03. Juni 2019, 20:36 Uhr

»Aspirin hilft nicht jedem«

03. Juni 2019, 20:36 Uhr
Prof. Dr. Erwin Stolz, Prof. Dr. Tibo Gerriets, Privatdozentin Dr. Marlene Tschernatsch und Prof. Dr. Martin Berghoff (v. l.) haben referiert. (Foto: pv)

Über die Möglichkeiten zur medikamentösen Schlaganfallvorbeugung referierte anlässlich der jährlichen Ärzteweiterbildung zum Thema »Neurologie« Prof. Dr. Tibo Gerriets, Chefarzt der Schlaganfalleinheit am Gesundheitszentrum Wetterau (GZW). Er räumte dabei auch mit einem langlebigen Mythos auf: Nach neuesten Erkenntnissen ist Aspirin zur Prävention von Schlaganfällen häufig nicht geeignet.

Der Trend gehe hin zu einer individualisierten Therapie. Menschen unter 40 und über 70 bräuchten, sofern sie kerngesund seien, kein Aspirin zur Primärprävention. Die Nebenwirkungen seien zwar sehr gering, der Nutzen aber noch geringer. Wichtig sei die übergreifende Zusammenarbeit der Ärzte. Die Therapieschemata würden immer individualisierter und somit immer komplizierter, daher sei eine gute Zusammenarbeit zwischen Klinik- und Hausärzten sehr wichtig, so Gerriets.

Professor Erwin Stolz, niedergelassener Neurologe aus Frankfurt, brachte das Auditorium auf den neuesten Stand zum Thema »diabetische Polyneuropathie«, einer häufigen Komplikation der Volkskrankheit Diabetes mellitus. Diese chronische Nervenschädigung führe nicht nur zu tauben und teilweise brennenden Füßen, sondern oft auch zu Gangunsicherheit und Schwindel. Nicht selten sei auch das vegetative Nervensystem betroffen. Wichtig sei - neben der optimalen Einstellung der Blutzuckerwerte - aufmerksam zu bleiben, um mögliche andere Ursachen nicht zu übersehen, denn auch eine große Zahl weiterer internistischer Erkrankungen sei geeignet, eine Polyneuropathie auszulösen.

»Neues zur Multiplen Sklerose« ist ein fester Bestandteil der jährlichen Neurologiefortbildung, denn in kaum einem Bereich gäbe es einen so rasanten Fortschritt. Prof. Martin Berghoff, leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Gießen, berichtete über Vor- und Nachteile sowie die seltenen, aber gefährlichen Nebenwirkungen der zahlreichen neuen MS-Medikamente.

Lebensbedrohlicher Schwindel

Privatdozentin Dr. Marlene Tschernatsch referierte über das Thema Schwindel. Dahinter verbergen sich, so die Neurologin, zahlreiche unterschiedliche Erkrankungen, die häufig schwer zu diagnostizieren seien. Sehr unangenehm, aber in der Regel harmlos seien Schwindelerkrankungen, die im Innenohr entstünden. Allerdings bestehe eine hohe Verwechslungsgefahr mit seltenen Schwindelformen, die vom Gehirn selber ausgelöst würden. Diese seien oft sogar lebensbedrohlich und nicht selten Ausdruck eines Hirninfarkts.

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