04. November 2019, 14:00 Uhr

Spitzenfrauen

Angelika Freier ist selbstbestimmt und motiviert

Aller Anfang ist schwer. Als Angelika Freier mit 30 Chefin des Familienunternehmens wurde, war sie quasi allein unter Männern. Heute ist das anders, erzählt die Chefin der Firma »VOS Schott«.
04. November 2019, 14:00 Uhr
Seit wenigen Jahren leitet Angelika Freier das Butzbacher Unternehmen »VOS Schott« alleine. Aber, sagt sie: »Ich habe ein super Team hinter mir.« (Fotos: pv/sda)

Die Firma ist schon immer ein Teil von Angelika Freiers Leben. Bereits vor ihrer Geburt im Jahr 1965 stieg ihr Vater Dieter Schott bei Voss ein, wurde mit den Jahren zum Gebietsbetreuer, übernahm nach und nach mehr Verantwortung, bis er schließlich Chef wurde. Dann, viele Jahre später, in den 90ern, stellte sich die Frage der Nachfolge. Dieter Schott war kurz vor seinem 60. Geburtstag. Seine Tochter Angelika, gerade fertig mit ihrem BWL-Studium in Gießen, und sein Sohn Volker dachten darüber nach, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. »Wir waren beide frisch und jung«, erzählt Angelika Freier. Ein weiterer Vorteil: Sie hatten den Vater mit seiner Erfahrung und vielen wertvollen Ratschlägen an ihrer Seite. Die Geschwister, sie war 30, er 28, stiegen ein.

Über 20 Jahre ist das nun her. Angelika Freier ist heute alleinige Chefin des Unternehmens, das inzwischen »VOS Schott« heißt und im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel angesiedelt ist.

VOS Schott: Traditionell und männerlastig

Sie sitzt in ihrem Büro im ersten Stock. Oben wird die Verwaltungsarbeit gemacht. Unten, im Erdgeschoss, werden die technischen Aufgaben erledigt. Das Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1844 ist die Firma in Sarstedt bei Hildesheim gegründet worden - damals als Schlosserei. Mit den Jahren änderte sich die Branche, 1929 entwickelte sich der Zweig, der bis heute prägend bleiben sollte: die Lebensmitteltechnik. Damals wurden erste Räucheranlagen und ein spezieller Kochkessel produziert.

Was mit Kochen, Räuchern und Backen begann, ist heute zu einem Unternehmen geworden, dessen Fokus auf der Lieferung im gesamten deutschsprachigen Raum von Produktionslinien zur thermischen Behandlung von Nahrungsmitteln, PET-Food und Pharmazeutika liegt. Das bedeutet: In der Firma wird mit sogenannten Autoklaven gearbeitet, die zum Beispiel dafür verwendet werden, Produkte länger haltbar zu machen. Beispiele dafür sind in einer Vitrine in den Nieder-Weiseler Firmenräumen ausgestellt: Würstchen in der Dose, Oliven im Glas, Katzenfutter in einer Schale.

Es ist eine traditionelle Branche, und als Angelika Freier eingestiegen ist, war es noch eine männlich dominierte. »Es war ein Lernprozess, sich einzufinden«, sagt sie. Überhaupt in die Rolle der Chefin. Zumal es in der Firma damals bei der Übernahme zahlreiche Mitarbeiter gab, die schon etliche Jahre dabei gewesen sind, und die plötzlich eine junge Frau als Vorgesetzte hatten. Aber, sagt Angelika Freier: Es hat gut geklappt. Sie war für das Finanzmanagement und Controlling zuständig, ihr Bruder für die Technik. Sie habe viel von den erfahrenen Kollegen lernen können. »Ich denke, als Frau ist man eher in der Lage, es nahezu neidlos anzunehmen, wenn jemand etwas besser kann.«

Spitzenfrau Angelika Freier: Arbeit im Team sehr wichtig

Sie und ihr Bruder haben als Untermieter in einer anderen Butzbacher Firma begonnen. Im Jahr 2000 entschieden sie sich dann für den Neubau in Nieder-Weisel. Heute beschäftigt die Firma 20 Mitarbeiter - eine gute Mischung aus erfahrenen Kollegen und Nachwuchskräften.

Seit wenigen Jahren leitet Angelika Freier das Unternehmen alleine. Ihr Bruder hat sich mit 50 entschieden, noch einmal einen ganz anderen Weg einzuschlagen. »Das war erst mal ein Schock, der mir ein paar schlaflose Nächte bereitet hat«, erzählt sie. Vor allem, weil sie auf sich allein gestellt war. Das dachte sie zumindest. »Aber ich habe festgestellt, dass ich nicht allein bin, weil ich ein super Team habe.«

Die Arbeit im Team ist ohnehin etwas, das für Angelika Freier wichtig ist. Und weswegen sie damals, als ihr Bruder ging, entschied, weiterzumachen: »die Verantwortung dem Team gegenüber. Das hohe Maß an Loyalität, die das Team jeden Tag beweist, motiviert mich.«

Ob sie die Entscheidung, die Firma zu übernehmen, je bereut hat? »Nein, nie«, sagt Angelika Freier. »Klar, die Bindung an das Unternehmen hat dafür gesorgt, dass ich manche Dinge nicht ausprobiert habe.« Doch die Vorteile hätten bei Weitem überwogen: »Ich habe einen spannenden Beruf, bin selbstbestimmt und konnte mit meinem Mann zwei Kinder großziehen.«

Und, sagt sie: »Wenn ich etwas anderes machen will, gibt es neben dem Beruf so viele Möglichkeiten.«

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