13. August 2018, 05:00 Uhr

Faule Ausreden

Anzeigetafeln: Das X ist das Hindernis

Das rote X leuchtet auf der Anzeigetafel auf der A 5, es zeigt an, dass eine Spur für den Verkehr gesperrt ist. Viele ignorieren das Signal.
13. August 2018, 05:00 Uhr
Auf der A 5 hat es gekracht. Das rote X auf der Schilderbrücke zeigt an: Die linke Spur ist gesperrt. Viele Fahrer halten sich an das Verbot, andere ignorieren es kurzerhand. (Foto: pv)

Autobahnpolizei

Hessens größte Autobahnstation befindet sich in Butzbach: Vom Bad Homburger Kreuz bis nach Homberg, von Altenstadt nach Haiger – das Arbeitsgebiet der Polizisten umfasst über 190 Autobahnkilometer. Was genau die Mitarbeiter tun? Die WZ hat nachgefragt.


Ich habe das gar nicht gesehen.« Diese Ausrede von Autofahrern, die beim Befahren einer gesperrten Autobahnspur erwischt wurden, bekommt Nicole Rodrigues Fonseca immer wieder zu hören. Die 37-jährige Streifenbeamtin bei der Butzbacher Autobahnpolizei erzählt: »Oder die Leute sagen, sie wüssten nicht, was das rote X bedeutet.«

Die zweite Ausrede lässt Rodrigues Fonseca zumindest ein bisschen gelten. Schließlich habe man es früher in den Fahrschulen landauf, landab tatsächlich folgendermaßen gelernt: »Man fährt vor bis zum Hindernis und ordnet sich dann im Reißverschlussverfahren ein.« Früher, da gab es schließlich noch keine Schilderbrücken, auf denen das rote X hätte aufleuchten können. Heute gilt: Das rote X, das den offiziellen Titel »Dauerlichtzeichen rot gekreuzter Schrägbalken« trägt, stellt selbst das Hindernis dar. Also kein Reißverschlussverfahren, sondern die Spur sofort wechseln. »Ich sage zu den Leuten immer, sie sollen sich vorstellen, dass eine Mauer auf die Straße fällt«, sagt die Polizistin.

Das rote X wird immer dann von der Verkehrszentrale Hessen Mobil auf eine Schilderbrücke geschaltet, wenn es gefährlich ist, eine Spur zu befahren. Etwa, weil sich dort ein Unfall ereignet hat oder eine Baustelle befindet – oder Teile liegen, die weggeräumt werden müssen. Die kommende Sperrung wird laut Rodrigues Fonseca bereits auf der vorherigen Schilderbrücke durch einen Pfeil angezeigt. »Wenn man den sieht, sollte man anfangen, die Spur zu räumen.« Missachtet man das rote X, wird es teuer: Fahrer müssen 90 Euro zahlen und bekommen einen Punkt. Im Fall einer Gefährdung noch mehr.

Vor einigen Monaten mussten nach einem Unfall auf der A 5 zwischen Friedberg und Frankfurt zwei Spuren gesperrt werden. Rodrigues Fonseca notierte in einer halben Stunde über 150 Verstöße. »Wir lassen das Signal doch nicht zum Spaß schalten«, ärgert sich die 37-Jährige. Es sei »äußerst unangenehm, wenn wir an einer Unfallstelle stehen und die Autos rauschen uns direkt am Hintern vorbei«.

Was der Polizistin in den vergangenen Jahren aufgefallen ist: Werde die linke Spur gesperrt, interessiere das viele nicht. »Sie fahren einfach weiter.« Werde die rechte Spur gesperrt, klappe es viel besser. »Nach links fahren viele anscheinend gerne freiwillig«, sagt sie augenzwinkernd.

Doch nicht immer ist für den Otto-Normal-Fahrer ersichtlich, warum das rote X aufleuchtet – und vor allem, warum so früh, wenn ein Blick genügt um zu sehen, dass die Autobahn frei ist. Rodrigues Fonseca erklärt: »Die Schilderbrücken stehen auf der A 5 einen bis eineinhalb Kilometer auseinander. Wenn eine Unfallstelle beispielsweise knapp vor einer Anzeigetafel ist, wird das rote X entsprechend früher geschaltet.« Eine andere Möglichkeit: Die Polizei bekommt gemeldet, dass Teile auf der Straße liegen und lässt das X schalten. »Und dann stellen wir beim Abfahren der Strecke fest, dass dort gar nichts liegt.«

Obwohl einige das Signal ignorieren: Der Großteil der Fahrer reagiere richtig. »Alleine deswegen, weil zeitgleich auch immer das Tempo reduziert wird.« Ein Argument, warum es sich lohnt, die Spur rechtzeitig zu räumen: »Es gibt weniger Stau.« (Foto: lk)

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