Der richtige Umgang mit den modernen Medien – für viele Eltern ist dies eines der wichtigsten Themen, wenn es um den eigenen Nachwuchs geht. Hinter dem Spaß und der Kommunikation in den sozialen Netzwerke verbergen sich Risiken. Das Internet bietet aber auch Chancen, wie Experten auf der dritten Wetterauer Medienmesse mit dem Titel »@Familie: Wir nutzen Medien« am Samstag im Jugendhaus Junity erläuterten.

»Wir möchten hier heute Tipps zum Medienkonsum erhalten, werden daher auch die Vorträge besuchen«, sagte Familie Zinn aus Friedberg, die gleich zum ersten Vortrag erschien. Themen wie Erziehung, Cybermobbing, Sexualität im Internet und die Nutzung sozialer Netzwerke wurden erläutert. Präventionsangebote und Beratungen gab es dazu an den Infoständen. Schon früh füllte sich das Jugendhaus mit Familien.

»Wir haben heute eine ganz andere Medienwelt«, sagte Bürgermeister Michael Keller, der selbst kein Facebook nutzt, bei der Messe-Eröffnung. »Auf einem Smartphone ist im Sekundentakt vieles möglich.« Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch mahnte davor, nicht alles im Internet preiszugeben. Was man heute ins Netz stelle, sei noch in 40 bis 50 Jahren zu rekonstruieren.

Medienpädagoge Jan Rathje ging im ersten Vortrag direkt auf die Herausforderungen im digitalen Zeitalter ein. Je nach Altersklasse gebe es hier bestimmte Trends. Während nur etwas zehn Prozent der Jugendlichen der 5. bis bis 9. Schulklassen in Facebook vertreten seien, nutzen Kinder und Jugendliche heute eher WhatsApp, Snapchat oder YouTube. Vier bis acht Kettenbriefe erhalten Schüler der 7. Klassen im Schnitt pro Woche in WhatsApp-Nachrichten. »Das, was da drin steht, ist natürlich nicht wahr«, erläutert der Experte. Kettenbriefe dienen dazu, andere zu beeinflussen, ihnen Angst zu machen.

Kettenbriefe sollen Angst machen

Täuschen lassen sich aber auch Erwachsene, nicht zuletzt durch Fake-News im Internet. Diese sollen die gleichen Effekte erzielen, seien von außen nicht richtig zu bewerten. »Auch Satire wird oft missverstanden«, sagte Rathje.

Ein Unterschied zwischen Erwachsenen und Jugendlichen sei aber trotzdem das Verständnis. Während Erwachsene die reale und virtuelle Welt differenzierten, machten Jugendliche, als »digital Natives«, keine Unterschiede mehr.

Mit der Technik aufgewachsen, haben sie ihre Vorbilder bei YouTube, dem interaktiven Web 2.0, sie können ihre Vorbilder hier sogar anschreiben. In Gruppen erhalte der Nachwuchs vielleicht noch viele »Likes«, werde wahrgenommen. Eltern sollten sich fragen: Warum macht mein Kind das? Warum sucht es Bestätigung? »Früher waren Kinder alleine draußen, sind auf Bäume geklettert und haben Abenteuer erlebt«, sagte Rathje. Immer mehr Regelungen und Verbote bremsten die Kinder heute aus. »Es gibt sogar Gummitwist-Verbote in manchen Grundschulen.« Wo suchen Kinder Unterhaltungen und Abenteuer – im Netz.

Eltern trügen Verantwortung und seien Vorbilder. Probleme ließen sich auch nicht mit einem Verbot beseitigen. Rathje empfiehlt zur Offenheit und zum Austausch. Zudem lasse sich Technik im Schulunterricht sinnvoll einsetzen. Vor allem aber sollten Familien die reale Welt nicht vergessen. »Geht nach draußen, und redet mit anderen.«

Dass moderne Medien auch draußen sinnvoll genutzt werden können, zeigte Thorsten Günthert am Infostand. Seine Fotografien, Luftaufnahmen und Erlebnisse von Wanderungen teilt er im Internet mit anderen. Auch den Kids der Medienmesse gab er wertvolle Tipps im Umgang mit dem Smartphone.

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