27. Oktober 2017, 20:29 Uhr

Alarm im Kopf, Kampf gegen die Zeit

27. Oktober 2017, 20:29 Uhr
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Aus der Redaktion
Tibo Gerriets

Was muss ich tun, wenn in einer CT-Aufnahme meines Kopfes ein bisher unentdeckter Schlaganfall gefunden wird? Müssen Cholesterinsenker nach dem Schlaganfall wirklich sein? Wann ist eine Blutverdünnung mit Marcumar erforderlich und was taugen die »neuen« Blutverdünner? Ab wann ist ein Bluthochdruck behandlungsbedürftig? – Die Fragen waren vielfältig bei der »Telefonaktion Schlaganfall«, die das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) anlässlich des Welt-Schlaganfall-Tages am morgigen Sonntag angeboten hat. Prof. Tibo Gerriets, Chefarzt der Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) am Bürgerhospital Friedberg, gab den Anrufern aus dem gesamten Kreisgebiet Antworten.

Ursachen von Schlaganfällen sind laut Gerriets Durchblutungsstörungen und Hirnblutungen im Verhältnis vier zu eins. Durchblutungsstörungen werden ausgelöst, wenn ein Thrombus (Blutgerinnsel) eine Hirnarterie verstopft.

Depression kann folgen

Ihren Ausgangspunkt haben die Thromben in der Regel entweder in einer Arteriosklerose (»Verkalkung«) der Halsschlagader oder im Herzen. Hauptrisikofaktoren für das Entstehen einer Arteriosklerose sind – neben den individuell nicht beeinflussbaren Faktoren Alter, Geschlecht und Vererbung – Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, erhöhtes Cholesterin und regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum. Wer möglichst unmittelbar nach einem Schlaganfall richtig behandelt wird, hat nach Angaben von Gerriets wesentlich bessere Chancen auf Genesung. Die Behandlung eines Patienten in einer spezialisierten Stroke Unit erhöhe dessen Überlebenswahrscheinlichkeit um 25 Prozent und senke das Risiko von Tod oder gravierenden Folgeschäden sogar um 31 Prozent. Bundesweit wurden in den vergangenen Jahren deshalb Schlaganfalleinheiten etabliert. Die Stroke Unit am Bürgerhospital Friedberg umfasst inzwischen elf Betten.

Mehrere Anrufer erkundigten sich wegen vermeintlich unspezifischer Beschwerden, die sie seit dem Schlaganfall plagten, wie chronische Erschöpfung, innere Unruhe oder Schlafstörungen. »Es ist immer schwer, am Telefon eine belastbare Verdachtsdiagnose zu stellen«, sagte Gerriets, »bei zwei Patienten hatte ich aber den Eindruck, dass eine ›Post-Stroke-Depression‹, also eine Depression, die typischerweise nach einem Schlaganfall auftritt, vorliegen könnte. Hier habe ich den Kontakt zu einem Facharzt vermittelt.«

Schlaganfalldepressionen seien häufige Folgen nach Hirninfarkten und -blutungen und träten bei etwa jedem dritten Betroffenen auf. Dieses Erkrankungsbild sei häufig unterdiagnostiziert und unzureichend behandelt, da viele Symptome mit den neurologischen Folgen des Schlaganfalls verwechselt würden. Gerriets riet dazu, im Verdachtsfalle unbedingt einen Neurologen oder Psychiater zu konsultieren.

Weitere Fragen drehten sich um Medikamente und deren mögliche Nebenwirkungen. Das Thema werde von vielen Patienten drastisch überschätzt, sagte der Neurologe. Es komme oft vor, dass Patienten aus Sorge vor unerwünschten Wirkungen ihre Medikamente ohne ärztliche Rücksprache absetzten, nicht selten mit gefährlichen Folgen. Hier riet der Neurologe, unbedingt den Haus- oder Facharzt zu konsultieren und keineswegs im Beipackzettel oder im Internet nach möglichen Zusammenhängen zwischen Beschwerden und Medikamenten zu fahnden. Sollten echte Nebenwirkungen vorliegen, könne meist problemlos auf eine andere Medikamentengruppe gewechselt werden.

Eine Broschüre zum Thema Schlaganfall kann im Internet unter der Adresse www.gz-w.de/ueber-uns/download-center/ unter dem Stichwort Stroke Unit als PDF-Datei heruntergeladen werden.



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