08. Januar 2018, 19:02 Uhr

Kinderschänder

Acht Jahre Knast für Kinderschänder

Ein 45-Jähriger Gießener ist wegen sexuellen Missbrauchs zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Damit kommt er besser weg als bei einem früheren Urteil.
08. Januar 2018, 19:02 Uhr

Das Kinn des übergewichtigen Mannes zitterte, während Vorsitzender Richter Dr. Klaus Bergmann am Freitag das Urteil der Neunten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verkündete: acht Jahre Gefängnis wegen teils schweren sexuellen Missbrauchs. Von 2007 bis 2011 verging sich der Gießener an einem Mädchen. Als der Missbrauch begann, war das ebenfalls aus Gießen stammende Kind neun Jahre alt.

Doch der Mann war nicht aus Scham den Tränen nahe. »Ihr Verhalten ist durch triefendes Selbstmitleid gekennzeichnet«, hielt Bergmann dem Türken vor. Dieser sei laut Gutachten voll schuldfähig und noch nicht einmal pädophil veranlagt.

Stattdessen habe der geständige Täter »die völlig falsche und fehlgeleitete Haltung gehabt, es handele sich bei dem Kind um eine gleichberechtigte Partnerin«. Dass er mit den sexuellen Handlungen Straftaten beging, sei dem 45-Jährigen aber »bewusst« gewesen. Der Angeklagte habe sogar »einen Koffer voller Sexspielzeug« für die Zeit gepackt, wenn sein Opfer älter geworden wäre. Pädophile verlören hingegen ihr sexuelles Interesse an Opfern, wenn diese sich zu Erwachsenen entwickeln.

Bereits in einem ersten Prozess hatte der Gießener mit einem Vorschlag aus der »türkischen Tradition« für Aufsehen gesorgt, als er ankündigte, das Opfers heiraten zu wollen, um die »Familienehre« wiederherzustellen. 2015 wurde er von der Jugendkammer des Gießener Landgerichts zu elf Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte der Revision des Mannes aber wegen eines Formfehlers stattgegeben, die Kammer hatte damals die Öffentlichkeit zu früh ausgeschlossen.

Diesmal hatten die Richter das Strafmaß reduziert, weil sie nicht mehr von 454 Fällen des Missbrauchs ausgingen, sondern »nur« noch von 364. Gleichwohl machte Bergmann deutlich, dass das Opfer noch immer therapeutisch behandelt werden müsse. Dennoch betonte er, dass »Selbstjustiz in Deutschland keinen Platz hat«. Der Angeklagte war – bevor er in Untersuchungshaft genommen wurde – von einer Frau aus dem Umfeld des Opfers krankenhausreif geschlagen worden. Die Täterin wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Erst Jahre später vertraute sich das Opfer seiner Familie an. Es hatte den Angeklagten nicht mehr besucht, nachdem dieser aus Verärgerung eine etwa gleichaltrige Freundin grob am Kinn gepackt hatte. Dieses Mädchen hatte das Opfer oft zu dem Täter begleitet. Sexuell hatte der Türke sich aber nicht an diesem Kind vergriffen. Laut Verteidigung will er erneut in Revision gehen.

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