12. April 2018, 11:00 Uhr

Misshandeltes Baby

Arzt: Zwei Rippen des Säuglings waren gebrochen

Sie will ihren Sohn zurück. Ob der Bub je wieder bei der 22-Jährigen leben wird, ist allerdings unklar. Sie steht vor Gericht. Der Vorwurf: schwere Kindesmisshandlung.
12. April 2018, 11:00 Uhr
Ein vier Monate altes Baby kommt mit Rippenbrüchen und Schädelblutungen in die Klinik. Jetzt wird der 22 Jahre alten Mutter des Jungen der Prozess gemacht. Sie streitet ab, den Säugling misshandelt zu haben und beschuldigt ihre eigene Mutter. (Symbolfoto: dpa)

Die zierliche Blondine starrte vor sich auf den Tisch. Wie schon an den beiden vorherigen Verhandlungstagen wirkte Fabienne F. (Name geändert) auch am Mittwoch, dem dritten Prozesstag, abwesend. Dabei wiegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die junge Frau schwer: Die heute 22-Jährige soll im Dezember 2016 in Rockenberg ihren damals knapp vier Monate alten Sohn Justin schwer misshandelt haben. Bei dem Kind wurden Knochenbrüche und eine Schädelblutung festgestellt. Außerdem war sein kleiner Körper übersäht von blauen Flecken. Nun hörte das Friedberger Gericht Ärzte, die den Jungen damals untersucht hatten.

 

Die Frakturen waren noch frisch

 

Eine Ärztin des Gießener Uniklinikums, die damals die MRT-Untersuchung ausgewertet hatte, sagte aus. Justins sechste und siebte Rippe auf der rechten Seite seien gebrochen gewesen. Es habe sich um frische Frakturen gehandelt, die noch nicht verknöchert gewesen seien. »Wir vermuten, dass die Fraktur am Samstag vor der Untersuchung entstanden ist. Ist das zeitlich möglich?«, wollte Oberstaatsanwältin Yvonne Vockert wissen »Ja«, antwortete die Ärztin.

Bereits während der beiden vorangegangenen Prozesstage hatten Angehörige der Angeklagten geschildert, dass Justin sich an jenem Tag heftig übergeben habe.

 

Weitere Zeugen sollen gehört werden

 

Ein junger Arzt hatte sich mit den MRT-Bildern von Justins Kopf beschäftigt. Er berichtete von einem sichelförmigen Hämatom im Stirnbereich. »Die Gehirnentwicklung von Kindern ist noch nicht abgeschlossen, es gibt viel Platz im Kopf.« Platze oder reiße eine Vene, komme es zu einer Einblutung. Wie und wann es zu Justins Verletzung gekommen sei, dazu könne er nichts sagen.

In eine ähnliche Richtung gingen die Zeugenaussagen zweier Augenärztinnen. Zwar hatten beide Netzhautblutungen bei Justin festgestellt, die Ursache dafür konnten sie allerdings nicht benennen.

Kaum Erkenntnisgewinn also für Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die Prozessbeteiligten beschlossen, weitere Zeugen hören zu wollen. Ein Oberarzt der Radiologie soll eine Art Kurzgutachten zu den Verletzungen abgeben. Der Polizist, der hauptsächlich die Ermittlungen in dem Fall geführt hatte, soll gehört werden. Ebenso der Psychotherapeut, bei dem sich Fabienne F. aktuell in Behandlung befindet.

 

Kindsvater sitzt im Gefängnis

 

F. bestreitet, für Justins Verletzungen verantwortlich zu sein. Sie vermutet, ihre Mutter – zu der sie ein schlechtes Verhältnis hat – habe die Tat begangen. Die Angeklagte lebt inzwischen nicht mehr bei ihren Eltern in Rockenberg. Dort war sie laut eigener Aussage nach Justins Geburt nur eingezogen, um das Baby behalten zu können. Sie war zuvor ohne festen Wohnsitz, fürchtete ihren Sohn abgeben zu müssen. Der Kindsvater sitzt eine Gefängnisstrafe ab. Justin selbst wurde nach seiner Behandlung in der Klinik in Obhut genommen, lebt seither in einer Pflegefamilie. Der Prozess wird fortgesetzt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bluterguss
  • Brüche
  • Kindesmisshandlung
  • Oberärzte
  • Pflegefamilien
  • Psychotherapeuten
  • Radiologie
  • Staatsanwaltschaft
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Zeugen
  • Rockenberg
  • Laura Kaufmann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen