14. November 2018, 19:17 Uhr

Abnehmen gegen Typ-2-Diabetes

14. November 2018, 19:17 Uhr
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Aus der Redaktion
M. Eckhard

Es ist längst eine Volkskrankheit, und die Erkrankungsrate steigt noch immer kontinuierlich an: Nach aktuellen Zahlen sei inzwischen jeder zehnte Bundesbürger an Diabetes mellitus erkrankt – und die Dunkelziffer sei hoch, heißt es in einer Pressemitteilung des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW). Das führe dazu, dass bei Diagnosestellung eines Diabetes mellitus Typ 2 jeder Zweite bereits Folgeerkrankungen an Augen, Nieren, Nerven oder dem Herzen aufweise. »In Mittelhessen dürften etwa 100 000 Menschen betroffen sein.«

Anlässlich des Welt-Diabetes-Tages am Mittwoch wies Dr. Michael Eckhard, Chefarzt der GZW-Diabetes-Klinik Bad Nauheim, auf einige neue Forschungsergebnisse hin und erläuterte, was man vorbeugend gegen die Entstehung von Diabetes mellitus oder zu dessen erfolgreicher Behandlung tun könne.

Therapie möglichst schnell beginnen

So seien auf der diesjährigen Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Berlin Ergebnisse aus dem »Diabetes Remission Clinical Trial (DiRECT)« vorgestellt worden, wonach ein strenges Ernährungsprogramm mit erfolgreicher Reduktion des Körpergewichts Typ-2-Diabetes sogar rückgängig machen könne, erläuterte der Diabetologe. Dies funktioniere jedoch nur, solange die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse in der Lage seien, sich zu erholen und wieder normal zu funktionieren.

Die britische »DiRECT«-Studie habe im vergangenen Jahr bereits für Aufmerksamkeit gesorgt, erklärte Eckhard. Bei nahezu der Hälfte der Studienteilnehmer, die sich einer strengen Diät unterzogen und bis zu 15 Kilo Körpergewicht verloren hätten, habe im Verlauf eines Jahres der Typ-2-Diabetes rückgängig gemacht werden können. Bei mehr als 15 Kilo Gewichtsabnahme habe sich der Zuckerstoffwechsel sogar bei acht von zehn Menschen mit einem Diabetes mellitus Typ-2 normalisiert. Unklar sei zum damaligen Zeitpunkt gewesen, warum sich die Blutzuckerwerte bei manchen Personen nicht verbessert hätten, obwohl diese ähnlich viel Körpergewicht verloren hätten wie die anderen.

Eine Untergruppe von 58 Patientinnen und Patienten der »DiRECT«-Studie sei daraufhin in einer neuen Auswertung genauer betrachtet worden, zitierte der Diabetologe aus den vorgestellten Ergebnissen. 40 von ihnen hätten auf die strenge Diät mit einer Verbesserung ihres Diabetes angesprochen, 18 Personen nicht (sogenannte Non-Responder). Auffällig sei die unterschiedliche Zeit gewesen, die seit der Diabetes-Diagnose der beiden Gruppen ins Land gegangen sei: In der ersten Gruppe bestand der Typ-2-Diabetes seit durchschnittlich 2,7 Jahren, bei den »Non-Respondern« dagegen bereits rund 3,8 Jahre. Die Schlussfolgerung der Forscher: Effektive therapeutische Maßnahmen mit dem Ziel der Normalisierung des Stoffwechsels in den Bereich von Gesunden sollten sobald wie möglich nach Diagnosestellung eines Diabetes eingeleitet werden.

Allgemein sei ein ausgewogener Lebensstil mit überwiegend gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung, allenfalls nur leichtem Übergewicht (BMI niedriger als 27 kg/m2), dem Verzicht auf Rauchen und ein Alkoholgenuss nur in sehr moderaten Mengen die beste Möglichkeit, der Entstehung eines Diabetes mellitus vorzubeugen, betonte Eckhard. Dabei sei es wichtig, diese Empfehlungen nicht als einschränkenden Zwang aufzufassen, sondern positiv als Anleitung für ein möglichst langes Leben in Gesundheit zu verstehen. »Man muss genießen dürfen – und wenn man dabei Maß hält, kann man dies auch guten Gewissens tun.« (Foto: pm)



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