24. September 2016, 12:00 Uhr

Auf dem Weg zum Traumberuf Vorstrafen sind nicht erwünscht

Für Hamburg war sie zu klein, für Hessen gerade groß genug. Den Einstellungstest schaffte sie erst im zweiten Anlauf. Leicht war Yasmine Hirschs Einstieg bei der Polizei also nicht. Jetzt hilft sie anderen bei der Bewerbung. Als neue Einstellungsberaterin der Wetterauer Polizei akquiriert sie Nachwuchs, zeigt Anwärtern gute und weniger gute Seiten des Berufs auf.
24. September 2016, 12:00 Uhr
Im Dienst wurde sie schon beschimpft und angespuckt. »Das war alles andere als toll.« Trotzdem: Polizistin zu sein, ist Yasmine Hirschs Traumberuf. Für ihn zog sie von der Küste nach Hessen, inzwischen hat sie sich ans Leben ohne Meer gewöhnt. Die Ecke bei Marburg, in der sie sich niedergelassen hat, findet sie sogar wirklich »ganz herrlich«. Das gilt auch für den neuen Posten, den die 30-Jährige seit Kurzem innehat: Sie ist Einstellungsberaterin der Wetterauer Polizei. Zudem vertritt sie die dortige Pressesprecherin Sylvia Frech, wenn diese mal verhindert ist.
Polizei ist Ländersache. Es gibt die hessische Polizei und die bayerische, die Berliner und die Hamburger Polizei. Bei letzterer wollte Yasmine Hirsch eigentlich anfangen. Es scheiterte an wenigen Zentimetern. »Für die Einstellung bei der Hamburger Polizei muss man mindestens 1,65 Meter groß sein. In Hessen sind es 1,60 Meter«, sagt die 1,63 Meter große 30-Jährige.
2008 begann sie in Kassel das dreijährige duale Studium, danach ging es für die Oberkommissarin nach Frankfurt – Verkehrsdienst, Streife. Es folgte der Wechsel nach Bad Vilbel, wieder Streifendienst. Dann wurde ein Nachfolger für Einstellungsberater Erich Müller gesucht, dem die Pension winkte. Hirsch bewarb sich, bekam den Zuschlag, arbeitet jetzt in Friedberg. »Ich wollte mal etwas ganz anderes machen.« Statt für Recht und Ordnung auf den Straßen zu sorgen, kümmert sie sich nun um die Nachwuchsgewinnung, ist Ansprechpartnerin für Interessierte und Schulen sowie auf Berufsmessen. Zudem bietet sie monatlich einen Infotermin an.
»Mir ist wichtig, nicht nur die positiven Seiten des Berufs zu zeigen, sondern eben auch die negativen – um böse Überraschungen zu vermeiden.« Was gut ist am Polizistendasein? »Der Beruf ist sehr abwechslungsreich und spannend, man hat mit Menschen unterschiedlichster Art zu tun und kann verschiedenste Tätigkeiten ausüben – wie man an meinem Beispiel sieht.« Außerdem sei der Job sicher. Was schlecht ist? »In Konfliktsituationen kann der Bürger auch mal negativ auf die Polizei reagieren. Polizisten müssen außerdem oft schlechte Nachrichten überbringen. Und man sieht schlimme Sachen, etwa Unfallopfer.«
Potenzielle Bewerber informiert Hirsch über den Einstellungstest, denn der ist nicht ohne. »Ich selbst bin einmal durchgefallen«, erinnert sie sich. Allein ist sie mit diesem Schicksal nicht. In einem umfangreichen schriftlichen Test werden Konzentration, Intelligenz, Allgemeinbildung, Rechtschreibung und, und, und abgefragt. In einem Sporttest geht’s um Kraft, Ausdauer, Kondition und Schnelligkeit. Zudem werden Körpersprache und Verhalten während einer Gruppendiskussion geprüft, in einem Einzelgespräch geht’s dann noch um die persönliche Motivation, Polizist werden zu wollen. »Mein Tipp: Man sollte sich geistig und körperlich vorbereiten«, sagt Hirsch. »Außerdem sollte man nicht aufgeben, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Wenn man wirklich will, kann man es schaffen.«
Wer eine Karriere bei der hessischen Polizei anstrebt, hat im kommenden Jahr recht gute Aussichten, einen Studienplatz zu bekommen. Innenminister Peter Beuth kündigte vor wenigen Wochen an, 1155 neue Stellen sollten geschaffen werden – so viele wie nie und 570 mehr als ursprünglich geplant. Hintergrund ist unter anderem die steigende Terrorgefahr.
Doch nicht nur die Zahl der Stellen ist gestiegen, sondern auch die Zahl der Bewerber, berichtet Hirsch. Eine explizite Frauenquote gebe es nicht, es würden aber viel mehr Frauen eingestellt als noch vor einigen Jahren. Der Anteil der Frauen, die bei der Polizei in Hessen arbeiten, habe im Januar bei 22,9 Prozent gelegen. Männliche wie weibliche Polizisten von morgen sollten »Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Teamfähigkeit« mitbringen. Wichtig sei auch, dass man kommunikativ, durchsetzungsstark und empathisch sei.

Ein Gerücht macht die Runde

In der Wetterau ist Hirsch Einzelkämpferin. In anderen Direktionen, etwa Gießen oder Frankfurt, gibt es mehrere Einstellungsberater, die für die hessische Polizei in ihren jeweiligen Bezirken auf Nachwuchssuche gehen und die Anfragen potenzieller Anwärter beantworten.
Die 30-Jährige und ihre Kollegen anderer Direktionen arbeiten derzeit gegen das Gerücht an, der Einstellungstest sei einfacher geworden. Rechtschreibung werde nicht mehr geprüft, die Anforderung an die Mindestgröße sei heruntergesetzt worden. Hirsch: »Das ist definitiv nicht der Fall.«
Ein weiteres, regelmäßig auftretendes Problem: Viele Bewerber und Menschen aus der Bevölkerung hätten eine Art Tatort-Erwartung. »Das habe ich selbst erlebt. Oft denken die Leute, dass die Polizeiarbeit so abläuft wie im Krimi. Im Tatort mit Til Schweiger wird zum Beispiel fast jedes Mal geschossen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Jeder Polizist ist froh, wenn er nicht schießen muss«, sagt Hirsch, die ihre Waffe »zum Glück« noch nie abfeuern musste.
Um nach einem langen Arbeitstag abzuschalten, setzt Yasmine Hirsch auf eine Dreierkombination: »Partner, Tiere und Garten, das wirkt bei mir gut.«

Erreichbar ist Yasmine Hirsch unter Tel. 0 60 31/60 11 55 oder per E-Mail an einstellungsberatung.ppmh@polizei.hessen.de. Wer in Hessen den Polizeiberuf ergreifen möchte, braucht für den Einstieg Abi, Fachabi, eine Meisterprüfung oder einen vergleichbaren Abschluss, muss mindestens 1,60 Meter groß und darf weder zu leicht noch zu schwer und nicht älter als 32 Jahre sein. Wer vorbestraft ist oder in ungeordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, hat schlechte Karten. Anwärter sollten einen Führerschein haben. Bewerben können sich Deutsche und EU-Bürger sowie Bewerber aus Nicht-EU-Ländern. Letztere brauchen eine gültige Niederlassungserlaubnis und sollten mindestens fünf Jahre in Deutschland gelebt haben. Mehr Informationen zu den Voraussetzungen für den Polizeiberuf gibt es unter www.polizei.hessen.de. (lk) Yasmine Hirsch ist die neue Einstellungsberaterin der Wetterauer Polizei. Sie informiert potenzielle Bewerber über den Einstellungstest, der es in sich hat. (Foto: lk) “ Polizisten müssen oft schlechte Nachrichten überbringen „

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