30. Juni 2017, 20:13 Uhr

Auf den Leib geschrieben

30. Juni 2017, 20:13 Uhr
Markus Karger oder doch Martin Luther? Bisweilen verschwimmen bei dem begnadeten Schauspieler die Grenzen. (Foto: im)

»Iss, was gar ist. Trink, was klar ist. Sprich, was wahr ist«, donnerte der Reformator Prof. Martinus Luther (Markus Karger) von der Kanzel des Nieder-Mockstädter evangelischen Gemeindezentrums herab – und es geschah genau das, was auch zu Lebzeiten des streitbaren Theologen eingetreten war: Die Gäste zückten Papier und Stift und notierten sich den treffenden Ausspruch.

Einen Luther-Abend mit Auszügen aus den berühmten Tischreden des Wittenberger Hausherrn und einem Mahl gemäß dem Geschmack seiner Zeit hatte die evangelische Kirchengemeinde Mockstadt angeboten. Und kaum kam Pfarrer Manuel Eibach dazu, seine Begrüßung zu vollenden, als Professor Martinus schon das »Kirchlein des seligen Sprengels zu Mockstadt« betrat, das zwar über keinen Turm, dafür aber ein durchaus angenehmes Geläute, köstliche Düfte aus der hauseigenen Küche sowie am Ortseingang über ein weithin sichtbares leuchtendes »M« verfüge – womöglich zu seinen Ehren?

Derart mit Lokalkolorit als Vorspeise versehen, erhob man zunächst das Glas auf das 500-jährige Reformationsjubiläum, ließ sich Appetitanreger schmecken und lauschte sodann, was Markus Karger alias Martin Luther eingangs über die Welt und die Schöpfung, dann über Gott und Nächsten und schließlich über Mann und Frau zu verkünden hatte. Die von dem überregional bekannten Schauspieler und Regisseur sorgsam recherchierten und zusammengestellten Zitate schienen ihm auf den Leib geschrieben.

Vieles über den Missbrauch der Schöpfung, die Eigentümlichkeiten des Menschen, die Bedeutung von Bildung, Wissen, Hoffnung, Bescheidenheit, Voraussicht und Dankbarkeit rief Zustimmung hervor. Vor allem die lebenspraktischen und heute noch gültigen Ratschläge – viele davon längst in das Kulturgut und den Sprichwörterschatz eingegangen – fanden Anklang zwischen Gulasch mit Kraut und Weizengrütze, Birnenkompott und Luther-Keksen, so etwa: »Lieber Ratten im Keller als Verwandte im Haus.«

So wie man sich die Luther-Bonmots notiert hatte, so ließ man sich auch von Küchenchef und Kirchenvorstandsmitglied Heinz Geweth und den bewirtenden Kirchenvorstehern gern manches Geheimnis um die Rezepte dieses Abends verraten. Die musikalische Begleitung übernahmen Michael und Susanne Ludwig mit geistlichen Liedern von Luther und Tänzen aus seiner Zeit.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Düfte
  • Evangelische Kirche
  • Gulasch
  • Martin Luther
  • Papier
  • Ratten
  • Schöpfung
  • Theologinnen und Theologen
  • Vorspeisen
  • Zitate
  • Florstadt-Nieder-Mockstadt
  • Inge Mueller
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.