16. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Neuer Bürgermeister

Antkowiak mit Swing und fast ohne Zwischentöne ins Amt eingeführt

»Noch-Bürgermeister« übergibt an »Bald-Bürgermeister«: In Friedberg hat Dirk Antkowiak aus den Händen seines Vorgängers Michael Keller die Ernennungsurkunde entgegengenommen.
16. Dezember 2017, 12:00 Uhr
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Von Jürgen Wagner

Ernannt, verpflichtet und vereidigt ist er, der neue Bürgermeister. Aber darf sich Dirk Antkowiak (CDU) jetzt schon Bürgermeister nennen? Ein designierter (für ein Amt vorgesehener) Bürgermeister »in spe« (in der Hoffnung) war er, gewählt ist er sowieso, und da Michael Keller (SPD) seinen Resturlaub angetreten hat, ist Antkowiak schon mal amtierender Bürgermeister. Offiziell beginnt seine Amtszeit am 8. Januar, bis (mindestens) 2024 regiert er die Kreisstadt.

Es war eine aus dem Rahmen fallende Stadtverordnetensitzung. Aber die Ehrengäste zwei Stunden lang mit Haushaltsreden zu malträtieren und die Einführung des Bürgermeisters ans Ende der letzten (ohnehin mit Themen vollgepackten) Parlamentssitzung zu hängen, das fand Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (CDU) würdelos. Er führte am Donnerstag im Plenarsaal des Friedberger Kreishauses mit Charme und Humor durchs Programm, in dessen protokollarischem Mittelpunkt die Antrittsrede des neuen Bürgermeisters stand.
 


 

Grüne Zwischentöne

In wenigen Schlaglichtern stellte Antkowiak seine Schwerpunkte vor: Kaiserstraßen-Neugestaltung und Stärkung des heimischen Handels, Entwicklung des Kasernengeländes, moderne Verwaltung und Stärkung des Ehrenamtes. »Der Schutz der Händler gegen die Ansiedlung von Großgewerbe mit innenstadtrelevanten Sortimenten ist unabdingbar«, sagte Antkowiak und sprach von »großen Fußspuren«, die seine Vorgänger hinterlassen hätten. Alleine wolle er die nicht füllen, er verstehe sich als »Teamplayer«.

Was das heißt, dafür gaben er und Keller gleich ein Beispiel. Wer von den beiden sollte die Amtskette tragen? »Noch« oder »Bald«? Antwort: Beide gemeinsam präsentierten sie die schmucke Kette (die übrigens exakt drei Tage älter als Antkowiak ist) den rund 400 Gästen. Darunter waren Familienangehörige, Freunde, Politiker, Bürgermeister der Nachbarkommunen, Vertreter der Kirchen, der Wirtschaft und des sozialen Lebens sowie Gesandtschaften der Partnerstädte mit den Bürgermeistern Jacques-Alain Benisti (Villiers-Sur-Marne) und Jorge Faria (Entroncamento) an der Spitze.
 

Marvin Dorfler Big Band spielt Swing

Im Zuschauerraum sah man Uniformträger (Feuerwehr), Narrenkappen (VFCG) und saloppe Strickpullover (Grüne). Apropos: Für Verwunderung sorgten die Grünen, weil sie ebenso wie die Linke auf ein offizielles Grußwort verzichteten, als die Reihe an den Fraktionsvorsitzenden war. Er habe dem Bürgermeister persönlich gratuliert, meinte Florian Uebelacker. Das müsse man nicht verstehen, hieß es aus den anderen Fraktionen. Dabei trugen die Grußworte wesentlich zum Unterhaltungswert des Abends bei.

Stadtbrandinspektor Michael Stotz überreichte Antkowiak, der nun Chef der Feuerwehr ist, Brandschutzjacke und Helm, die Karnevalisten der VFCG überreichten mit dreifachem Helau den Orden der Saison. Der Rest war Musik. Die bestens aufgelegte Marvin Dorfler Big Band unter der Leitung von Hans Eckhardt begeisterte mit Swing und Schwung. Stefan Spielberger, Renate Ganz-Bopp und Bettina Skottke am Mikro zauberten mit Hits wie »Skyfall« von Adele oder »Baby, it’s cold outside« von Meredith Foster (und es war wirklich kalt draußen) eine vorweihnachtliche Wohlfühl-Atmosphäre in den Plenarsaal. Fazit: Stadtverordnetenversammlungen mit Musik sind wesentlich unterhaltsamer als ohne, auch fallen dann die Zwischentöne nicht so auf.

 

Infokasten

Mehr als nur ein Marathonlauf

Oswin Veith (CDU) verriet in seinem Grußwort, seine angeschlagene Stimme habe nichts »mit einem überhöhten Alkoholkonsum deutscher Bundestagsabgeordneter« zu tun, sondern mit der »aktuellen Virenlage«. Kreisbeigeordneter Jan Weckler (CDU) empfahl dem Kollegen, er solle sich die Namen seiner Frau und seiner Kinder gut merken, die bekomme er jetzt nicht mehr oft zu Gesicht. Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, widersprach Antkowiak, der hinsichtlich der neuen Aufgabe von einem »Marathonlauf« gesprochen hatte: »Es wird ein Iron Man.« Bei »leichten Sonnenkönigs-Anfällen« würden ihn die Stadtverordneten aber sicher auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

 



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