07. Februar 2018, 08:00 Uhr

Europaweite Ausschreibung

Ärger um Busvergabe

Die Vergabe des Busverkehrs für drei Linien im Main-Kinzig-Kreis ist vorerst gestoppt. Darunter ist auch die Verbindung von Nidderau nach Hanau.
07. Februar 2018, 08:00 Uhr
Wer soll ab Ende Juni den Stadtbus in Nidderau fahren und die drei Linien im Main-Kinzig-Kreis? Darüber ist ein Streit entbrannt. Die unterlegenen Bewerber haben sich beschwert, nun wird nachgeprüft. (Foto: jwn)

Die Vergabe der Busverkehrslinien ist ins Stocken geraten. Betroffen davon sind die Verbindunge von Nidderau nach Hanau (Linie 562), von Altenstadt nach Hanau (Linie 563) und von Großkrotzenburg nach Hanau (Linie 566). Es soll noch einmal überprüft werden. Anlass sind nicht nur die Beschwerden der bisherigen mit dem Verkehr beauftragten Busunternehmungen, sondern auch der aufkommende Zweifel an der Zuverlässigkeit der Firma Viabus.

Das Busunternehmen aus Speyer, dessen Konzernmutter in England sitzt, hatte Ende vergangenen Jahres die europaweite Ausschreibung für die drei Buslinien zuzüglich des Schülerverkehrs in der Region gewonnen. Geplant war bisher, dass ab Juni die Droschken von Viabus dann die Fahrten übernehmen. Dies kritisierten zunächst die beiden Busunternehmen Stroh aus Altenstadt und Heuser aus Langenselbold, die bisher den Busverkehr betrieben haben. Viabus agiere mit Dumpingpreisen. Bei der zugrundeliegenden Kilometerleistung könne Viabus allenfalls mit einem Umsatzerlös von 2,40 Euro pro Kilometer rechnen. Nach Meinung der beiden Busunternehmen sei dies nicht auskömmlich, realistisch seien vielmehr 2,80 bis drei Euro je Kilometer.

 

Kritik von Fahrgästen

Kritik kommt aber auch von den Fahrgästen des Busunternehmens aus anderen Städten. Beispielsweise Bad Vilbel oder in Aschaffenburg. Dort seien Busse einfach an den Haltestellen vorbeigefahren oder seien viel zu schnell in den Städten unterwegs. Liniennummern hätten entweder ganz gefehlt oder seien handgemalt gewesen. Auch seien die eingesetzten Busfahrer oftmals sehr ruppig im Umgang mit ihren Fahrgästen.

Bei der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG), die vonseiten des Main-Kinzig-Kreises mit der Personenbeförderung befasst ist, und auch beim Busunternehmen Viabus hüllt man sich derzeit in Schweigen. Kreissprecher John Mewes räumt ein, dass bei einer Vergabe grundsätzlich die Leistungsfähigkeit eines Anbieters geprüft werde, auch die Plausibilität von dessen Angeboten hinterfragt werde. Ob dies auch im Falle Viabus so erfolgt sei, dazu gab es keine Antwort.

 

Brisant für Nidderau

Im Nidderauer Rathaus reagiert man zurzeit eher zurückhaltend. »Wir sind da als Stadt völlig machtlos und müssen auf RMV und KVG vertrauen«, sagt Stadtverordnetenvorsteher Gunter Reibert (SPD) im Stadtparlament. Für Nidderau ist die Angelegenheit sogar noch brisanter, denn ab dem 28. Juni soll nach Vergabe durch die KVG auch der Stadtbus von dem Busunternehmen Viabus betrieben werden. »Wir können nur abwarten und genau hinschauen, ob alles klappt. Schließlich ist es das Geld unserer Bürger, mit dem wir den Busverkehr finanzieren«, sagt Reibert. Für die Stadt sei die KVG der erste Ansprechpartner und die müsse entscheiden und auch verantworten, wer die Buslinien betreibt.

 

Mitschuld trägt die Landesregierung

Mittlerweile hat die Angelegenheit so hohe Wellen geschlagen, dass das Land hineingezogen wird. Landrat Thorsten Stolz (SPD) wirft der Landesregierung eine erhebliche Mitschuld für die fehlende Bevorzugung regionaler Unternehmen im Linienbusverkehr vor. Der Wettbewerb sei von der Landesregierung vor 15 Jahren eingeführt worden und so gewollt. »Neutralität, Gleichbehandlung und die Vorgaben aus dem Vergaberecht sind für die Kreisverkehrsgesellschaft und den Main-Kinzig-Kreis deshalb bindend. Das gilt auch dann, wenn einem persönlich Ausschreibungsergebnisse nicht gefallen, weil der gewünschte Vertragspartner den Wettbewerb nicht für sich entscheiden konnte«, erklärt Stolz. Auch wenn aus regionaler Perspektive eine andere Entscheidung wünschenswert wäre, so ist nach Auffassung des Landrats der Ermessensspielraum hier nur sehr klein. Vorrangige Punkte blieben dabei die Neutralität und die Gleichbehandlung aller Anbieter. Und am Ende habe schließlich jeder Bewerber das Recht, einen Antrag auf Überprüfung zu stellen. Doch selbst wenn ein Verfahren beanstandet werde, sei damit noch nicht zwingend ein anderer Ausgang verbunden.

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