16. Oktober 2018, 20:27 Uhr

Auf Spurensuche der deutschen Vergangenheit

16. Oktober 2018, 20:27 Uhr

Dass Pfadfinder mit ihren Rucksäcken die Welt bereisen, ist hinlänglich bekannt. Dass sich die Jugendlichen jedoch auch mit dem Zeitgeschehen beschäftigen, haben 28 Teilnehmer im Alter von 10 bis 24 Jahren in der ersten Oktoberwoche bewiesen. Die befreundeten Stämme der Grauen Biber aus Bad Vilbel und der Grauen Drachen aus Karben nutzen die noch angenehmen Temperaturen, um eine Woche im Werratal auf Spurensuche der deutschen Vergangenheit zu gehen. »Da reisen wir oft Hunderte von Kilometern und haben dabei das Schöne fast vor der Haustür«, sagte Thomas Rustler, der Stammesführer der Pfadfinder aus Burg-Gräfenrode, als er in Eschwege dem Zug entstieg.

Durch die hessische Schweiz führte der Weg die Gruppe ab dem zweiten Tag auf den ehemaligen Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen. Sichtlich beeindruckt von den Überresten der Grenze und dem »Grünen Band« waren insbesondere die jüngeren Teilnehmer, welche die Teilung Deutschlands bis dato nur aus den Geschichtsbüchern kannten. »Ich will dem Frieden dienen und mich für die Gemeinschaft, in der ich lebe, einsetzen«, lautet eine der selbst auferlegten Regeln und so konnten sich nach einigen Kilometern die Jungen und Mädchen in dem Grenzmuseum Schifflersgrund über sämtliche Details der Grenzziehung informieren, die Diktaturen verursacht hatte.

Die Jüngsten lauschen ungläubig

Trotz stundenlanger Wanderung bei Nieselregen unterhielten sich die Jugendlichen lange mit anwesenden Zeitzeugen und wollten mehr über die Situation währen der Teilung erfahren. Fast ungläubig lauschten die Jüngsten der Gruppe den Ausführungen einer Thüringerin und konnten sich kaum vorstellen, dass solche Gegebenheiten in nur rund 200 Kilometern Entfernung bestanden haben. Die Nacht wurde bei einer befreundeten Gruppe in Bad Soden-Allendorf verbracht, bevor es am nächsten Morgen mit dem Kanu auf der Werra in Richtung der Jugendburg Ludwigstein ging.

Da die Burg bei Witzenhausen seit rund 100 Jahren im Besitz der Jugendbewegung ist und sämtliche Erhaltungsarbeiten ehrenamtlich durchgeführt werden, war es für die Wetterauer eine Selbstverständlichkeit, spontan bei der Sanierung zweier Räume zu helfen. Für jede Hand gibt es in dem 600 Jahre alten Gemäuer eine passende Tätigkeit und so ist die Burg eine Begegnungsstätte und Treffpunkt für Pfadfinder und Wandervögel aus ganz Europa geworden. Nicht fehlen durfte auch der Besuch des Staatsarchivs der Deutschen Jugendbewegung, welches ebenfalls auf der »Lu« – wie die Burg liebevoll genannt wird – seine Heimat gefunden hat. Leider konnte hierbei nur ein sehr kleiner Teil der nahezu tausend Regalmeter begutachtet werden.

Viel zu schnell gingen die Tage vorbei und so sind sich viele Teilnehmer einig, dass sie nicht das letzte Mal auf der Burg bzw. im Werratal auf Fahrt waren. »Dass diese außerschulische Bildung so gut bei den Jugendlichen ankommt, freut mich ganz besonders«, sagte Christian Neuwirth, welcher die Organisation der Fahrt seit Januar geplant hatte. Die Pfadfinder sind abschließend sehr dankbar, dass die Partnerschaft des Wetteraukreises aus dem Projekt »Demokratie leben!«, gefördert durch das Bundesfamilienministerium, die Fahrt gefördert hat. Somit konnten alle interessierten Kinder an dieser Fahrt teilnehmen.

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