23. Juni 2017, 13:40 Uhr

Weltyogatag

Alle machen die Kuh

Ob in einer Yogastunde wirklich nur »Om« gemacht wird und was die Yogis motiviert, sich zu verbiegen, haben wir bei einer Übungsstunde am Weltyogatag in einem Bad Nauheimer Studio erfahren.
23. Juni 2017, 13:40 Uhr
Der Blick der Kursteilnehmerinnen wirkt ernst, in Wahrheit ist er aber einfach »losgelöst«. Darum geht es unter anderem beim Yoga. (Fotos: vpf/pv)

Eigentlich klingt es absurd. Jetzt sollen alle »die Kuh« machen. Von da aus dann bitte in den herabschauenden Hund und in die Kobra. Wenn man das erste Mal eine Yoga-Stunde besucht, kann man bei diesen Anweisungen schon ein bisschen blöd aus der Wäsche gucken. Ob da keiner lachen muss? Nein, die Yogis schauen ernst. Oder konzentriert? Nein. »Losgelöst« ist das richtige Wort, denn dazu hat Yoga-Lehrerin Thea Linn sie angewiesen. »Lasst alle Gesichtsmuskeln los und lasst euer Gehirn in euren Schädel fallen.« Es lacht immer noch keiner. Die Yogis wissen, was gemeint ist. Und auch: Das was man hier lernt, kann helfen. Unter anderem in einer der größten körperlichen Belastungssituationen einer Frau.

Man muss sich darauf einlassen. Darauf, dass man angewiesen wird, Katzenbuckel und Cobra-Schlängel zu machen. Darauf, dass man sich bewegt, wie man es sonst vielleicht noch nie gemacht hat. »Ich meine, mal ehrlich: Wann legt man sich im Alltag einfach mal auf den Boden oder streckt den Hintern in die Luft?«, scherzt Gabriele Garte. Die 51-Jährige ist am Weltyogatag beim Kurs in der »Satyaseva Akademie« dabei. Aber nicht weil Weltyogatag ist, sondern weil sie das immer macht. Zweimal in der Woche.

Seit über 20 Jahren. Wie viel ihr das bringt, habe sie ganz besonders bei den Geburten ihrer zwei Kinder gespürt: »Durch das Yoga konnte ich mich auch während der Wehen entspannen und fallen lassen. Daher waren beide Geburten sehr sanft.« Andere Teilnehmerinnen – beim Kurs am Weltyogatag sind ausschließlich Frauen dabei – berichten: Ihre Migräne sei verschwunden, Rückenschmerzen seien wie weggeblasen, Eike-Susanne Ruths sagt sogar: »Ich fühle mich mental stärker.« Und das alles nur, indem man sich ein bisschen verbiegt? Was ist das Geheimnis des Trends?

Irgendetwas muss dran sein. Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland praktizieren Yoga. Das Angebot ist riesig. Alleine in Bad Nauheim und Friedberg gibt es neben kleineren privaten Anbietern und den Volkshochschulkursen drei Yogaschulen mit zahlreichen Kursen pro Woche. Seinen Ursprung hat Yoga in Indien, der Begriff ist Sanskrit und kann übersetzt werden mit »Verbindung« oder »der Akt des Verbindens«. Im Grunde ist Yoga ein praktisches Übungssystem, das im Laufe der Zeit immer wieder ergänzt wurde. Die populärste Übungsform ist die des Hatha Yoga. Zentral sind dabei die körperlichen Übungen (Asanas) und die Atemübungen (Pranayamas).

Die Kombination von beidem soll dazu führen, sich selbst wahrzunehmen, die Verbundenheit von Körper und Geist und mit dem ganzen Kosmos zu spüren. »Zuerst wird die Wahrnehmung auf den Körper gelegt, weil der so fassbar ist«, erklärt Thea Linn. Erst wenn die körperlichen Übungen gelingen, könne man mit Yoga auch die Seele »trainieren«.

Die Stunde am Weltyogatag ist klassisch aufgebaut, sagt die Yoga-Lehrerin. Sie gibt Anweisungen zu den körperlichen Übungen: »Drehe deine Hüfte nach links und nehme die Spannung in deinen Oberschenkeln wahr. Hebe deine Arme, so dass sie parallel zum Boden sind. Öffne die Schulterblätter und die Brust.« Die Yogis machen den »Krieger Nummer zwei«. Währenddessen lenkt die Lehrerin den Blick immer wieder auf das Innere, sagt: »Nimm deine Gedanken wahr, und dann bitte sie liebevoll, wieder zurückzukommen. Spüre in der Bewegung, wie du mit dir selbst und mit allem verbunden bist.« Die Teilnehmerinnen werden dabei ganz ruhig, einige haben die Augen geschlossen. Man könnte sagen, sie wirken geerdet. Sogar so sehr, dass sie bei der einbeinigen »Baum«-Übung kein kleinstes bisschen wackeln.

Diese »Zentrierung« ist es, die die Yogis als heilsam empfinden, wie Martina Schenek erklärt: »Wenn man in diesem Körpergewahrsam verweilt, verschwindet alles andere. Dann tritt Ruhe ein.« Auch Beate Blumrich sagt: »Aus diesen Ressourcen heraus finde ich Energie.« Als sich die Yogis nach eineinhalb Stunden Kuh-, Krieger-, Katzen- und Hundeübungen verabschieden, ist es spürbar: Zumindest in diesem Moment scheinen alle in sich zu ruhen.

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