14. Mai 2018, 20:22 Uhr

Als der Krieg zu Ende ging

14. Mai 2018, 20:22 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Mitwirkenden freuen sich über einen gelungenen Begegnungsnachmittag (v. l.): Helmut Körner, Hilda Grobauer, Bruno E. Ulbrich und Norbert Quaiser. (Foto: Quaiser)

Mit Johann Schrammels Marsch »Wien bleibt Wien« begrüßte Norbert Quaiser die Gäste, die sich im großen Saal des Erika-Pitzer-Begegnungszentrums in Bad Nauheim zum Begegnungsnachmittag des Bundes der Vertriebenen (BdV) versammelten. Erika Quaiser sorgte mit ihrem Team für eine reich gedeckte Kaffeetafel mit frisch gebackenem Kuchen.

Das Kriegsende am 8. Mai 1945 war ein Datum, das viele Teilnehmer noch in deutlicher Erinnerung haben. Damals versank das »tausendjährige« Reich in einem Meer aus Blut und Tränen. Als die Waffen endlich schwiegen, waren über 60 Millionen Menschen tot. Gefallen an der Front, ermordet in Konzentrationslagern, verbrannt in Bombennächten, gestorben an Hunger, Kälte, Gewalt auf der Flucht und bei der Vertreibung.

Habe und Heimat verloren

Der Vorsitzende Bruno E. Ulbrich stammt aus Reichenberg. Er ist der letzte noch lebende Wehrmachtsangehörige unter den Mitgliedern des Ortsverbands und kämpfte im umschlossenen Breslau gegen die Russen. Seinen Gefechtsstand hatte er in der Friedhofsanlage Olschany in einem ausgehöhlten Grab aufgeschlagen. »Jeden Morgen grüßte mich das Grabkreuz der dort Verewigten«, erinnerte er sich. Dann kam bei schönstem Maiwetter, am 7. Mai 1945, der Befehl zum Marschieren in die freiwillige Kriegsgefangenschaft. Das Lager Fünfteichen war Sammelstelle. »In den ersten Tagen wurden wir noch einigermaßen gut behandelt, doch später änderte sich das gewaltig.«

Helmut Körner, aus Zöptau stammend, meinte zum 8. Mai 1945: »Wir Bewohner der böhmischen Länder hätten eigentlich froh sein können, dass unsere Heimat von flächenweiter Zerstörung verschont geblieben ist. Wir hätten ungestört weiterleben und arbeiten können, wie wir es gewohnt waren.«

Doch die neue Staatsführung der Tschechoslowakei habe einen rein tschechischen Staat gewollt, mit der Enteignung der deutschsprachigen Bevölkerung begonnen und schließlich die Sudetendeutschen völlig mittellos aus der Heimat vertrieben. »So hatten wir nicht nur unser heil gebliebenes Hab und Gut verloren, sondern mussten auch noch unsere geliebte Heimat verlassen und landeten verstreut in einem völlig zerstörten Restdeutschland.«

Die Reihe derjenigen, die danach etwas zum Muttertag zu sagen hatten, wollte kein Ende nehmen. Mit ihrem rührenden Gedicht aus eigener Feder – »Danke, Mutter« – erfreute die aus Karlsbad-Meierhöfen stammende Irmgard Eckl. Großen Applaus erhielt auch Erwin Gröger für seinen Vortrag über ein Waisenkind, das endlich in einem SOS-Kinderdorf seinen Kopf an eine Mutter legen konnte. Es wusste nur eines zu sagen: »Mutter ist das schönste Wort der Welt.«

Humor kam danach zu Wort. Rosemarie Kunz trat als »verwirrte Küsterin« auf, und Ingeborg Vetter hatte sich von ihrem Mann als Geschenk einen »Ausziehtisch« gewünscht, bekam jedoch zur Antwort, dass sie sich auch woanders ausziehen könnte.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von Hilda Grobauer. In Böhmerwälder Mundart fragte sie: »Und wos is in zwanzg, dreissg Johr?« Über die Kinder sagte sie: »Sie san jo olle im Westn geborn und ham net wie mir ihr Hoamat verlorn. Im Gegenteil, denn, so trauri wias klingt, a Rücksiedlung heit wär unbedingt das Allerschlimmste, wos uns könnt passiern! Da tatn ja d Kinder ihr Hoamat verliern.« Ein großartiger Beitrag, wie die Teilnehmer fanden, der mit langem Applaus bedacht wurde.

Das Sommerfest findet am Dienstag, 5. Juni, statt. »Ich tanze mit dir in den Himmel hinein« heißt es dann.



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