22. Juli 2018, 19:43 Uhr

App für gefiederte Freunde

Taubenzüchter gelten bisweilen als antiquiert. »Das sind alte Männer, die Tauben züchten«, hört man oft. Dem steht eine Erfindung entgegen, die auch in Ockstadt für Begeisterung sorgt.
22. Juli 2018, 19:43 Uhr
Wer ein Zuchtbuch für seine Tauben führt, weiß, wie viel Aufwand dafür nötig ist. Die App soll den bürokratischen Aufwand verringen und das Hobby Taubenzucht für junge Menschen attraktiver machen. (Symbolfoto: dpa)

Jeder organisierte Taubenzüchter ist verpflichtet, für jede seiner Tauben ein eigenes Zuchtblatt in einem Zuchtbuch zu führen. Darin werden unter anderem die Taubeneltern und -großeltern festgehalten. Anhand der Standardbeschreibung des Bundes deutscher Rassegeflügelzüchter werden Farbenschlag, Figur und Standhöhe der Schwingen ebenso im Zuchtbuch dokumentiert wie das Datum des Geleges und vieles andere mehr, wozu auch die Beringung der jungen Tauben zählt.

Thomas Müller, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Ockstadt, führt seine Zuchtbücher nach Jahrgängen geordnet. Doch damit ist in diesem Jahr Schluss. Nach der Jahreshauptversammlung des Sondervereins »Voorburger Schildkröpfer«, dem 140 Züchter der holländischen Taubenrasse aus ganz Deutschland, einigen Nachbarländern und sogar den USA angehören, hat sich Müller die neue Tauben-App auf sein Smartphone geladen.

 

In der Testphase kostenlos

 

Auf Einladung Müllers hatte sein Zuchtfreund Dominik Kobinger aus Burgholzhausen die von ihm gemeinsam mit seinem Freund Sascha Ockel entwickelte App bei der Versammlung im Ockstädter Bürgerhaus vorgestellt. Die App befindet sich aktuell in der Testphase und ist daher noch kostenlos. »Änderungen und Anregungen nehmen wir gerne entgegen«, sagt Kobinger, der als Software-Architekt im IT-Bereich einer Versicherung arbeitet. Der 28-Jährige, der schon in seiner Jugend Tauben gezüchtet hatte und nach seinem Studium wieder damit begann, hatte seinem Freund Ockel erzählt, dass er eine Alternative für das umfangreiche Führen eines Zuchtbuches suche.

Die meisten Menschen nutzen täglich ein Smartphone, und so reifte bei den beiden Burgholzhäusern die Idee, eine Tauben-App zu entwickeln. »Ich habe sie überwiegend programmiert, Sascha macht mehr das Organisatorische«, erzählt Kobinger, dessen Freund gerade sein Wirtschaftsingenieurstudium beendet und die Tauben-App als Projekt für seine Bachelor-Arbeit ausgewählt hat.

Unter dem Titel »Zuchtbuch war gestern – Tauben-App ist heute« präsentieren die beiden ihr Projekt, mit dem sie Züchter, Vereine und Verbände miteinander vernetzen und »eine gemeinsame Kommunikationsbasis zum Austausch von Informationen« schaffen wollen, erklärt Kobinger.

Vorrangig soll mit der App das Zuchtbuch digitalisiert werden. Doch die Tauben-App kann noch viel mehr. Neben einer übersichtlichen Darstellung aller vorhandener Tauben, einschließlich der Verknüpfung zu Eltern- und Jungtieren, sowie den Ausstellungsergebnissen können Zuchtpaare angelegt werden, um so unter anderem eine Übersicht des Zuchtverhaltens der Tiere zu erhalten. »Wir wollen mit der Tauben-App die Organisation und Verwaltung rund um die Taubenzucht einfacher machen und diese vor allem für Jugendliche attraktiver und zugänglicher machen«, sagt Kobinger, der dem Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Burgholzhausen angehört.

In der derzeitigen Testphase kann jeder Züchter die Tauben-App kostenlos herunterladen, so wie es Müller und um die 40 seiner Mitstreiter bereits getan haben. »Ich fange jetzt an, alle Daten meiner Tauben einzugeben, dann brauche ich das Zuchtbuch nicht mehr«, freut sich der Ockstädter. Dieser Tage haben die beiden Tauben-App-Erfinder den Verband deutscher Rassetaubenzüchter über ihre Idee informiert. Kobinger zeigt sich überzeugt: »Die Tauben-App wird sich durchsetzen.«

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