018, 20:28 Uhr
Das Quintett spielt Titel unter dem Motto »Nordbetont«. (Foto: gk)

Sonntagabend im Chor der Stadtkirche: Um 19 Uhr betreten fünf grünbehemdete junge Herren die Bühne und beglückwünschen das erschienene Publikum zur Teilnahme an einer virtuellen musikalischen Ostseerundreise (unter dem Motto »Nordbetont«) nach Helsinki, Stockholm, Kopenhagen und ins norwegische Bergen. Tubist und Moderator Nikolai Kähler verspricht – augenzwinkernd – unvergessliche Hörerlebnisse.

Schon bald stellt sich heraus, dass diese Verheißung kaum übertrieben ist. In den nächsten beiden Stunden werden sechs Kompositionen für Blechbläser bzw. Bearbeitungen vom frühen 19. bis ins späte 20. Jahrhundert erklingen. Der Bogen spannt sich vom deutsch-dänischen Tonsetzer Friedrich Kuhlau bis hin zu Bearbeitungen populärer ABBA-songs von Alan Fernie.- Bereits mit der Interpretation von »Butterfly« des Finnen Mia Makaroff demonstriert das Leipziger Ensemble (Lukas Stolz und Christian Scholz – Trompete; Andreas Grün – Horn; Sebastian Andrae – Posaune und Nikolai Kähler – Tuba) seine Kunst des perfekten Zusammen- bzw. Wechselspiels. Der sich aus seinem Kokon befreiende Schmetterling wird eindringlich beschworen; jedes Instrument hat gleichen Anteil am Klangreichtum dieser etwa fünfminütigen Miniatur. Es folgt Friedrich Kuhlaus 1828 entstandene Bühnenmusik »Elverhöj«. Feierlich, gravitätisch setzt die Ouvertüre ein, um im durchdringenden, strahlend hellen Klang von Chr. Scholz’ Piccolo-Trompete ihren Höhepunkt zu erreichen – großartig gespielt.

Was nicht nur bei Kuhlau, sondern in jedem vorgetragenen Stück auch dem Laien auffällt: Wie gut jedes einzelne Instrument mit seinem Part zu hören ist, ohne dass dies dem Zusammenklang, dem Gesamteindruck irgendwie abträglich wäre.

Die fünf Herren von »emBRASSment« musizieren auf Augenhöhe, spielen sich, um einen Vergleich aus der Welt des Fußballs zu bemühen, den Ball scheinbar mühelos, punktgenau zu. Es ist eine Lust, dem zuhören zu dürfen.

Die beiden »Peer Gynt«-Suiten des Norwegers Edvard Grieg aus den Jahren 1874/75 erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Die vier Stücke der 1. Suite in einer Bläser-bearbeitung zu hören, ist ein so ungewohntes wie faszinierendes Klangerlebnis. Sonnenaufgang in der Wüste (1. St.), Abschied von der sterbenden Mutter (2. St.), betörender Tanz der indischen Tempeldienerin Anitra (3. St.) und schließlich das unheimliche Treiben der Trolle im letzten Stück.

Auf Augenhöhe

Nach der Pause warten die Leipziger unter anderem mit Mogens Andresens drei norwegischen Tänzen auf. Hier überwiegt der Volkston – der zweite Tanz (»Tronderpols«) greift auf Liedgut der mittelnorwegischen Provinz Trondheim zurück. Im 1. Satz von Christer Danielssons »Konsertant suit« hat N. Kähler an der Tuba seinen großen Auftritt.

»The winner takes it all«; »She looks like an Angel«: Mit einem beschwingten Medley aus populären Songs der schwedischen Kultband ABBA endet der offizielle Teil eines wunderbaren Abends, einer Nordlandfahrt voller bleibender Eindrücke. Nicht enden wollender Applaus »erwzingt« eine Zugabe mit einem Stück von Friedrich Kuhlau. »Thank you for the music und seien Sie umarmt«, (um das schöne »emBRASSment«-Wortspiel zum guten Schluss aufzugreifen)!

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