16. Februar 2017, 04:55 Uhr

Hausärtzemangel

Ärztehaus: Grüne geben nicht auf

Stehen 1500 Niddataler Bürger bald ohne Hausarzt da? Die Grünen befürchten das – und lassen deshalb nicht locker mit ihrem Ruf nach einem Ärztehaus innerhalb der Stadtgrenzen.
16. Februar 2017, 04:55 Uhr
Die Grünen Vertreter Philipp Seuss, Markus Nikleniewicz (2. v. r.) und Oliver Seuss (r.) bei der Übergabe der Unterschriften an Stadtverordnetenvorsteher Lutz Sierach (2. v. l.), Bürgermeister Bernhard Hertel (l.) und Hauptamtsleiter Volker Hermann (3. v. l.). (Foto: jwn)

zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag übergab Oliver Seuss (Grüne) 335 Unterschriften von Bürgern an den Stadtverordnetenvorsteher Lutz Sierach (SPD) und Bürgermeister Bernhard Hertel (parteilos). »In zwölf Monaten schließt die erste Arztpraxis in Niddatal und trotzdem lehnt die Mehrheit im Niddataler Stadtparlament am 12. Dezember vergangenen Jahres erneut den Prüfantrag der Grünen an den Magistrat im Hinblick auf ein Ärztehaus in Niddatal ab«, betonte er. Für die Mehrheit im Parlament sprechen die Kosten gegen eine solche Idee. Die Stadt besitze weder das Geld für ein derartiges Haus noch das notwendige Personal.

Mehrfach in den vergangenen Jahren hatten die Grünen das sich andeutende Vakuum der ärztlichen Grundversorgung in der Stadt thematisiert. In der Sitzung im vergangenen Dezember, als die Schließung der ersten Arztpraxis in Assenheim im Dezember 2017 bereits feststand, hatten die Grünen eine neue Form der Ärzte-Findung ins Gespräch gebracht. Vorbild ist die Gemeinde Büsum in Norddeutschland. Sie geht einen völlig neuen Weg, übernimmt selbst die Trägerschaft der hausärztlichen Praxis, die im Ort vorhandene Ärzte anstellt und durch gezielte Nachwuchsgewinnung die Nachbesetzung der Hausarztsitze sichert. »Dabei kommt man dem Lebensmodell der nachwachsenden Ärztegeneration entgegen, die mit dem Ankauf des Kassenarztsitzes zunehmend nicht mehr die kaufmännische Verantwortung für den Praxisbetrieb übernehmen wollen«, erklärte Seuss. Da überwiegend Frauen als Nachwuchsärzte zur Verfügung stünden, müsse ein neues Beschäftigungsmodell entwickelt werden, das dieser Ärztegeneration entgegenkomme. Ähnliches könne man für Niddatal auch vorsehen, finden die Grünen und hatten das Modell auch bei einer Podiumsdiskussion mit Niddataler Hausärzten, Ärztevertretern, Fachleuten aus der Bundes- und Landespolitik sowie von der Kassenärztlichen Vereinigung diskutiert und für gut befunden. Für Seuss ist es weiterhin unerklärlich, »warum die Stadt den Dornröschenschlaf einer zielorientierten und sinnstiftenden Sozialpolitik vorzieht«.

Seuss will nicht ein Jahr warten

Die Auslage der Unterschriftenaktion habe gezeigt, dass ein Großteil der Bürger die Angst teilt, dass man demnächst zum Arztbesuch in Nachbarkommunen fahren muss. Nach den ersten 335 Unterschriften kündigte Seuss am Dienstag bei der Sitzung des Stadtparlaments in Bönstadt mindestens 1000 weitere Unterschriften in den nächsten Tagen an. »Mit einem Ärztehaus tun wir jedenfalls nicht nur etwas für unsere eigenen Bürger, sondern werden bei Ansiedelung von Fachärzten auch Bürger aus Nachbargemeinde zu uns locken.« Das bringe zusätzliche Kaufkraft und mehr Leben in die Stadt.

Mit der Unterschriftensammlung wollen Seuss und seine Grünen nun Druck auf das Stadtparlament ausüben. Nach der Zurückweisung ihres Antrags im Dezember müsste die Fraktion eigentlich mindestens ein Jahr warten, um mit einem ähnlichen Antrag das Thema wieder auf die Tagesordnung bringen zu können. So lange wollen sie aber nicht warten. Deshalb ihre Bitte an Stadtverordnetenvorsteher Sierach: »Geben Sie uns und der Stadtverordnetenversammlung in nächster Zeit noch einmal die Gelegenheit, uns mit der Materie zu befassen.«

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