04. Mai 2017, 20:13 Uhr

»Arbeit entscheidet über gesellschaftliches Leben«

04. Mai 2017, 20:13 Uhr
Diskutieren die Entwicklung der Arbeit (v. l.): Bernhard Wiedemann, Wolfgang Dittrich und Volkhard Guth. (Foto: pv)

Wie sich Arbeit und der Arbeitsmarkt in der Wetterau entwickeln war Thema eines Gespräches von Dekan Volkhard Guth und Wolfgang Dittrich, Referent für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat mit dem Leiter des Jobcenters Bernhard Wiedemann.

Arbeit gelte als wesentlicher sinnstiftender Faktor im Leben – und das hat evangelische Wurzeln – »mit allen guten Seiten und allen Schattenseiten«, eröffnete Dekan Guth das Gespräch im Friedberger Erasmus-Alberus-Haus. Ob ein Mensch Arbeit habe oder nicht entscheide weitgehend über seine Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Und: Wer arbeite, müsse auch davon leben können.

Das könnten zurzeit viele Menschen in der Wetterau, berichtete Wiedemann. Er verwies auf die extrem niedrige Arbeitslosigkeit. Auch bei den Langzeitarbeitslosen seien die Zahlen bis vor Kurzem rückläufig gwesen, jetzt allerdings sei ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Ein spezielles Problem im Frankfurter Speckgürtel sei die »Kaufkraftarmut«, die durch die hohen Lebenshaltungskosten entstehe. »Ich kann in Nordhessen mit einem Einkommen als Geringverdiener ganz gut leben, während das im Rhein-Main-Gebiet schwieriger ist.«

Im Speckgürtel deutlich teurer

Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarktmarkt- und Berufsforschung müsse in Ballungsräumen ein Alleinstehender ca. 1500 Euro brutto – also über Mindestlohn – verdienen, um ohne Zusatzleistungen auszukommen. Zurzeit erhalten über ein Viertel der Leistungsempfänger ergänzende Leistungen – davon sind die meisten Alleinerziehende.

Kritisch verwies der Dekan auf den Wegfall des dritten Arbeitsmarkts. Es gebe nach wie vor viele Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie könnten mit ihren Möglichkeiten durchaus etwas zur Gesellschaft beitragen. Einig waren sich daher alle Gesprächspartner, dass es auch für diese Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, Beschäftigungsmöglichkeiten geben müsse.

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