01. März 2019, 14:00 Uhr

Wasserstoff-Züge

Ab 2022 fahren Wasserstoff-Züge in der Wetterau

Noch fahren Dieselloks von Friedberg über Rosbach nach Friedrichsdorf. Zum Fahrplanwechsel 2022/2023 sollen für die HLB Wasserstoff-Züge fahren. Weitere Neuerungen sind geplant.
01. März 2019, 14:00 Uhr

Von Matthias Pieren , 1 Kommentar
Der wasserstoffgetriebene Zug »Coradia iLint« des französischen Herstellers Alstom soll in Hessen die Dieselfahrzeuge ablösen. (Foto: dpa)

Nach der Automobilbranche hat die Diesel-Debatte längst auch die Bahn-Branche erfasst. Deshalb hat auch das Land Hessen überlegt, wie der ÖPNV auf nicht elektrifizierten Bahnlinien von den Rußfahnen befreit werden kann, die die Dieselloks und -triebfahrzeuge hinter sich herziehen.

Jahrzehntelang hielt der Zugverkehr auf der sogenannten Brunnenbahn zwischen Friedberg und Friedrichsdorf einen Dämmerschlaf. Seit 1998 fahren auf dieser Nebenstrecke Diesel-Triebzüge der Hessischen Landesbahn (HLB) einsam ihre Bahnen. Das wird sich schon bald ändern.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 wird die RMV-Linie RB 16 Teil des hessischen Pilotprojektes für Wasserstoff-Züge. Im April letzten Jahres hatten das Land Hessen und der RMV einen emissionsfreien Zug vom Typ »Coradia iLint« mit Brennstoffzellenantrieb auf Präsentationsfahrt von Wiesbaden nach Frankfurt geschickt.

 

26 Wasserstoff-Züge im Einsatz

Die darauf folgende europaweite Ausschreibung für 26 Wasserstoff-Züge, die ab dem Fahrplanwechsel 2022/2023 auf gleich vier Bahnlinien im Taunus die alten Ruß-Schleudern mit Dieselmotor ersetzen sollen, läuft nun aus. »Im ersten Halbjahr 2019 werden wir den Kaufvertrag für die Triebfahrzeuge und deren Instandhaltung unterzeichnen«, teilt RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann auf Anfrage mit.

Da aktuell nur der Zughersteller Alstom (Salzgitter) einen solchen Wasserstoff-Zug produziert, ist davon auszugehen, dass dieser den Zuschlag erhält. Seit September 2018 sind zwischen Cuxhaven und Buxtehude (Elbe-Weser Netz) die beiden ersten Züge dieses Typs »Coradia iLint« im Fahrplanverkehr unterwegs. Nach Herstellerangaben haben die beiden Züge bereits 50 000 Kilometer abgespult – das aber nicht ganz ohne technische Probleme. »Unser Triebfahrzeuge haben eine Verfügbarkeit von 90 Prozent. Das ist das für uns ein voller Erfolg«, bilanziert Alstom-Pressesprecherin Tanja Kampa auf Anfrage die ersten Monate des deutschen Pilotbetriebs von Wasserstoff-Zügen im regulären Fahrplanverkehr.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in Nordrhein-Westfalen hat hingegen im vergangenen Jahr eine europaweite Ausschreibung rückgängig gemacht und die eigentlich festgelegte Entscheidung für den »iLint« revidiert. »Am Ende scheiterte das Verfahren jedoch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit«, begründete der VRR seinen Rückzieher. Alstom sei nicht in der Lage gewesen, den in Aussicht gestellten Kostenrahmen einzuhalten, hieß es.

 

Neue Ziele von Friedberg aus

Auf der Brunnenbahn »dampfen« demnach bald wieder die Züge, wie zu Kaisers Zeiten der alte »Bäder-Schnellzug« von Berlin über Bad Nauheim, Friedberg, Rosbach nach Bad Homburg und Wiesbaden. Die Umstellung wird möglich, weil zum gleichen Zeitpunkt auch die Elektrifizierung der Taunusbahn abgeschlossen sein soll. Dann soll auch die S 5 nach Usingen verlängert werden.

Nach Angaben des RMV werden dann zwischen Bad Homburg und Friedrichsdorf im 15-minutigen Wechsel die S-Bahnen nach Usingen und die neuen Wasserstoff-Züge nach Friedberg fahren. So wird mit der Kurstadt Bad Homburg ein weiterer Bahnhof mit einem Direktzug von Friedberg aus angesteuert. Zeitgleich zum Fahrplanwechsel 2022/2023 sollen bekanntlich auch die S-Bahnen der Linie S 6 von Friedberg nach Darmstadt verlängert werden.

Info

Moderne "Dampfzüge"

Die völlig emissionsfreien Züge, die ab 2022 in Hessen fahren sollen, haben auf dem Dach einen Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle. Diese gewinnt elektrische Energie aus der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser – wodurch Strom entsteht. Der wiederum lädt die Lithium-Akkus an Bord auf und treibt den Elektromotor an. Anstelle von Dieselschwaden kommt Wasserdampf aus dem Auspuff. Außerdem ist der Zug mit einer Batterie ausgestattet, die die an Bord erzeugte elektrische Energie zwischenspeichert und Bremsenergie rückgewinnt. Die modernen »Dampfzüge« läuten eine neue Eisenbahnepoche ein. Die modernen Züge mit Brennstoffzellenantrieb werden nach RMV-Angaben ab Dezember 2022 die alten Dieselzüge auf folgenden Strecken ersetzen: Von Frankfurt-Höchst nach Bad Soden (RB 11), von Frankfurt über F-Höchst nach Königstein (RB 12) sowie von Bad Homburg über Friedrichsdorf nach Friedberg (RB 16). Zeitgleich soll der S-Bahnbetrieb der Linie S 5 zum Fahrplanwechsel 2022/2023 von Frankfurt nach Bad Homburg und Friedrichsdorf bis nach Usingen verlängert werden. Die neuen Wasserstoffzüge pendeln dann auf dem Anschluss zwischen Usingen, Grävenwiesbach und Brandoberndorf (RB 15) sowie neunmal am Tag als Direktzüge von Frankfurt über Bad Homburg nach Usingen, Grävenwiesbach und Brandoberndorf.

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