01. April 2019, 19:00 Uhr

Polizei passiv

»Anglühen« der Tuning-Freunde: Perlen zwischen Alltagsblech

Die besten Jahre der Tuning-Freunde in Nieder-Mockstadt sind vorbei. Ein paar Schmuckstücke gibt es bei der von den Teilnehmern einst »Anglühen« getauften Saisoneröffnung aber noch zu sehen.
01. April 2019, 19:00 Uhr
Hingucker: ein Porsche 911 GT3 und ein GT3 RS für rund 200 000 Euro stehen neben der Tankstelle im Gewerbegebiet.

Legten einst hunderte, teilweise aufwendig umgebaute Fahrzeuge das Gewerbegebiet Nieder-Mockstadt lahm, so dass sich die Polizei zu massivem Einschreiten gezwungen sah, kamen am Sonntagabend nur maximal 70 Autos zu dem inoffiziellen Treffen.

Die Tradition des Treffens beruht auf dem Saisonkennzeichen, mit dem viele der umgebauten Autos zugelassen sind. Um sie nicht dem Winter – mit schlechter Witterung, Salz auf den Straßen und erhöhter Unfallgefahr – auszusetzen, werden die Liebhaberfahrzeuge oft nur von April bis Oktober genutzt. Entsprechende Monatszahlen auf dem Kennzeichen zeigen den Zulassungszeitraum an.

 
Fotostrecke: Anglühen 2019 in Nieder-Mockstadt

Vor elf Jahren fiel im Gewerbegebiet Nieder-Mockstadt erstmals eine Vielzahl solcher getunten Fahrzeuge auf, die sich zwischen Schnellrestaurants und Tankstelle trafen. Während manche nur das gemeinsame Hobby pflegten und über Projekte, Umbauten und technische Details plauderten, meinten andere, zeigen zu müssen, welche Leistung ihre Autos haben. Dabei beließen sie es nicht dabei, die Motoren im Stand hochdrehen zu lassen. Sie fuhren zwischen Tankstelle und Schnellrestaurant immer wieder stark beschleunigend auf und ab. Dies führte in den Folgejahren zu massiver Polizeipräsenz. In den Hochzeiten standen mehrere Dutzend Polizisten bereit, um an taghell ausgeleuchteten Kontrollstellen Fahrzeuge zu überprüfen. Dabei wurden auch immer wieder Autos stillgelegt.

Von all dem ist, trotz bestem Wetter an diesem Abend nicht mehr viel zu spüren. Mit weniger als zehn Beamten ist die Polizei vor Ort. Der Verkehrsdienst, bei dem sich Spezialisten mit den Grenzen des Erlaubten bei Umbauten auskennen, fehlt diesmal ganz. So beobachten die Ordnungshüter das Geschehen im Wesentlichen aus der Distanz.

 

Teure Felgen, rostiger Radlauf

Dabei sind durchaus Fahrzeuge dabei, auf die ein genaueren Blick gelohnt hätte: Ein VW Polo, natürlich mit dauerleuchtenden Blinkern, sitzt beim Verlassen der Tankstelle mit dem Auspuff auf. Der Eigentümer hat es hörbar mit dem Tieferlegen des Fahrwerks übertrieben. Noch ärger ist ein BMW E36-Touring tiefergelegt. Selbst auf dem ebenen Tankstellengelände hört man immer wieder, wie der Auspuff die Fahrbahn berührt. Die teuren Felgen und Reifen stehen in Kontrast zu den rostigen Radläufen, die durch das ruppige Herausziehen, um Platz für die Räder zu schaffen, Schaden genommen haben. Trotzdem zeigen die Außenseiten der Reifen, dass sie immer wieder während der Fahrt die Radhäuser berühren.

Solche Extremumbauten sind bei dem Treffen allerdings die Ausnahme. Sehr viele Fahrer begnügen sich offenbar weitgehend mit dem Serienzustand und beschränken sich bei der Modifikation auf größere Felgen und breitere Reifen. Immer wieder fallen auch Autos auf, die entgegen dem eigentlichen Anlass des Treffens, Liebhaberautos zu präsentieren, eher ungepflegt wirken.

Aber es gibt auch die Gegenbeispiele wie das mit viel Geld und Liebe zum Detail hergerichtete Golf I Cabriolet. Auf der Persenning, mit der das Verdeck geschützt ist, steht »Erdbeerkörbchen«, der Spitzname des Modells. Auch ein über 50 Jahre alter Ford Mustang ragt aus der Masse des Alltagsblechs heraus. Am Rande des Treffens parken auf der Straße zwei echte Preziosen. Ein Porsche 911 GT3 für rund 160 000 Euro Neupreis und ein GT3 RS für rund 200 000 Euro. Die Fahrer sind von der Lahn zum »Anglühen« gekommen. Aber auch sie sind über die Abwärtsentwicklung des Treffens enttäuscht.

Sylvia Frech, Pressesprecherin der Polizei in Friedberg, bestätigt, dass in den letzten Jahren immer weniger Teilnehmer zum Anglühen nach Nieder-Mockstadt kommen. Die Beamten schätzten diesmal zur Spitzenzeit rund 70 Fahrzeuge und etwa 200 Teilnehmer. Mit fünf Anzeigen fiel die Zahl der Beanstandungen in diesem Jahr entsprechend gering aus. Doch hätten die Beamten Fahrer, die sich besonders auffällig verhielten, ausdrücklich auf die Einhaltung der Verkehrsregeln hingewiesen.

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