Am 18. Mai 1943 gründete sich der Oberhessische Künstlerbund (OKB). Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums ist der Oberhessische Künstlerbund nun auf Einladung des Kunstvereins Bad Nauheim zu Gast in der Kurstadt. Am Freitag wurde die aktuelle Ausstellung »OKB- heute« in der Galerie der Trinkkuranlage eröffnet.

»Kunst ist« ... mit diesen zwei Worten lässt man sich auf das Gezeigte ein und beobachtet, welche Gefühle sich beim Betrachten des Bildes einstellen, so Thomas Wörsdörfer. Er ist einer der ausstellenden Künstler des OKB, der Werke in der aktuellen Ausstellung in Bad Nauheim präsentiert. Versuche man beim Betrachten den Verstand beiseitezustellen, beginne man wieder, vergleichbar einem unvoreingenommenem Kind, das Bild zu erforschen und Zugänge zur gezeigten Kunst zu finden. Vielleicht gefalle einem heute ein Bild, das man gestern noch mit abwertenden Worten bedacht habe. »Manager – Der Neue« heißen die drei Kohlezeichnungen von Wörsdörfer, die u. a. das Interesse der Gäste wecken. Arrogant oder gleichgültig? Analytischer Denker oder gelassene Führungskraft? Wörsdörfer gibt seinen Managern gleich mehrere Gesichter. »Durch das Zeichnen erreiche ich den direktesten und spontansten Ausdruck. Für mich hat es durchaus etwas archaisches, mit Kohle auf der Fläche eines weißen Papieres zu zeichnen und Spuren zu hinterlassen«, erklärt der Künstler aus seiner Internetseite.

Das Menschsein in der Gesellschaft, die Ausstellung bietet hier viele Möglichkeiten der Betrachtung. So auch Henrik Wieneckes »Herrschaft«. Die große Bronzeskulptur hat ihren Platz mitten in der Rotunde gefunden. Bewusst sei der Herrscher hier platziert worden, erklärt Kunsthistorikerin Susanne Ließegang. Von hier aus bewege man sich von Position zu Position.

Klar Stellung bezogen

Kunst habe viele Bedeutungen, sei es etwas Schönes zu gestalten, Abbildungen der Wirklichkeiten zu schaffen oder auch Stellung zu beziehen, wie Bürgermeister Klaus Kreß in seinem Grußwort erklärte. Die Gründer des OKBs haben klar Stellung bezogen. Es war der 18. Mai 1943, als die Gießener Künstler Hans Hagenauer, Hellmuth Mueller-Leutert und Carl Boucarde mit weiteren zwölf Kollegen den Oberhessischen Künstlerbund (OKB) ins Leben riefen. Sie wollten damit der propagandistischen Einvernahme der bildenden Kunst durch die Nationalsozialisten ein Stück bürgerlich-individuelle Freiheit und das Ideal der Freiheit der Kunst entgegensetzen. Mit der Unterstützung lokaler Kulturpolitiker gelang gar die Lizenzierung durch die Reichskammer Kunst.

Bereits nach wenigen öffentlichen Ausstellungen, in denen die Distanz zum Regime deutlich zutagetrat, wurden jedoch die lokalen politischen Unterstützer des Vereins angehalten, ihre Zusammenarbeit mit dem OKB einzustellen. Der OKB war kaltgestellt. Erst nach der Befreiung konnte er seine Arbeit wieder aufnehmen. Heute, im Jahr 2018, zählen mehr als 40 Mitglieder zum Kreise des OKB.

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