17. Oktober 2019, 17:00 Uhr

Mann muss ins Gefängnis

Anruf, Drogen und brutale Rache: Wetterauer Fall vor Gericht

Um Gewalt mit dem Baseballschläger, um Drogen und einen anonymen Anruf ging es in einem Fall vor dem Friedberger Schöffengericht. Ein junger Mann muss jetzt ins Gefängnis.
17. Oktober 2019, 17:00 Uhr

Durch Verrat, anonyme Anzeigen, falsche Anschuldigungen, Missgunst bei immer demselben Hintergrund, nämlich illegalem Drogenhandel, haben sich vier junge Leute aus der Wetterau zum Teil deftige Gefängnisstrafen eingehandelt.

Einst seien sie gute Kumpels gewesen, der 26-jährige Hauptangeklagte Josef L. (alle Namen von der Redaktion geändert) und das 26-jährige Opfer Ali M. Doch am 12. Dezember 2018 sei es durch einen anonymen Anruf bei der Polizei zum Bruch gekommen. L. habe dem minderjährigen Bruder seines Freundes Drogen verkauft und überhaupt könne man bei L. jede Droge kaufen, die man nur wolle, soll M. behauptet haben. Das Freundschaftsband zwischen L. und M. war zerschnitten. Die sofort eingeleiteten Ermittlungen der Polizei lösten bei L. Wut und den Drang nach Rache aus. Bewaffnet mit einem Baseballschläger zog L. mit seiner 29-jährigen Freundin Anne B. und ihrem 26-jährigen Bekannten Ernst F. zwei Tage später abends zu Ali M. und schlugen ihn brutal zusammen, sodass dieser anschließend wegen schwerer Kopfverletzungen im Krankenhaus behandelt werden musste.

Drogen für Freundschaftsdienst

Zwei Wochen später »packte« Ali M. bei der Polizei aus und beschuldigte L. des Drogenhandels im großen Stil. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt bereits ein zweiter anonymer Hinweis bei der Polizei eingegangen, bei dem auch M. des Drogenhandels bezichtigt wurde. Durch die daraufhin angeordnete Telefonüberwachung der beiden anonym Beschuldigten geriet auch der vierte Kumpel, der 26-jährige Peter H. aus Bad Vilbel, ins Fadenkreuz der Polizei. Der hatte sich nämlich gegen einen Bro-Bonus (verbilligte Droge für einen Freundschaftsdienst) bereit erklärt, L. im April 2019 nach Frankfurt zu fahren, damit dieser dort Kokain von seinem Dealer übernehmen konnte. H. will davon nichts gewusst haben.

Marihuana-Plantage entdeckt

Auf der Rückfahrt stoppte die Polizei sein Fahrzeug kurz vor Bad Nauheim und fand nicht nur im Wagen die mitgeführten Drogen, sondern auch in L.s Wohnung erhebliche Mengen, zum Teil schon fertig in Tütchen sowie eine Marihuana-Plantage mit 17 Pflanzen und den zur Aufzucht notwendigen Apparaten in dessen Keller. Seine Freundin Anne B. soll ihm beim Verkauf der Drogen aus der Wohnung heraus behilflich gewesen sein.

Das Quartett musste sich nun Anfang der Woche vor dem Friedberger Schöffengericht wegen des illegalen Drogenbesitzes und -handels sowie - mit Ausnahme des »Chauffeurs« H. - auch der gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Als Zeuge stand dabei allerdings dem Gericht lediglich das Opfer Ali M. zur Verfügung. Der berichtete sehr temperamentvoll und gestenreich von dem überraschenden Überfall und den schweren Verletzungen, die ihm seine einstigen Kumpels zugefügt hätten. Darüber hinaus äußerte er die Vermutung, dass der anonyme Hinweis an die Polizei von L. stamme und dass er aus Rache erfolgt sei, weil M. sich in der Bad Nauheimer Drogenszene auskenne und ihn deshalb nicht vor dem ersten Tipp an die Polizei Anfang Dezember gewarnt habe.

Fast alle Strafen auf Bewährung

Da die vier Angeklagten allesamt ihre Aussage zu dem eigentlichen Geschehen verweigerten und ihre Anwälte später auch lediglich den Drogenhandel einräumten, alle übrigen Taten aber abstritten, war das Gericht auf die Aussagen der Polizei angewiesen. Und die waren eindeutig.

Das Gericht folgte daher der Auffassung der Staatsanwaltschaft und verurteilte die Angeklagten L. und H. wegen gemeinschaftlich begangenen illegalen Drogenhandels und die Angeklagten L., F. und B. wegen gefährlicher Körperverletzung zu Gefängnisstrafen. Beim Hauptangeklagten L. sind es drei Jahre und sechs Monate, für Mittäter F. zwei Jahre und für die Freundin B. und den »Chauffeur« H. jeweils sechs Monate und eine Geldstrafe von 500 Euro. Mit Ausnahme des Hauptangeklagten L. wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt. L. und F. müssen sich darüber hinaus einem Drogenentzugsprogramm unterwerfen.

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