17. Juni 2019, 19:46 Uhr

Auf den Flügeln des Gesangs

17. Juni 2019, 19:46 Uhr
Bunt wie die Kleidung der Sängerinnen und Sänger und auch die Deko im Hallenbad ist auch das Programm beim Konzert »Von Gott bis Pop«. (Foto: gk)

Freitagabend in der voll besetzten ehemaligen Schwimmhalle des Alten Hallenbads: Mit Anton Bruckners 1869 komponierter Motette »Locus iste a deo factus est« (Dieser Ort ist von Gott erschaffen) erreicht der 40-köpfige Regenbogenchor binnen Kurzem die Herzen der in Scharen herbeigeeilten Zuhörer. In der Schlichtheit dieses kurzen Auftragswerks besteht seine ergreifende Wirkung. Was auf dieses gelungene Entrée folgt, ist ein beeindruckender Gang durch vier Jahrhunderte europäisch-afrikanisch-amerikanische Musikgeschichte - beginnend mit dem 1612 während der Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Matthias in Frankfurt verstorbenen Renaissancekomponisten Hans Leo Haßler bis hin zum psychedelischen Popklassiker »Riders on the storm« der Gruppe »The doors«.

Das macht den Erfolg aus

Unter dem launigen Motto »Von Gott bis Pop« präsentiert der von Michael Weber souverän geleitete Regenbogenchor ein stimmungsvolles Ensemble von geistlicher und weltlicher Musik unterschiedlichster Gattungen. Mit dem Vortrag des doppelchörigen »Jauchzet dem Herrn« aus der 1619 veröffentlichten Sammlung mit Psalmenvertonungen von Heinrich Schütz (*1585), dem bedeutendsten Tonsetzer des deutschen Frühbarock, erklimmen die Sänger/innen den Gipfel ihres Könnens. Das großartige polyphone Werk verlangt dem Chor ein Höchstmaß an präzisem Zusammenwirken, an Modulationsfähigkeit ab. Heftiger Zwischenapplaus belohnt diese Glanzleistung.

Hans-Leo Haßlers Motette »Cantate Domino« aus seinen 1591 veröffentlichten »Cantiones sacrae« zeichnet sich im Unterschied zur feierlichen Hochgestimmtheit bei Schütz durch schlichte, zarte Anmut aus. Auch hier trifft der Regenbogenchor den Zauberton. Besonders diesen beiden geistlichen Werken aus ferner Zeit setzt die exzellente Akustik der ehemaligen Schwimmhalle die Krone auf.

Wer kennt nicht das in der Interpretation von Elvis Presley unsterblich gewordene »Can’t help falling in love with you« oder das von Louis Armstrong verewigte »What a wonderful world«. Wahrlich, zwischen diesen Klassikern der Moderne und den Altmeistern der Renaissance liegen Welten. Nichtsdestotrotz fügt sich - dank der rhythmischen und stimmlichen Flexibilität der farbig gewandeten Damen und Herren - alles scheinbar wie von selbst. Den Bogen über Räume und Zeiten spannen, das heißt, Gemeinsames herausarbeiten, ohne dabei Unterschiede zu verwischen: Nicht zuletzt diese Fähigkeit trägt mit zum Erfolg des Chors bei. Zwei Stunden wie angewurzelt auf einer Stelle stehen, ist dessen Sache nicht. Kurz vor der Pause begibt man sich hinab zum Publikum, um den Kanon »Lazing in the summer sun« (in der Sommersonne faulenzen) einzustudieren.

In einer Märznacht des Jahres 1956 erblickt Georg Kreislers »Frühlingslied« in der Wiener Marietta-Bar das Licht der Welt. Die Interpretation dieser schwarzhumorigen Parodie auf das weinselige »Weanerlied« wird ein weiterer Höhepunkt des Abends im Alten Hallenbad.

»O Wimboweh, o Wimboweh, the Lion sleeps tonight«: Allein im Jahr 1961 wird dieser südafrikanische Evergreen über sechs Millionen Mal verkauft. Gemeinsam mit G. Rossinis Fastnachtsscherz »Il Carnevale di Venezia« und dem derb-obszönen Lands-knechtslied »Matona, mia cara« aus der Feder des Wallonen Orlando di Lasso ragt das Lied über den schlafenden Löwen in der zweiten Abendhälfte heraus. Nach heftigem Applaus verabschieden sich die Meister vom Regenbogen mit einer Hommage aufs Alte Hallenbad vom Publikum.

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